The Makemakes: „Uns ist das eigentlich relativ wurscht“

Foto: (c) Lukas Unger

Mit I Am Yours werden die Makemakes im Songcontest als Titelverteidiger antreten. Bis dahin gibt es für die drei „erdigen“ Musiker aber noch viel zu tun

Es ist stark bewölkt, zwischendurch regnet es – das Wetter in Graz ist trist. Genauso trist mag es für einen Musiker wohl sein, ein Interview nach dem anderen zu geben. Für The Makemakes ist es bereits das siebente Interview an diesem Tag – trotzdem beantworten Dominic, Florian und Markus die Fragen geduldig, wirken höflich und nett, wenn auch ein wenig müde. Die Salzburger erzählen über musikalische Vorlieben und Vorbilder, Haare und die turbulente Phase vor dem Songcontest, die sie – in ländlich üblicher Manier – anscheinend sehr gelassen nehmen.

mokant.at: Der Songcontest ist erst Ende Mai und ihr habt bereits euer Lied. Was macht ihr jetzt die ganze Zeit?
Dominic: Ehrlich gesagt haben wir sehr viel Stress und schlafen nicht viel. Wir haben unser Album fertiggestellt, das kommt im Mai raus und gleichzeitig unsere Österreich-Tour, die am 10. April gestartet ist. Dazu kommen Promotermine quer durch Europa und nebenbei auch noch lauter Interviews.

mokant.at: Was spielt ihr auf der Tour, sind schon Lieder aus dem neuen Album zu hören?
Dominic: Ja, wir werden schon ein bisschen was vom neuen Album verraten, aber nicht zuviel, so drei oder vier Lieder. Sonst sind ein paar ältere Lieder von uns dabei und auch die Hits, die man von uns schon kennt, wie Big Bang und I am yours.

mokant.at: Aufgrund letzterem Lied seid ihr in Österreich sehr bekannt. Werdet ihr auf der Straße erkannt?
Dominic: Schon oft eigentlich. Letztens sind der Flo und ich irgendwo in der Pampa bei einer Autobahnraststation schnell was essen gegangen. Auf einmal war da eine ganze Runde von Burschen, die uns erkannt hat.

mokant.at: Nervt euch das, oder findet ihr das toll, wenn Leute euch darum bitten, mit ihnen ein Foto zu machen?
Dominic: Naja, man darf sich nicht nerven lassen, es gehört halt irgendwie dazu und Fans sind etwas ganz Wichtiges.
Florian: Eigentlich ist es etwas Schönes. Ein schönes Feedback.

mokant.at: Was macht ihr so, wenn ihr keine Musik macht?
Dominic: Ganz viel Sport, auf jeden Fall. Von Skateboardfahren, Fußball und Basketball bis zum Klippenspringen. Im Winter auch viel Snowboarden, alles was man im schönen Salzkammergut so machen kann.
mokant.at: Also seid ihr alle sportlich sehr aktiv?
Markus: Genau, sofern die Zeit bleibt. Im Moment haben wir leider eher weniger Zeit dafür aber…
Dominic: …aber der Sport hat sich schon ausgezahlt, weil uns ist zum Glück die Kondition derweil noch nicht ausgegangen, also wenn wir soviel Stress haben.

mokant.at: Makemake ist ein Zwergplanet. Warum benennt man seine Band danach?
Dominic: Zu der Zeit, als wir ein neues Projekt starteten und einen neuen Namen suchten, ist genau dieser Zwergplanet entdeckt worden. Wir fanden das irgendwie passend, und wenn man am richtigen Platz am Mondsee Richtung Süden schaut, sieht man den Stern sogar.
mokant.at: Also war es ein Zeichen des Himmels?
Markus: Ja, könnte man so sagen (lacht).

mokant.at: Woher habt ihr eure musikalischen Einflüsse?
Dominic: Viel Rock ist dabei. Aber auch Blues und Pop. Die Zusammenfassung ist Classic Rock, aber alle unsere Einflüsse sind drinnen. Hauptsächlich Oldies, es geht los bei Bill Withers, über Jimi Hendrix und Thin Lizzy.
mokant.at: Deshalb auch die langen Haare?
Markus: Wir haben sie uns wachsen lassen, das ist einfach entstanden. Meinerseits war ich zu faul, um zum Friseur zu gehen. Aber es passt, es gehört halt dazu.
Dominic: Es kann auch sein, dass sogar mal ein Iron Maiden-Lied der Einfluss für unsere Musik gewesen ist. Oder B. B. King, den finde ich extrem geil, weil er sich als Gitarrist nicht mit extremer Fingerfertigkeit preisen muss. Er spürt es einfach, so stylische Musik ist etwas, das wir auch machen.
Florian: Wir hören natürlich auch aktuellere Musik wie Hip-Hop von Kendrick Lamar oder rockiges, wie Queens of the Stone Age und Jack White.
mokant.at: Ihr habt sehr breit gefächerte Quellen der Inspiration?
Florian: Wir haben einen großen Kessel, da hauen wir alles zusammen und rühren mal durch, dann kommt irgendwas dabei raus (lacht).

mokant.at: Mit zwei dieser „selbstgebrauten“ Lieder aus dem Kessel hattet ihr Erfolg, bevor ihr Songcontest-Teilnehmer wurdet. Was muss man tun und können, um sich in Österreichs Musiklandschaft zu behaupten?
Dominic: Wir machen schon ewig Musik, wir haben auch klein angefangen und auf Zeltfestln, in kleinen Clubs, sogar auf Balletten gespielt. Was das Geheimrezept ist, weiß ich nicht. Man darf sich halt nicht anscheißen vor den ganzen Musikindustrieleuten und sich auch nicht von Hatern einschüchtern lassen. Man muss hart dran arbeiten und sein Ding durchziehen. Alles andere ist unwichtig.
Markus: Nach außen hin erscheint es nämlich immer so, als würde das Leben eines Musikers aus ein paar Auftritten und sonst nur Partys und Fortgehen bestehen. Aber eigentlich ist es harte Arbeit, man verbringt viel Zeit im Studio und muss am Instrument werken.
mokant.at: Also Sex, Drugs und Rock and Roll, das spielt sich in Österreich nicht so?
Markus: Das gehört auch dazu, aber am wichtigsten ist es trotzdem hart an sich zu arbeiten und nicht aufzugeben.
Dominic: Wer feiern kann, kann auch hakeln, oder wie geht der Spruch?

mokant.at: Habt ihr mit eurer Musik eine gewisse Hörerschaft im Sinn?
Dominic: Nein, man darf sich auf keinen Fall einteilen lassen. Das wichtigste ist, dass man gehört wird, die Musik möglichst vielen Leuten näher bringt und etwas macht, mit dem man sich selbst identifizieren kann. Denn jedem kann man nie gefallen.

mokant.at: Eben. Als Beispiel: Der Musikproduzent Markus Spiegel meint, dass eure Band zwar „erdig“ sei, es würde dem Lied „I am yours“ aber an Pathos fehlen, um die Songcontest-Zuschauer zu unterhalten. Es sei nett, aber ein wenig „blutleer“ interpretiert. Wie geht ihr mit solcher Kritik um?
Dominic: Das ist halt seine subjektive Meinung. Ich finde, wir haben es gut interpretiert und bringen es gut rüber, weil es eine Nummer ist, zu der wir voll stehen, und die eine wichtige Bedeutung hat. Es geht um Freundschaft, und wenn er das nicht spürt, wird er wohl ein gefühlskalter Mensch sein (lacht). Nein, uns ist das völlig wurscht, uns tangieren solche Sachen nicht wirklich.
mokant.at: Auch wenn die Kritik von jemandem kommt, der meint, in diesem Bereich Erfahrung und Ahnung zu haben? Macht das keinen Unterschied?
Dominic: Nein, der kann uns gern ansprechen drauf und uns seine Meinung sagen. Wir werden ihm die unsere sagen, aber mehr gibt’s da nicht.
Florian: Jedem kann man es nicht recht machen. Je mehr Leute das sehen und hören, desto mehr wird es geben, denen es voll taugt und denen es nicht gefällt.
mokant.at: Beim Songcontest dann sollte es halt eher vielen gefallen.
Florian: Ja genau, beim Songcontest auf jeden Fall, das passt schon.

mokant.at: Wie findet ihr die Konkurrenzlieder?
Dominic: Finnland sticht auf jeden Fall heraus, die rocken „ihn gscheit eini“. Oder eher punken. Wir haben früher auch Punk gemacht, insofern zerrt uns die Musik. Die drei Tenöre aus Italien sind mir auch im Gedächtnis geblieben, weil die quasi eh schon Weltstars sind.
Florian: Ich hab den Schweden gesehen, mit der argen LED-Show, in der er mit einem Strichmanderl kommuniziert. Das ist eine fette Show.
Markus: Da geht es halt viel um das Drumherum. Wir lassen eher die Musik für uns sprechen.

mokant.at: Dem Songcontest wird zuweilen nachgesagt, dass es hauptsächlich um dieses Drumherum, und weniger um die Musik gehe. Wie seht ihr das und wie schätzt ihr dann eure Chancen ein?
Dominic: Die Chancen kann man eh nicht einschätzen, aber wir lassen wie gesagt die Musik für uns sprechen. Das ganze LED-Gewitter, dass man einen epileptischen Anfall bekommt, brauchen wir nicht.
mokant.at: Aber ein brennendes Klavier?
Dominic: Sowas braucht man natürlich schon (lacht). Aber solche Blitzlichtgewitter sind jetzt nicht unser Ding. Vielleicht kommt dieser dezente Zugang gut, vielleicht ist er den Leuten zu fad. Wer weiß, lassen wir uns überraschen.
Florian: Wir lassen uns noch was einfallen.
mokant.at: Also was jetzt, lasst ihr euch überraschen oder was einfallen?
Florian: Wer weiß? Wir wissen es vielleicht selbst noch nicht.

mokant.at: Andreas Kümmert, der als Songcontestteilnehmer für Deutschland ausgewählt wurde, hat darauf verzichtet. Wie ist das mit euch? Verspürt ihr Druck, da ihr Österreich vertretet?
Dominic: Nein, gerade deswegen, weil der Songcontest hier stattfindet. Österreich zu vertreten ehrt uns. Druck machen wir uns keinen, das kommt wohl von unserer ländlichen Einstellung. Man sieht alles gelassen und lässt es einmal auf sich zukommen.
Florian: Man kann im Prinzip nur sein Bestes geben, was am Ende des Tages dann rausschaut, das werden wir dann sehen.
mokant.at: Könnt ihr Kümmerts Entscheidung nachvollziehen?
Dominic: Ich finde es schade, denn die Nummer war geil und er ist ein sauguter Musiker. Vielleicht muss er erst seine inneren Dämonen besiegen und probiert es dann nochmals oder so. Ich kann es nicht nachvollziehen, warum er zuerst mitmachte, und sich dann zurückgezogen hat. Aber er wird schon seine Gründe gehabt haben.

mokant.at: Die Teilnahme am Songcontest muss nicht zwangsläufig eurer Karriere zuträglich sein. Habt ihr Bedenken, besteht ein Risiko, falls ihr eine schlechte Platzierung abbekommt?
Dominic: Nein, denn wir sind kein klassischer Songcontest-Act in dem Sinn. Uns hat es davor gegeben, uns wird es danach geben. Wir haben stark an Bekanntheit gewonnen und solang es nicht der ganz letzte Platz wird, ist uns das eigentlich relativ wurscht. Ich hoffe wir kommen ins Finale, dann passt alles (lacht).

mokant.at: Wie geht es Christoph Waltz?
Dominic: Eh gut, der dreht gerade an einem neuen Film. Nein, ich sage das immer wieder, manche Gerüchte sind unbezahlbar. Wir finden das eher amüsant, dass sich die Leute den ganzen Tag ihren Kopf darüber zerbrechen. Uns ist das eigentlich relativ wurscht.

Titelbild: Lukas Unger

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