NEUSCHNEE: „Wir erzeugen eine künstliche Wolke“

(c) Walter Klasz / neuschnee

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Im Interview sprechen wir mit Michael Bacher, dem Geschäftsführer von NEUSCHNEE, über Wetterbeeinflussung und unbekannte Langzeitauswirkungen

Mit einer „künstlichen Wolke“ Skigebiete beschneien – klingt im ersten Moment ein wenig nach Chemtrails. Wir haben uns mit Wetterbeeinflussung in Österreich abseits von Verschwörungstheorien beschäftigt. Die NEUSCHNEE GmbH. produziert energieeffizienten Pulverschnee, erklärt uns der Geschäftsführer Michael Bacher im Interview. Seit 2014 gibt es NEUSCHNEE, das Projekt entstand auf der Universität für Bodenkultur und der Technischen Universität Wien. Im Skigebiet Obergurgl – Hochgurgl im Tiroler Ötztal wird ihre Technik getestet. Bacher spricht darüber, was es mit dieser „künstlichen Wolke“ tatsächlich auf sich hat, wie man sie nutzen könnte, um das Schmelzen der Gletscher zu verhindern und wie sich das Projekt auf die Umwelt auswirkt.

(c) Raimund Appel

(c) Raimund Appel

mokant.at: Woraus – beziehungsweise wie – wird der Schnee hergestellt?
Bacher:
Der Schnee, den wir machen, wird ganz normal aus Wasser hergestellt. Wir erzeugen eine künstliche Wolke – nennen wir es ruhig künstliche Wolke. Wir haben eine Wolkenkammer und schicken in diese Wolkenkammer jede Menge Tropfen hinein, die wir mithilfe von Düsen erzeugen. Da zerstäuben wir das Wasser ganz fein. Dann vermischen wir die Tropfen mit ganz kleinen Eiskristallen und an denen lagert sich dann dieser Wasserdampf an, der rund um die Wassertropfen schwirrt. Dann entstehen an diesen Eiskristallen noch größere Eiskristalle. Die fallen nach unten aus. Der Behälter in Obergurgl ist ballonförmig und unten offen, da fällt es einfach hinaus.

mokant.at: Wie bringt ihr den Schnee auf die Piste?
Bacher: 
Prinzipiell gibt es zwei Versionen: es gibt die punktuelle Beschneiung, die lokal begrenzt passiert und dann schiebt man den Schnee von dort weg. Oder neben der Skipiste mit den Schneekanonen und dann muss man den Schnee noch in der Fläche verteilen. Wir haben uns überlegt, dass wir neben der Piste beschneien und das mit einer flächigen Beschneiung kombinieren wollen. Indem man so ein stationäres Gerät hat, wie es jetzt in Obergurgl ist. Andererseits haben wir die Wolkenkammer, in der sich der Nebel befindet und bei tiefen Temperaturen die Kristalle wachsen und das ganze setzt man dann in eine mobile Plattform. Das fährt dann selbstfahrend im Schnee und verteilt den Schnee gleichzeitig. Das wäre bei konventionellen Geräten nie möglich, weil die so einen hohen Wasserverbrauch und Strombedarf haben, den man mit Batterien nie decken kann. Wir haben ein Konzept entwickelt, das selbstfahrend ist, wie so ein Staubsaugerroboter. Das fährt in der Nacht von oben nach unten – da braucht man weniger Energie. Der kann auch relativ viel Energie rückgewinnen. Und wir brauchen nur für kurze Passagen den Motor.

mokant.at: Entsteht durch die Schneeproduktion eine Umweltbelastung?
Bacher:
Das ist immer relativ – wenn man mit etwas Technischem in die Berge geht, wo es eigentlich natürlich nicht vorkommt, kann man nicht sagen, dass es keine Belastung wäre. Wir haben dort nichts fix verankert, das sind alles temporäre Sicherungsmaßnahmen, damit nichts umfliegt. Aber die eigentliche Schneeproduktion an sich ist nicht umweltbelastend. Wir verwenden nur Luft, Wasser und probieren dann, mit diesen zwei Sachen möglichst effektiv Schnee zu erzeugen. Im Vergleich zu konventionellen Geräten ist es so, dass unsere Version ressourcenschonender ist. Es ist unsere Vision, effektiver Schnee zu machen. Weil wir aus wenig Wasser viel Schnee machen.

mokant.at: Welche Auswirkungen hat diese künstliche Schneeerzeugung auf das Klima oder auf den Boden?

(c) Raimund Appel

(c) Raimund Appel

Bacher: Das können wir eigentlich noch gar nicht sagen, das würde mich auch interessieren. Soweit mir das bekannt ist, ist das ein sehr strittiges Thema, welchen Einfluss der Kunstschnee oder der Skibetrieb auf den Boden hat. Viel wichtiger ist es, wie man im Vorfeld mit dem Boden umgeht. In ganz niedrig gelegenen Skigebieten, wie zum Beispiel Flachau, muss man damit rechnen, dass es wenig schneit. Ergo versucht man, die Pisten so flach wie möglich zu halten, was im natürlichen Gelände so nicht vorkommt. Deshalb planiert man es im Sommer ein, begrünt es und dann hat man eine schöne, gleichmäßige Piste im Winter und kann mit einer sehr geringen Schneeauflage arbeiten. Im hochalpinen Bereich werden die Pisten kaum bearbeitet, das ist dann wirklich das natürliche Gelände, da braucht man dann aber umso mehr Schnee, damit man die Pisten gestalten kann. Das sind zwei Dinge: einerseits der Eingriff in die Natur beim Erstellen der Pisten und andererseits die Schneeerzeugung an sich.

mokant.at: Gibt es schon Langzeitstudien zur Umweltbelastung oder zum Einfluss auf das Wetter?
Bacher:
Ich glaube, den Einfluss auf das Wetter durch Schneeerzeugung in den Alpen kann man ausschließen. Was man nicht ausschließen kann, sind Langzeiteffekte. Man produziert Schnee permanent, man pumpt Wasser von einem Bach im Tal auf einen Berg hinauf, macht dann mit dem Wasser Schnee und der schmilzt dann langsam wieder ab. Das heißt, da bringt man Wasser von einem fremden Ökosystem in ein anderes. Das ist etwas, was man jetzt noch zu wenig abschätzen kann. Aber ich glaube, die Diversität, also die Artenvielfalt, ist schon zurückgegangen. Wobei ich sagen muss, da müssten wir zum Nachbarinstitut [an der BOKU, Anm. d. Red.] gehen, die sich mit hochalpinen Gräsern beschäftigen.

mokant.at: Warum können Sie den Einfluss auf das Wetter ausschließen?
Bacher:
Weil es aus meiner Sicht zu regional ist. Wetter ist eine überregionale Geschichte. Wenn wir uns Klimamodelle anschauen – die arbeiten mit Rasterweiten von zehn bis fünfzig Quadratkilometern. In Obergurgl ist für uns eine Rasterweite von 500 Quadratmetern relevant. Das kann wenn, dann nur ganz kleinräumige Auswirkungen haben. Es gibt auch diese Initiativen, Schnee zu nutzen, um die Erdoberfläche zu kühlen. Dort, wo früher zum Beispiel Gletscher waren, probiert man dadurch, dass man die Oberfläche weiß macht, die Reflektion zu erhöhen und damit verringert man die Temperatur. Es ist anscheinend möglich, die Temperatur signifikant zu reduzieren. So will man in einem Gebiet, in dem heute kein Gletscher mehr ist, wieder einen Gletscher herstellen. Heuer im Winter spricht man davon, dass es sehr kalt werden soll. Warum? Weil es in Sibirien, in großen Flächen, Schneeniederschlag gegeben hat – also große Flächen sind weiß. Das heißt dort, wo normalerweise die Strahlung absorbiert wird, die Temperatur hoch ist, wird sie jetzt reflektiert, die Landmasse kühlt ab und die kalte Luft bringt uns dann die tiefen Temperaturen. Damit Schneeproduktion im Alpenraum einen Effekt auf das Wetter hätte, müsste man Riesenflächen beschneien. Das ist zum Glück noch nicht notwendig. Auf einem normalen Satellitenbild sieht man, es ist alles weiß. Würde man die Skipisten kennzeichnen, würde man sehen, dass das verhältnismäßig eine sehr kleine Fläche ist.

(c) Raimund Appel

(c) Raimund Appel

mokant.at: Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Technik auch in größeren Gebieten anzuwenden?
Bacher:
Ja. Die allererste Idee war von einem Briten, der hatte nichts mit Skifahren zu tun. Unsere Frage war: wie macht man Schneeproduktion effektiver? Er hat gesagt, man müsste es nach dem Vorbild der Natur machen. Da könnte man dann riesige Flächen beschneien. Das ist in Österreich nicht denkbar, weil wir kleinräumige Strukturen haben. Aber in Sibirien oder Nordamerika, wo es über 50 Kilometer nichts gibt außer Ebene, und die Temperaturen tief genug sind, könnte man mit relativ wenig Wasser eine dünne Schneeschicht machen und dazu beitragen, dass mehr Sonnenstrahlung reflektiert wird. Das ist nur eine Zukunftsvision, die jetzt für uns nicht relevant ist. Aber die Technologie an sich in anderen Ländern einzusetzen, sehr wohl. Also sobald alles funktioniert, wollen wir das überall hinbringen.

mokant.at: Wer sind momentan die Kunden?
Bacher:
Momentan sind wir nur im Skigebiet Obergurgl – Hochgurgl. Wir sind noch in der Entwicklungsphase. Also die eigentlichen Kunden, die wir hoffentlich in der Zukunft haben werden, sind die Skigebiete.

mokant.at: Wer profitiert von dem Unternehmen?
Bacher:
Hoffentlich wir früher oder später. Man gründet natürlich Unternehmen auch, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Bei uns war sicher eine Motivation, die Technologie nicht in der Schublade verschwinden zu lassen. Wir können sehr schöne Schneekristalle machen, wir haben eine effektive Art und Weise gefunden, Schnee zu machen. Wir produzieren Schnee mit einem ganz geringen Volumgewicht. Wir können quasi Pulverschnee produzieren. Wenn es uns gelingt, das an den Markt zu bringen, hoffen wir, dass sich das rentiert. Aber das ist eine langfristige Vision, jetzt freuen wir uns über die technische Entwicklung und wenn die funktioniert, dann ist der nächste Schritt die Vermarktung.

mokant.at: Wie wurde das Projekt finanziert?
Bacher: Früher an der Universität. Wir haben 2009 damit an der Uni [Universität für Bodenkultur, Anm. d. Red.] begonnen und 2010 gleich zwei Förderungen bekommen, die teilweise von der Uni finanziert wurden – immer in Kooperation mit der Technischen Universität Wien. Wobei wir die technische Entwicklung immer hier [an der BOKU] gemacht haben. Und der Klima- und Energiefonds hat das zweite Projekt finanziert. Nachdem das vorbei war, haben wir es selbst finanziert und jetzt haben wir ganz klassische Unternehmens- oder Start-Up-Förderungen von der FFG [Forschungsförderungsgesellschaft], die jeder bekommen kann.

Mokant.at: Gibt es auch Kooperationen mit dem Tourismusverband?
Bacher: Das würde mich freuen. Die Tourismusverbände sind in meinem Gespür eher konservativ, also sie gehen jetzt nicht proaktiv auf mich zu. In Obergurgl war es so, dass es ihnen vorgeschlagen wurde und sie haben uns dann aufgenommen. Aber wir müssen uns selber finanzieren, es ist nicht so, dass uns die Tourismusverbände da unterstützen.

mokant.at: Braucht man für Ihre Technik eine besondere Genehmigung in den Skigebieten?
Bacher:
Prinzipiell muss man immer mit dem Grundbesitzer reden, das ist in dem Fall [in Obergurgl] die Agrargemeinschaft. Das ist gar nicht so einfach. Man ist in Tirol und da rennen manche Dinge anders. Man ist zwar mit jedem per Du, aber es ist fürchterlich wichtig, dass man mit jedem spricht. Wenn man mit jemandem per Sie ist, dann schauen sie einen deppert an. Und dann ist es wichtig, dass man wirklich jeden fragt und ganz genau definiert, was man will.

Mehr dazu: http://neuschnee.co.at/index.php/home.html

Titelbild: (c) Walter Klasz/neuschnee

 

 

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

5 Comments

  1. Michaela

    19. Mai 2015 at 18:21

    Nicht gekennzeichneter Werbe-Beitrag? Liest sich zumindest so.

    Ein ganzes Interview mit dem Geschäftsführer eines Unternehmens samt mehrfacher Verlinkung zur Homepage und keine kritischen Fragen. Find ich sehr schade, von euch ist man weitaus Besseres gewohnt. So ein Artikel ist leider sehr ärgerlich für treue LeserInnen wie mich.

    • Martina

      19. Mai 2015 at 19:51

      Ich finde das Interview nicht unkritisch, auch die Auswirkungen usw werden angesprochen – also als Werbebeitrag würde ich das nicht bezeichnen… Passt meiner Meinung nach gut zu den anderen beiden Artikeln.

    • mp

      19. Mai 2015 at 20:14

      naja man muss es auch im Kontext sehn. Der andere Artikel ist ja eher sehr kritisch. Ich glaub, das ist absicht, mehrere Artikel aus mehreren Blickwinkeln. Man muss halt alles lesen.

    • dugi

      19. Mai 2015 at 20:38

      Ich finde nicht, dass der Artikel nach Werbung klingt und auch nicht, dass er unkritisch ist. Kritisch heißt doch nicht, dass man alles negativ hinterfragen muss. Hier wird in einem Interview der eine Blickwinkel beleuchtet. Der kritische Leser sollte durchaus in der Lage sein, das zu erkennen und seine Schlüsse daraus zu ziehen. Im Kontext zu den anderen Artikeln sehen, das würde ich auch sagen.

  2. mp

    19. Mai 2015 at 20:15

    außerdem, die Technologie kenn ich, die ist wirklech eher positiv vor allem im Vergleich mit konventionellen Schneekanonen

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