FEST vs. KSV: „STEOP kübeln und wegschmeißen“

(c) Michael Nowak
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Magdalena Goldinger von der Fraktion engagierter Studierender (FEST) und Alexander Melinz vom Kommunistischen Studentinnenverband (KSV) im Streitgespräch zur ÖH-Wahl.

Die Fraktion engagierter Studierender, bekannt unter der Abkürzung FEST, bildet derzeit – in einer Koalition mit drei linken Fraktionen – die ÖH-Bundesvertretung. FEST-Spitzenkandidatin Magdalena Goldinger diskutiert mit Alexander Melinz über die aktuelle Arbeit der ÖH und das Wahlprogramm. Melinz ist Zweiter in der Liste des Kommunistischen StudentInnenverband (KSV). Obwohl sich der KSV als Kontrollorgan sieht und sich nach der Wahl nicht an einer Koalition beteiligen wird, schaffen die beiden Vertreter, die Sätze des anderen zu vollenden. Uneinig ist man sich beim Thema Drittmittel oder in den Details zur Frauenquote. So ist Alexander Melinz der Meinung, eine Frauenquote würde eher den Frauen in Führungsetagen weiterhelfen, nicht aber „die Doppelbelastung derer verbessern, die Kinder haben oder alleinerziehende Mütter sind“. Für Magdalena Goldinger hingegen sei die Frauenquote der erste Schritt um Bewusstsein zu schaffen, denn „wir sind nicht in einer komplett gleichberechtigten Beziehung angelangt.“ Ein Streitgespräch über die perfekte Welt, Studienpläne und die Verschulung der Universitäten.

mokant.at: Ihr seid beide für die Abschaffung der STEOP in der derzeitigen Form. Was soll sich den ändern oder wie könnte man sie verbessern?
Alexander Melinz: Ich wüsste nicht, wie man die STEOP (Studieneingangs und Orientierungsphase, Anm. d. Red.) verbessern kann. Sie gehört abgeschafft. Das ist ein Mittel, wo man schon zu Beginn probiert, die Studierenden aus dem Studium rauszuekeln. Das Schlimme ist, es passiert nicht nur dadurch, dass die Studierenden frustriert sind, weil am Anfang große Prüfungen warten, sondern es hat auch einen sozialen Kontext. Man darf, wenn man die STEOP nicht geschafft hat, teilweise keine anderen oder nur ECTS (Maßeinheit für Studienleistung, Anm. d.Red.) in geringem Ausmaß machen. Wenn ich aber zum Beispiel Studienbeihilfen-Empfänger bin, muss ich nach dem ersten Studienjahr meine 30 ECTS vorlegen. Wenn ich die STEOP nicht habe, kann ich mit dem Studium nicht weiter machen, verliere das Stipendium, verliere vielleicht die Familienbeihilfe und dann ist das Studium aus finanziellen Gründen schon beendet. Es gibt einfach keine faire Alternative.

(c) Michael Nowak

(c) Michael Nowak

Magdalena Goldinger: Die STEOP in dem Sinn kann man einfach nur kübeln und wegschmeißen. Eigentlich ist es nur ein Prüfen und Hinausprüfen. Wenn man eine STEOP nicht schafft, hat man eigentlich nur Nachteile und keinerlei Vorteile. Wir sind schon für eine Orientierungsphase. Es gibt viele Studierende, die aus der Schule kommen und nicht wissen, was Studieren überhaupt heißt. Unser Ansatz ist: „Ich habe die Möglichkeit mich wirklich ein Jahr lang, oder länger, oder kürzer, je nachdem, zu orientieren. Wo möchte ich meine ECTS-Punkte sammeln? Was möchte ich jetzt genau studieren und in welchem Studienfach möchte ich mich inskribieren?“.
Alexander Melinz: Den Effekt gibt es auch, wenn man ein sinnvoll aufgebautes Curriculum hat, ohne zwanghafte Verschulung, wo man in das Studium hineinwachsen kann und selber auch die Möglichkeit hat, sich seinen Weg durch das Fach zu suchen. Aktuell wird den Leuten etwas reingedrückt, in dem Wissen, dass es rein zeitlich nicht möglich ist, das irgendwie zu fassen – oder sich auszuprobieren. Ich glaube, dass der Erkenntnisgewinn auch ein sehr geringer ist. Sowohl von der restriktiven Auslegung mit den ECTS bis hin zum inhaltlichen Aufbau hat das überhaupt keinen Sinn.

„Aufnahmetests sind immer nur eine Momentaufnahme.“

mokant.at: Ihr tretet beide gegen die Einführung von Zugangsbeschränkungen bzw. Eignungstests ein. Aber auch gegen Studiengebühren. Was ist eure Lösung für überlaufene Studienrichtungen und Hochschulen?
Magdalena Goldinger: Eine bessere Orientierungsphase. Aufnahmetests sind immer nur eine Momentaufnahme. Ich schaue mir den Menschen dahinter nicht an. Gerade an Kunstuniversitäten sind diese Aufnahmetests manchmal auch davon abhängig, wie viel Vorbildung ich genossen habe. Am Anfang ist eine gute Orientierung nötig, die den Menschen aufzeigt, was man überhaupt studieren kann. Man muss auch kleinere Studiengänge und Spezialisierungen aufzeigen, dann verteilen sich die Studierenden wesentlich besser.
Alexander Melinz: Die Problematik fängt eigentlich schon vor der Uni an. Man hat bereits in der Schule mangelhaft die Möglichkeit sich zu informieren. Mit der speziellen Gliederung des österreichischen Schulsystems hat man bereits gewisse Vor- oder Nachteile bevor man ein Studium überhaupt beginnen möchte. Und zudem wird so getan, als ob die Zugangsbeschränkungen und die Einführung von Studiengebühren an der Problematik, dass es zu wenige Laborplätze und Seminarplätze gibt, irgendetwas geändert hätten. De facto stimmt das nicht. Wir haben jetzt teilweise wieder eingeführte Studiengebühren, wir haben in vielen Fächern Aufnahmeprüfungen oder diese STEOP und die Problematik ist gleiche geblieben. Die Unis sind weiterhin krass unterfinanziert. Das kann man nicht durch Gebühren ausgleichen. Eigentlich sollten zwei Prozent des BIP (Bruttoinlandsprodukt, Anm.) für Bildung zur Verfügung stehen und ich glaub in der Realität sind es momentan 1,4 Prozent.

mokant.at: Was ist eure Lösung bei FH Studiengängen wo sich teilweise mehrere 1000 Leute für ein paar wenige Studienplätze bewerben?
Magdalena Goldinger: Ich brauche auch ausfinanzierte Fachhochschulen. Eigentlich brauche ich einen Plan, einen Plan für das komplette Bildungssystem. Es gibt an den Fachhochschulen nur deshalb Aufnahmeprüfungen, weil der Staat nur eine gewisse Anzahl von Studienplätzen finanziert.

Der zweite Teil des Interviews ist auf Seite 2 zu finden! 

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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

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