Bloggen: Hobby, Karriere oder beides?

Überall sind sie jetzt, die Blogger – ob Food, Reisen oder Beauty. Wie aussichtsreich die Karriere als Blogger nun wirklich ist, hat sich mokant.at genauer angesehen.

Klinische Lichter, Stille, nur unterbrochen vom Pfeifen eines Mikrofons: es herrscht leicht angespannte Stimmung bei der Pressekonferenz zum Thema Bloggen, zu der Mediengrößen wie Euke Frank, Chefredakteurin der Woman, als Gäste geladen sind. Ihr gegenüber sitzen zwei österreichische Bloggerinnen. Sie sollen den Erfolg, das Prestige repräsentieren, das diese Berufung mit sich bringen kann. Einige happige Themen werden besprochen, Zusammenarbeit mit Unternehmen und Kennzeichnung von Werbung sind heiß diskutiert. Und dann kommt die Frage aller Fragen – wie viel verdient so ein Blogger eigentlich? Von einer Frechheit von 50 bis 150€, meint Julia Ratzinger frei heraus, Besitzerin von stylekingdom.com. Hristina Micevska von fleurdemode druckst herum – sie schreibe keine einzelnen Artikel für Unternehmen mehr, sie ginge nur mehr längerfristige Kooperationen ein. Aber wie viel denn jetzt? „Ab 600€ pro Artikel“, meint Micevska schließlich. Da staunt die Runde nicht schlecht.

Endlich etabliert – oder?
Wir schreiben das Jahr 2015. Mittlerweile müsste der Trend des Bloggens bei jedem mit einem Computer und einer Grundkompetenz im Web angekommen sein. Sie sind überall, in keinem Lebensbereich geht es mehr ohne sie: Mode und Make-Up und Lifestyle, Politik und Gesellschaft und Personal Blogs – ja, sogar Blogs über das Bloggen kursieren umher. Bloggen ist cool, es ist persönlich, jeder kann es, wenn er will. Nordamerika und Großbritannien machen es uns vor: Bloggen kommt mit Vorzügen, es gibt freie Eintritte, gratis Proben und noch mehr. Aber was ist mit den reichlichen Gehaltsschecks so mancher anglo-sächsischer Blogger – wie realistisch sind die im kleinen, immer etwas langsamen Österreich? Bloggerinnen wie Micevska scheinen es geschafft zu haben, aber wie sieht das mit den vielen Nachzüglern aus? Kann der österreichische 0815-Blogger erwarten, mit viel Leidenschaft und Fleiß eines Tages sein Leben mit seinen Blogsposts zu finanzieren? Eine Karriere als Blogger, das wäre doch was.

Annäherungsversuche
Dass Blogger in Österreich zu einer unsichtbaren Nischengruppe gehören, ist definitiv nicht mehr der Fall. Große Konzerne halten Blogger-Awards ab, Medienunternehmen wenden sich Bloggern zu und schaffen Platz für sie in ihren Magazinen – von Unverständnis und Ignoranz kann keine Rede sein. Dennoch gibt es viel Luft nach oben. „Blogger fühlen sich geehrt, wenn sie von Unternehmen angeschrieben werden und viele Unternehmen nützen das aus.“, meint Janneke Duijnmaijer, Studentin, Foodbloggerin und neuerdings Blog-Coach. Seit fünf Jahren gibt sie in ihrem Blog orangenmond.at Rezepte und Tipps preis, geschmückt mit vielen Fotos. Sie hat Erfahrung mit der Arbeit als Bloggerin mit Unternehmen: „Foodblogger werden oft von verschiedenen Unternehmen angeschrieben. Diese wissen oft nicht was sie erwarten können oder was sie wollen – das einzige, das sie wissen, ist, dass sie nicht zahlen wollen.“ Da diese Kooperationen auch für

(c) Victoria Koffler

(c) Victoria Koffler

viele Blogger Neuland bedeuten, kommt es hier oft zu Ungerechtigkeiten. Es fehle an Organisation im Berufsfeld und Kommunikation zwischen Bloggern und Unternehmen; niemand wisse, wie viel man für einen bezahlten Artikel verlangen könne. Auch Victoria Koffler, Reisebloggerin, Studentin und Besitzerin von globeaustronaut.com, bekommt langsam Einsicht in die Beziehung zwischen Reisebloggern und relevanten Unternehmen. Sie bloggt erst seit 2014, hat jedoch schon einige Events für Reiseblogger besuchen können – sogar von Agenturen gesponsert: „Die PR-Agenturen gehen mehr auf uns ein, sie bemerken uns jetzt.“ Victoria selbst hat mittlerweile Erfahrung mit Firmenkooperationen machen dürfen, als sie ein Hotel nach Belgrad zur Pressereise einlud, zu der sie schließlich auch einen Beitrag schrieb.

Werbung oder Content?
Da schrillen die Glocken – denn solche Artikel werden doch leicht zur Werbung, indirekt beeinflussend und positiv, egal wie das Produkt denn nun war. Janneke meint hierzu: „Das kommt auf den Blogger an. Gerade neue Blogger trauen sich nicht, Negatives zu schreiben. Manche weigern sich einen Artikel zu schreiben, wenn sie nicht zufrieden mit dem Produkt sind.“ In ihren Artikeln erwähne sie die Produkte, die sie zugeschickt bekommt, und verlinke sie lediglich, ohne Bewertung. Quasi Werbung und irgendwie auch nicht. Es gäbe eben kein Gesetz, wie das zu handhaben sei, es fehle eine Richtlinie. Auch das fehlende Verständnis von Lesern sei hinderlich – gesponserte Artikel seien trotzdem nicht mit Werbung gleichzusetzen und die Aufwand hinter den Blogs müsse sich doch irgendwie auszahlen.

Zeit und Geld
Und dieser Aufwand kommt nicht zu knapp, denn hinter regelmäßigen Blogposts stecke mehr, als man denkt. So habe Janneke zwei Fixpunkte in der Woche, in der sie ihren Blog updaten würde. Schreibblockade habe sie nie, oft hätte sie so viele Ideen, die könne sie gar nicht alle verbloggen. Es hänge alles von ihrer restlichen Lebensplanung ab, meist fiele Contentproduktion und Artikel schreiben auf das Wochenende. Victoria verbringt auch einige Stunden mit ihren Posts. Ihre Reise nach Belgrad wurde zu vier Posts verarbeitet, eines davon ein Video. Hierfür muss sie Foto- und Videomaterial sammeln; gemeinsam mit dem Artikelschreiben kommt sie hier auf zirca sieben Stunden ingesamt pro Artikel. Ein bis zwei Mal die Woche versuche sie zu posten. Und wie ist das eigentlich mit den anderen Nebenkosten: den nicht bezahlten Reisen, den restlichen Kochutensilien? Auf diese Frage hin lächelt Victoria schwach – ihre restlichen Reisen finanziert sie aus eigener Kasse. Ist die gelegentliche gratis Reise oder das geschenkte Backutensil denn auch die ganze Arbeit wert? Kann Blogging zum Beruf, vielleicht sogar zur Lebensfinanzierung werden? Janneke verneint: In Österreich fehle noch das Verständnis für den Beruf und solange könne niemand vom Blog leben. Victoria hingegen sieht hier mehr Potential; sie habe durch ihren Blog andere Schreibaufträge bei Magazinen bekommen. Außerdem gäbe es ja einige Bloggerinnen, die es mittlerweile geschafft haben. „Wenn man’s wirklich will, dann schafft man’s auch. Aber ich würde mich nicht ganz d’rauf verlassen, ich werde weiterstudieren.“

(c) Janneke Duijnmaijer

(c) Janneke Duijnmaijer

Beruf in Spe
Schließlich wird klar: Blogger sind nicht einfach eine Ansammlung von Leuten, die gerne zu einem Thema Beiträge ins Internet stellen. Mit anderen Branchen gibt es andere Themen zu beschreiben, Probleme zu beachten und Unternehmen anzulocken. Blogs sind kategorisierbar, organisiert und überlassen ihren Content nicht einfach dem Zufall. Deshalb hat Janneke auch ein Foodblogger-Netzwerk in Österreich, foodblogger.at, gegründet. „Es gibt vier Blogger aus jedem Genre, die man kennt und die oft in Zeitschriften zu finden sind, das sind immer die gleichen. Aber es gibt so viele andere, die vielleicht besser zu einem Thema gepasst hätten. Das war uns ein Anliegen, dass alles weniger willkürlich wird.“ Immer mehr Organisation, immer mehr Vernetzung und Struktur scheint in der Branche aufzukommen. Ob die Unternehmen hier mithalten und informiert bleiben, ist fraglich.

Die Pressekonferenz ist vorbei. Ein Werbeunternehmer schreitet umher, fragt nach Kontaktdaten von Bloggern und Bloggerinnen, er will seine Kekse an junge Kunden verkaufen und sucht hier verloren um Hilfe. Hoffentlich findet er Jannekes Foodblogger-Netzwerk bald und mit ihm, viele andere seiner Kollegen – dann wird vielleicht etwas aus dem Traum der Blogger, aus Hobby Karriere zu machen.

Titelbild: (c) Janneke Duijnmaijer

Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

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