Reiseguide: Costa Rica

Grün, grün und nochmals grün – das ist Costa Rica. Nachhaltigkeit wird hier groß geschrieben, denn Costa Rica gehört zu den 20 artenreichsten Ländern der Erde.

Man bekommt vor allem eines: die volle Ladung Natur. Das ist allerdings nichts für schwache Nerven und schon gar nichts für Leute mit jeglicher Angst vor (giftigem) Getier. Aber nicht nur Tropen-Fans kommen auf ihre Kosten, sondern auch diejenigen, die ihre Uhren mal nach der „Hora Tica“ stellen und abschalten wollen. Die Hora Tica ist eine Phrase, die für ein anderes Zeitverständnis steht, das nicht nur bedeutet, dass man an jede ausgemachte Uhrzeit das südamerikanische Äquivalent zur akademischen Viertelstunde dazu zählen muss. Die richtige Entspannung bekommt man nicht nur durch endlose Strandspaziergänge, sondern auch durch die Entschleunigung, die von den freundlichen Bewohnern ausgestrahlt wird. Das „Pura Vida“ – übersetzt in etwa das „richtige Leben“ – wird einem an jeder Straßenecke zugerufen und auch wenn es der perfekte Spruch für das Souvenir-T-Shirt ist, kann man sich dennoch sehr leicht an diese Lebenseinstellung halten und einfach mal genießen. Pura Vida ist eben nicht nur ein Spruch, sondern etwas, an das sich die Bewohner auch in jeder Lebenslage halten. Da gehört auch die schon erwähnte hora tica dazu; die bedeutet auch, dass unser Verständnis von Zeit nicht zutrifft und man erst richtig angekommen ist, wenn man die innere Uhr auch umgestellt hat – und das ist definitiv empfehlenswert.

Tipp 1: Nationalparks, Nationalparks, Nationalparks

(c) Katharina Kropshofer

Weißkopf-Kapuzineraffe (c) Katharina Kropshofer

Elemente dieser Kultur der Einwohner der „Schweiz Zentralamerikas“ faszinieren gleichermaßen wie die diverse Natur. Die zahlreichen Naturangebote kann man auf die klassische Weise angehen und die vorgefertigten Tracks in den Nationalparks von Cahuita an der Karibikküste bis zum Parque Nacional Manuel Antonio besuchen. Hier erwarten einen zwar tausende Touristen, aber auch der Strand aus dem Film Castaway und jede Menge Affen, Faultiere und Waschbären. Es gibt jedoch auch „off-track“-Varianten (zum Beispiel der Piedras Blancas Nationalpark an der Pazifikküste), die ein wahres Paradies für Menschen bedeuten, die davon träumen, in Gummistiefeln und mit Machete bewaffnet acht Stunden durch unberührte Wälder zu wandern, um dann als Belohnung im lauwarmen Wasser zu baden und Kokosnüsse von den Palmen zu pflücken.

Tipp 2: Un descansito
Zum Entspannen gibt es wohl kaum einen geeigneteren Platz als Puerto Viejo. Hier schaukelt man gemütlich mit dem Fahrrad durch die Gegend und legt ab und zu eine Pause an einem der Traumstrände ein. Costa Rica ist eines der wenigen Länder, in dem der Regenwald noch bis direkt an die Küste reicht.

(c) Katharina Kropshofer

(c) Katharina Kropshofer

Das hängt auch mit den strikten Naturschutz-Auflagen zusammen, die das Land sehr genau und erfolgreich verfolgt. Auf diese Weise haben es die Costa-Ricaner geschafft, dass 27 Prozent der Landesfläche als geschütztes Reservat und Nationalparks gelten (in Österreich sind das vergleichsweise 16 Prozent). Costa Rica schafft aber auch, diesen Naturschutz wirtschaftlich zu nützen: der Ökotourismus boomt. Die gemütliche Lebenseinstellung leben die Costa-Ricaner in Einklang mit ihrer Umwelt. Eine Erfahrung, die man als Tourist auf jeden Fall auch machen sollte, beispielsweise in einer der zahlreichen Öko-Lodges an der Karibikküste. Diese war jahrelang der Umschlagpunkt für den Handel mit Europa und Afrika. Deswegen herrscht auch heute in größeren Orten wie der Hafenstadt Puerto Limón hohe Kriminalität und wurde bis ins 19. Jahrhundert sogar noch von Piraten besucht. Die Gegend etwas südlich von Limón hat aber auch von seiner abwechslungsreichen Geschichte profitiert und präsentiert sich heute als bunte Kultur- Mischung, die sich sowohl in Sprache als auch im Essen wiederfindet.

Tipp 3: Auf den Spuren des Kakao

(c) Veronika Morgenroth

(c) Veronika Morgenroth

Costa Ricas Kultur überzeugt mit seiner interessanten Vergangenheit. Eine Kakao-Tour oder ein Home Dinner bei den netten „ticos“, wie sich die Einheimischen selbst nennen, sollten ein Fixpunkt sein. Wie traditionelle Kakaoherstellung funktioniert, kann man nicht nur beobachten, sondern auch selbst ausprobieren. Bei einer indigenen Gemeinschaft der Bribri kann das Ganze mal in einem kleinen Rahmen und etwas abseits des üblichen Touristen-Pfades erlebt werden. Nur wenig schmeckt besser als selbst gemahlene und ungezuckerte Kakaomasse auf einer „picksüßen“, eckigen(!) Mini-Banane.

Tipp 4: Glitzern wie Plankton
Untertags erinnert die Wassertemperatur des Pazifiks eher an die einer Badewanne. Mit etwas Glück und am richtigen Ort (beispielsweise rund um Dominical), lohnt es sich, nachts ans Meer zu gehen, um ein wunderschönes Naturphänomen zu beobachten: Bei genauem Hinsehen stellt man fest, dass das Wasser von den fluoreszierenden Algen glitzert. Die sogenannten Dinoflagellaten, die den Großteil des Phyto-(also Photosynthese betreibenden) Planktons ausmachen, erzeugen das Meeresleuchten, indem sie Biolumineszenz verwenden, um Beute anzulocken oder Feinde abzuschrecken.

Tipp 5: Die „grüne Hölle“
Interessant ist auch, die verschiedenen Bananenarten auszuprobieren, denn Costa Rica ist nicht umsonst der zweitgrößte Bananenexporteur der Welt (obwohl das Land flächenmäßig sogar kleiner als Österreich ist). Bei Ananas ist das Land im Export sogar führend.

(c) Katharina Kropshofer

(c) Katharina Kropshofer

Eine wichtige Rolle in der Etablierung des Handels spielte hierbei die United Fruit Company (heute bekannt als Chiquita Bananen), die das Eisenbahnnetz weitgehend ausbaute. Die Bedeutung der Frucht kam auch politisch zum Vorschein, da das zentralamerikanische Land im 19. Jahrhundert als eine der „Banana Republics“ bekannt wurde. Denn die United Fruit Company schaffte es zu dieser Zeit, Personen an die Macht zu bringen, die im Interesse ihrer Wirtschaft handelten und die Demokratie hinten anstehen ließen. Für die Anbauflächen wurde beispielsweise auch die indigene Bevölkerung in höher gelegene Gebiete vertrieben. Carlos Luis Fallas, ein bekannter costa-ricanischer Autor, schrieb den Roman Die grüne Hölle über seine grausamen Erfahrungen als Arbeiter auf einer Bananenplantage der United Fruit Company.

(c) Katharina Kropshofer

Ananasplantage (c) Katharina Kropshofer

Die Industrie rund um die Banane brachte dem Land zwar wirtschaftlichen Aufschwung, aber gleichzeitig auch viele soziale Probleme, die heute noch zu beobachten sind. So hat die Vielzahl der Arbeiter keinen gewerkschaftlichen Schutz, Aufstände werden unterdrückt und die Arbeit ist auf Grund der Pestizide, die in Monokulturen eingesetzt werden müssen, sehr gesundheitsschädlich.

Die negativen Seiten:
1. Die Hauptstadt San José kann man wirklich auslassen. Außer dem großen Mercado Central und dem „Museo de Oro“ am Plaza de la Cultura hat die 1,5 Millionen Einwohner Stadt eher wenig zu bieten.
2. Lasst euch nicht von den Affen reinlegen. Sie mögen vielleicht süß und zutraulich wirken, haben jedoch auch viele negative Eigenschaften mit uns Menschen gemeinsam. So kann man an belebten Tagen im Nationalpark Manuel Antonio beobachten, wie Affen Rucksäcke öffnen um Geldtaschen zu klauen.
3. Costa Rica ist teuer. Preise der Unterkünfte oder in Supermärkten sind vergleichbar mit unseren. Oft erscheint einem das Land deswegen auch etwas widersprüchlich. Denn die Einwohner verdienen selbst nicht viel und können sich die teuren Preise kaum leisten. Das führt beispielsweise dazu, dass die Menschen sich großteils von Reis und Bohnen ernähren.
Manchmal wirkt es deshalb so, als würde das Land nur vom Tourismus aus den Vereinigten Staaten leben. Fährt man beispielsweise mit dem Bus von San José an die Karibikküste, taucht nach einer zweistündigen Fahrt durch den dichten Regenwald plötzlich eine Raststätte samt Burger King am Straßenrand auf.

(c) Katharina Kropshofer

Empanadas de pollo (c) Katharina Kropshofer

Nicht auslassen:
1. Um den teuren Preisen zumindest beim Essen zu entkommen, muss man versuchen, nicht in den Touristenfallen zu landen. Stattdessen kann man sich zwischen die Locals an den Barhockern der Märkte quetschen. So beispielsweise am Markt von Cartago: Dort gibt es schleimige Passionsfrüchte und Ceviche (roher Fisch mit Limone, Zwiebel, Chili und Koriander). Billig essen kann man auch in einem der „Sodas“: kleine, von Einheimischen geführte Restaurants, in denen es meistens nur eine Speise gibt, die aber umso authentischer schmeckt.
2. Es ist leicht, sich für die Natur zu begeistern, wenn sie einem schon am Silbertablett serviert wird. Man muss kein Biologe sein um sich klar zu machen, wie unglaublich artenreich das Land ist. Es macht Spaß, sich ein paar Namen zu merken und Tiere und Pflanzen dann später wiederzuerkennen.

Die richtigen Ladung Natur in Kombination mit der einzigartigen Kultur lässt einen das Pura Vida wirklich leben.

Titelbild: (c) Katharina Kropshofer


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Kathi hat Biologie und Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Sie findet, dass die Kombination hilfreich ist, um sich professionell über die Menschheit zu wundern.

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