Mayrbäurl (RFS): „Gendern ist eine Absurdität“

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mokant.at hat sich im Zuge der ÖH-Wahlen mit dem Spitzenkandidaten vom Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), Felix Mayrbäurl, getroffen. Obwohl der RFS das ÖH-Vorsitzteam kritisiert, will er  zum Wohle der Studierenden prinzipiell mit jeder Fraktion zusammenarbeiten.

Felix Mayrbäurl ist Spitzenkandidat des Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), studiert an der TU Wien Wirtschaftsingenieurwesen-Maschinenbau und hat eigentlich gerade keine Zeit: Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren und am Abend steht für den Oberösterreicher die Elefantenrunde mit den anderen Fraktionen am Programm. In einem Interview mit mokant.at spricht der 22-Jährige über Studiengebühren, Burschenschaften und warum man sich beim RFS derart am Binnen-I stößt.

mokant.at: VSStÖ und GRAS haben im Vorfeld ein Streitgespräch mit euch abgelehnt. Warum will keiner mit euch diskutieren?
Felix Mayrbäurl: Vielleicht haben sie Angst, im Gespräch zu verlieren, das kann ich mir durchaus vorstellen. Ich habe die Einstellung, man muss sich mit anderen Meinungen auseinandersetzen. Das ist wichtig um sich weiterzuentwickeln und ich finde es sehr schade, wenn diese Fraktionen das ablehnen. Da sollten die Beiden ihr Demokratieverständnis überdenken, wenn sie nicht mit uns über Wahlkampfthemen sprechen wollen.

„Das Binnen-I schränkt den Grad der wissenschaftlichen Freiheit ein“

mokant.at: Ein Reibungspunkt mit den anderen Fraktionen ist das Gendern, ihr seid streng dagegen. Was stört euch so dabei?
Felix Mayrbäurl: Wir sind grundsätzlich für Gleichberechtigung und für die Gleichstellung der Frau in allen Lebensbereichen, nur nimmt dieses Gendern mittlerweile Absurditäten an. Die Bundeshymne ist ein Beispiel, da streitet man sich im Nationalrat und auf bundespolitischer Ebene monatelang, ob man die Frauen mit hinein nimmt und kümmert sich nicht mehr um relevante Themen. Die Hymne ändert ja nichts an der Situation der Frau in der Wirtschaft oder sonst wo. Das kann man sich einfach sparen, genau so das Binnen-I. An einigen Universitäten ist es schon Pflicht, die Arbeiten mit Binnen-I zu verfassen. Das stört den Lesefluss extrem, andererseits schränkt man dabei auch den Grad der wissenschaftlichen Freiheit ein.

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Foto: (c) Romina Schalling

mokant.at: Wird man durch diese Art der Formulierung tatsächlich derart in der akademischen Freiheit eingeschränkt, dass es für euch zum Problem wird?
Felix Mayrbäurl: Ja, denn es wird dir vorgeschrieben, wie du deine Gedanken zu formulieren hast. Das sollte jedem Studenten selbst überlassen sein. Dieses Vorschreiben ist völlig absurd.

mokant.at: Du hast jetzt gesagt, ihr seid prinzipiell für Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen. Wie steht das in Relation mit so exklusiven Institutionen, wie etwa den Burschenschaften?
Felix Mayrbäurl: Die Burschenschaft ist traditionell eine Männerverbindung. Es gibt auch gemischte Verbindungen und einige Damenverbindungen. Ich würde das mit einer Herren- und Damenmannschaft beim Fußball vergleichen, dort gibt es auch diese Trennung. In Wien gibt es mittlerweile vier bis fünf Damenverbindungen, damit ist auch hier die Gleichberechtigung gewährleistet.

mokant.at: Du bist ja selbst in der Verbindung „Libertas“. Wie viele Mitglieder des RFS sind überhaupt in einer schlagenden Verbindung?
Felix Mayrbäurl: Absolut kann ich das nicht sagen, ich schätze aber um die 30 Prozent.

„Die Mensur ist eine Extremsportart“

mokant.at: Ein Teil solcher Verbindungen ist die Mensur. Was ist dabei das Faszinierende?
Felix Mayrbäurl: Das ist eine Extremsportart, wie auch Fallschirmspringen oder Boxen, das ist ähnlich. Es ist sehr spannend, man kann sich dabei persönlich weiterentwickeln. Ich schätze es sehr.

mokant.at: Das heißt der sportliche Aspekt ist dir dabei wichtig. Alexander Schierhuber (Vorstand des RFS, Anm. d. Red.) hat in einem Interview gemeint, das Mensurfechten sei charakterprägend. Stimmst du dem zu?
Felix Mayrbäurl: Sport ist immer charakterprägend, wenn man an seine eigenen Grenzen gebracht wird. Beim Mensurfechten ist das extrem der Fall. Man weiß wo man steht, wie man mit Angst umgeht, das ist für mich sehr wertvoll. Es ist eine Form der Selbsteinschätzung.

mokant.at: Weil du auch andere Burschenschaften angesprochen hast: Wie sieht dort der Kontakt aus, ist man gut vernetzt?
Felix Mayrbäurl: Ich bin ja nicht als Burschenschaftsvertreter hier, beantworte die Frage aber natürlich trotzdem gerne. Es gibt in Wien über 20 national-freiheitliche Verbindungen und noch mehr katholische. Ein gewisser Kontakt zu anderen Burschenschaften ist natürlich da, man trifft sich ab und zu. Die Verbindungen sind in ihrer politischen Form aber sehr heterogen, da geht es oft weit auseinander.

Foto: (c) Romina Schalling

Foto: (c) Romina Schalling

mokant.at: Wenn das so weit auseinandergeht: Kann das Thema nicht auch problematisch werden, vor allem wenn man sich Burschenschaften wie die Olympia ansieht, die ja als rechtsextrem eingestuft werden?
Felix Mayrbäurl: Das möchte ich nicht beurteilen. Ich glaube aber nicht, dass sich Olympia in einem Bereich bewegt, wo es zum Strafrecht kommt. Das ist ein privater Verein und zu ihrer Meinung musst du sie selber fragen.

mokant.at: Abschließend möchte ich nochmal zur Zusammensetzung der ÖH kommen. Für euch ist die ja oft zu „links“: Wie würdest du die politische Position des RFS bezeichnen?
Felix Mayrbäurl: Wir sind national-freiheitlich, national-liberal, das ist unser Standpunkt. Die ÖH sollte in gesellschaftspolitischen Fragen unpolitisch sein und nicht versuchen, ihre Mitglieder zu indoktrinieren. Die momentan linke Führung mit GRAS und Konsorten betreiben eine linke Gesellschaftspolitik, die nichts mit der ÖH zu tun haben sollte.

mokant.at: Ich frage deshalb, weil im Streitgespräch FEST vs. KSV Alexander Melinz (KSV) behauptet hat, das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes stufe den RFS als rechtsextrem ein. Wir haben dort nachgefragt und diesbezüglich eine Bestätigung erhalten.
Felix Mayrbäurl: Das DÖW ist ein privater Verein und keine staatliche Institution. Die können uns einschätzen, wie sie wollen.

mokant.at: Lucia Grabetz (VSStÖ) und Meryl Haas (GRAS) bezeichnen euch in unseren Streitgesprächen auch als rechtsextrem. Ihr wollt eigentlich mit allen Fraktionen zusammenarbeiten. Wie soll das gehen?
Felix Mayrbäurl: Wir wollen mit allen zusammenarbeiten, wenn es um das Wohl der Studenten geht. Das muss man unter die persönlichen Empfindlichkeiten stellen, denn es geht um die ÖH. Ich finde es schade, wenn von anderen Fraktionen die Zusammenarbeit von vorne verweigert wird. Wir stehen natürlich weiter für alle auf Verhandlungsbasis offen.

Foto: (c) Romina Schalling

Foto: (c) Romina Schalling

mokant.at: Das Streitgespräch zwischen FLÖ und KSV LiLi löste beim Thema Wahlkampfbudget Diskussionen aus. Wie viel Wahlkampfbudget habt ihr zur Verfügung?
Felix Mayrbäurl: Ich schätze rund 10 000 Euro.

mokant.at: Kommt das gesamte Budget von der FPÖ?
Felix Mayrbäurl: Nein, vieles davon sind private Spenden. Die FPÖ unterstützt uns zwar, aber es ist dabei gar nicht so viel Geld geflossen.

mokant.at: Steht eine so starke Nähe zu einer Bundespartei aber nicht im Gegensatz zu eurer Forderung nach einer ÖH ohne Gesellschaftspolitik?
Felix Mayrbäurl: Das glaube ich nicht. Wir gehören zur freiheitlichen Gesinnungsfamilie, das deklarieren wir auch klar und deutlich. Wir sind eine studentische Vorfeldorganisation der FPÖ, als solche bekennen wir uns. Das gibt es aber auch beim VSStÖ und der SPÖ, AG und der ÖVP und den JUNOS mit den NEOS. Das ist halt so, aber deshalb muss man die Gesellschaftspolitik nicht in die ÖH hineintragen. Sie ist rein für ihre Mitglieder da, soll Studenten vertreten und darf sich nicht bei gesellschaftspolitischen Fragen einmischen.

mokant.at: Ich möchte jetzt konkret auf einige Forderungen eingehen. Ihr seid als einzige Fraktion gegen eine Erhöhung der Toleranzsemester auf zwei bei Stipendienbezug. Warum?
Felix Mayrbäurl: Wer ein Stipendium bezieht, soll auch Vollzeit studieren und eine Leistung erbringen. Dazu ist es nicht nötig, die Semester aufzustocken. In sozialen Härtefällen kann man natürlich darüber nachdenken, Ausnahmen einzuführen. Es sollte aber nicht die Regel sein. Wer ein Stipendium bezieht, soll ordentlich studieren und die Toleranzsemester in der jetzigen Form nicht überstrapazieren.

mokant.at: Was wäre ein Fall für eine solche Ausnahme?
Felix Mayrbäurl: Bei sozialen Härtefällen etwa, zum Beispiel bei Waisen oder Halbwaisen. Da muss man im einzelnen Fall dem nachgehen und prüfen.

„Wenn man Studiengebühren einführt, müssen sie sozial und nach Leistung gestaffelt sein“

mokant.at: Der RFS setzt sich stark für Studiengebühren ein. Wie sollen die konkret aussehen?
Felix Mayrbäurl: Wir sind bei Studiengebühren verhandlungsbereit. Wir wollen aber auch, dass zuerst das Stipendiensystem angepasst wird. Die letzte Inflationsanpassung war 2007, das gehört unbedingt modernisiert. Die Leistungsstipendien sollen erhöht werden und die Studienbedingungen müssen erst optimal sein, dann kann man über Studiengebühren reden. Wenn man diese Gebühren einführt, müssen sie natürlich sozial und nach Leistung gestaffelt sein; Wer sehr viel und gut studiert, soll weniger zahlen. Man muss auch auf die soziale Herkunft Rücksicht nehmen. Studenten aus finanziell schwachen Schichten sollen unterstützt werden. Wer gut studiert, soll bestenfalls noch etwas zurückbekommen und nicht draufzahlen.

mokant.at: Österreichische Studierende sollen jetzt laut Programm des RFS die Gebühren bei Erfüllung von Leistungskriterien refundiert bekommen, ausländische Studierende nicht. Warum diese Trennung?
Felix Mayrbäurl: Die meisten ausländischen Studenten gehen nach dem Abschluss in ihre Heimat zurück. Das heißt, sie verursachen bei uns Kosten, werden ausgebildet und bringen dann dem Staat aber nichts mehr. Am besten sieht man dieses Prinzip an der Med Uni Wien mit den Numerus-Clausus-Flüchtlingen aus der Bundesrepublik. Die studieren in Österreich fertig und gehen dann sofort wieder nach Deutschland zurück. Wenn die Republik Österreich etwa die Medizinerausbildung für Deutschland zahlt, entstehen absurde Kosten.

Wordrap:

Hochschule bedeutet für mich?
Freiheit

Ein ideales Studium braucht für mich?
Beste Studienbedingungen und Lerninhalte

Meine Wahlversprechen in einem Satz?
Ich verspreche, mich für alle Studierenden gleichermaßen einzusetzen und für eine bessere ÖH zu sorgen.

Titelbild: (c) Romina Schalling

Markus Füxl studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: markus.fuexl[at]mokant.at

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