Selbstversuch: Sechs vegane Wochen

(c) Barbara Bürscher
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Kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier, keine Milchprodukte – 90.000 Menschen in Österreich ernähren sich rein pflanzlich. mokant.at hat den Selbstversuch gemacht .

Weitere Selbstversuche der mokant.at-Redaktion

Bevor mein Experiment startet, verbringe ich noch ein Wochenende bei meinen Eltern im oberösterreichischen Ennstal. Vor meiner Abreise koche ich mit meiner Mutter Schnitzel. Währenddessen fragt sie mich fast ein bisschen verzweifelt, was sie denn bei meinem nächsten Besuch in ein paar Wochen kochen soll.

Ähnliche Fragen begegnen mir in den nächsten Wochen immer wieder. Sobald ich erwähne, dass ich mich vegan ernähre, blicke ich oft in erstaunte Gesichter: „Aber da kannst du ja gar nichts mehr essen – das wäre nichts für mich!“, bekomme ich dann zu hören.

Als wir die saftigen selbstgemachten Schnitzel essen, habe ich ein kleines bisschen das Gefühl, ich würde meine Henkersmahlzeit verspeisen. Danach geht es wieder ab nach Wien.

Das Kühlregal lässt mich kalt
Am nächsten Tag startet mein Versuch, die kommenden sechs Wochen vegan zu leben. Ich mache mich auf den Weg zum Supermarkt und lege mir eine „Basisausrüstung“ zu: Sojamilch, Sojasahne, verschiedenste Sorten Bohnen und Linsen, Tofu und Margarine. Dafür ist nicht einmal ein spezielles Lebensmittelgeschäft notwendig. Diese Produkte sind eigentlich in jedem Lebensmittelgeschäft erhältlich.

Ein bisschen schockiert stelle ich fest: Geschätzt die Hälfte des Supermarktes ist für mich tabu. Fast das gesamte Kühlregal ist gefüllt mit Fleisch, Wurst, Milch, Käse und anderen Milchprodukten. Der Platz, den vegane Produkte wie Tofu, Margarine oder vegane Aufstriche einnehmen, ist im Vergleich dazu beinahe verschwindend gering. Trotzdem brauche ich an diesem Tag viel länger im Supermarkt als üblicherweise, obwohl ich mir vorher genau überlegt habe, was ich einkaufen möchte. Das intensive Studium der Inhaltsstoffe, um mich davon zu überzeugen, dass ein Produkt vegan ist, nimmt eben Zeit in Anspruch.

Kleingedrucktes – die tägliche Lektüre
Das Studium des Kleingedruckten wird mit der Zeit selbstverständlich und das nicht nur für mich: „He, mein Tabak ist vegan!“, sagt beispielsweise eines Tages mein Freund zu mir. Der vegane Lebensstil ist mittlerweile in weiten Teilen des alltäglichen Lebens angekommen – ob bei Kosmetikprodukten, Putz- oder Waschmitteln. Während es beim Einkauf von Lebensmitteln noch vergleichsweise einfach ist, vegane Produkte zu wählen, gestaltet sich das bei Pflege- und Haushaltsprodukten schon schwieriger. Wer kann schon entschlüsseln, was sich hinter den kaum aussprechbaren Inhaltsangaben verbirgt?

(c) VGÖ

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„Naturkosmetik ist meistens vegan und in vielen Drogeriemärkten gibt es mittlerweile schon ganze Produktlinien, die vegan sind“, erklärt Felix Hnat von der Veganen Gesellschaft Österreich. „Auf der sicheren Seite ist man, wenn man beim Kauf auf das Gütesiegel, die Veganblume, achtet.“

Party bei der Wurstprinzessin
Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen, seit ich das letzte Mal etwas Tierisches zu mir genommen habe. Ich habe schon die leise Vermutung, dass sich das bevorstehende Wochenende in diesem Bereich etwas schwierig gestalten könnte. Eine Freundin, die in meinem Freundeskreis auch als „Wurstprinzessin“ bekannt ist, weil ihr Vater Fleischhacker ist, feiert Geburtstag – ein ganzes Wochenende lang. Am frühen Freitagabend treffe ich als eine der Ersten bei ihr ein. Die letzten Vorbereitungen, um ihre Wohnung partytauglich zu machen, werden getroffen. Ihr Vater bringt geschätzte fünf Kilo Wurstsalat und Kuchen vorbei.

Nicht nur an diesem Abend, sondern während der gesamten sechs Wochen stelle ich fest: In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es anscheinend jede Menge Ernährungsexperten. Ich erfahre zum Beispiel von zahlreichen Mangelerscheinungen, unter denen ich jetzt angeblich leiden würde. Auch fantastische Geschichten über die Herkunft des veganen Lebensstils sind dabei. Die kurioseste Geschichte erzählt mir ein paar Wochen später ein Arbeitskollege: Die Idee der veganen Ernährung käme ursprünglich aus Indien, von Hippies sei sie dann nach Großbritannien mitgenommen worden. Die hätten sich dann zuhause weiterhin vegan ernährt und schwere Mangelerscheinungen bekommen. Ein Wissenschaftler habe dann Ursachenforschung betrieben und herausgefunden: Aufgrund der mangelnden hygienischen Umstände würden Inder geringe Mengen tierischen Eiweißes durch den Mist, den sie zum Düngen von Gemüse verwenden, zu sich nehmen.

 

Auf Seite 2 geht’s weiter mit meinem ersten Vergehen, veganem Leben am Land und meinem Fazit.

 

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Barbara Bürscher ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: barbara.buerscher[at]mokant.at

1 Comment

  1. alex.may@gmail.com'

    Mayerhofer

    7. April 2015 at 10:13

    nach 6Wochen leidet wohl niemand (also kein gesunder Mensch) gleich an Mangelerscheinungen, wenngleich ich bezweifle, dass vorher und nachher wirklich ein Bluttest durchgeführt wurde?!

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