Steuerreform: Wieviel darf Kultur kosten?

Die Steuererhöhung auf Museums-, Theater- und Kinobesuche ist beschlossen. Was Kulturbetreiber davon halten und welche Folgen sie hat? Wir haben nachgeforscht

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Die Steuerreform für das kommende Jahr liegt nun auf dem Tisch: Statt dem bisherigen Steuersatz von zehn Prozent auf Tickets für Kino, Theater und Museum will man nun dreizehn Prozent verlangen. Initiativen wie wehrt-euch.at und ticketsteuer.at starteten schon früh eine Petition gegen diese Reform. Damals war noch die Rede von einer Erhöhung auf zwanzig Prozent. Neben vielen prophezeiten Folgen, soll dies vor allem zu Lasten der weniger Verdienenden gehen. Doch wie schlimm ist es tatsächlich?

lose-lose-Situation
Laut Statistik Austria liegt das durchschnittliche Nettoeinkommen in Österreich bei knapp 2.000 Euro. Wenig Verdienende wie beispielsweise Studierende haben hingegen laut Studierenden-Sozialerhebung aus dem Jahr 2011 im Schnitt nur 1.000 Euro Budget zur Verfügung. Neben durchschnittlichen Ausgaben für Miete, Lebensmittel und Co. bleibt für die Freizeitgestaltung nur ein geringer Teil übrig.

Laut Mag. Christian Dörfler, Präsident des österreichischen Kinoverbandes, müsse man die Kosten, die durch die Steuererhöhung entstehen, an die Besucher weitergeben. Da die Kinos in den letzten Jahren aufgrund der Digitalisierung viel Geld in die Ausstattung investiert haben, können sie sich diese Preiserhöhung nämlich nicht leisten. Das bedeutet, dass in Zukunft eine Kinokarte statt 7,40 Euro mit der Steuererhöhung umgerechnet 7,53 Euro kosten würde. Diese drei Prozent machen laut Dörfler durchaus einen Unterschied aus: „Es gibt Studien, die besagen, dass wenn man die Preise um drei Prozent erhöht, das einen Besucherrückgang fürs Kino bedeutet. Wenn dem so ist, bedeutet das weniger Geld für die Kinos, aber auch weniger Geld im Endeffekt für den Finanzminister. Das ist eine lose-lose-Situation.“ Außerdem habe der Großteil der Kinobesucher überhaupt nichts davon, so Dörfler. Fünfzig Prozent der Kinogeher seien zwischen 14 und 25 Jahre alt und gerade Schüler und Studierende würden von der Lohnsteuersenkung nicht profitieren. „Das heißt, der Finanzminister beziehungsweise der Staat kassiert mehr Geld von einer Gruppe, die von der geplanten Steuererhöhung überhaupt keinen Vorteil hat“, erklärt Dörfler. Die Steuerreform beinhaltet nämlich eine Senkung der Lohnsteuer und soll somit vor allem Klein- und Mittelverdiener entlasten.

wehrt-euch.at
Der österreichische Kinoverband hat die Initiative wehrt-euch.at ins Leben gerufen, die sich gegen die Erhöhung der Steuer auf Kinokarten richtet. Sie sind mit den dreizehn Prozent nicht zufrieden. Laut ihren Berechnungen würde die Steuererhöhung der Regierung 2,5 Millionen Euro bringen. „Das ist lächerlich. Das ist gar nichts fürs Bundesbudget und es steht in keiner Relation, wie man Österreich als Kulturstandort schädigt und wie man die Kinos schädigt“, so Dörfler. Ein weiterer Faktor sind legale wie illegale Angebote im Internet auf welche Kinobesucher ausweichen könnten. Ganz besonders illegale Download- und Streaming-Plattformen stören ihn. „Diese Plattformen auszuschalten wäre technisch überhaupt kein Problem. Auch da finde ich die Kinos sehr alleingelassen vom Staat“, so Dörfler. wehrt-euch.at hat inzwischen bereits rund 9.000 Unterschriften gesammelt und man wolle weiterkämpfen, so Dörfler.

„Das wäre eine Katastrophe geworden“
Doch nicht alle sehen die Steuerreform so negativ. Andreas Egger, Geschäftsführer von oeticket.com, ist der Hauptinitiator von ticketsteuer.at, die sich ebenfalls gegen die Steuererhöhung richtet. Dort wurden knapp 10.000 Unterschriften gesammelt. Zur Gründung der Initiative befürchtete man noch die Erhöhung auf zwanzig Prozent. „Das wäre eine Katastrophe geworden“, so Egger. Doch mit der Erhöhung von drei Prozent könne er leben. „Ich glaube, das kann jeder irgendwie verkraften, egal ob auf Publikumsseite oder auf Veranstalterseite.“ Auch die befürchteten Folgen würden, laut Egger, nicht in dieser Weise auftreten. Gründe dafür wären unter anderem die derzeit niedrige Inflation und dass die Steuerreform viel mehr Geld in die Taschen der Haushalte spülen würde, als man mit diesen drei Prozent ausgeben könne. Derzeit liege die Inflation nämlich fast bei null. „Wir hatten früher eigentlich eine Inflation, die durchwegs zwischen zwei und drei Prozent war. Das heißt, wenn die Preise jetzt für Tickets zwischen zwei und drei Prozent angehoben werden, entspricht das eigentlich dem, was vorher die Inflation war“, erklärt Egger. Zwar würden die Gehälter nicht in dem Ausmaß steigen, jedoch würde durch die Steuerreform ein viel höherer Betrag in die Budgets der Familien fließen. „Ich glaube, die Steuerreform ist für Einzelne im Moment schon eine Entlastung“, so Egger.

Der amtsführende Stadtrat für Kultur und Wissenschaft in Wien, Andreas Mailath-Pokorny, sieht das ähnlich: „Natürlich ist kein Kulturveranstalter glücklich darüber, die Ticketpreise um 2,7 Prozent erhöhen zu müssen. Die Belastung ist aber ein verkraftbarer Wermutstropfen angesichts dessen, dass ArbeitnehmerInnen letztlich doch spürbar entlastet werden.“ Dadurch komme es auch zu keinem Besucherrückgang. Die Situation in Österreich sei außerdem nicht vergleichbar mit anderen Ländern wie Italien oder Spanien, erklärt Mailath-Pokorny. Dort wurden die Steuersätze drastisch erhöht, was Besucherrückgänge um dreißig Prozent zur Folge hatte.

Andererseits ändere das laut Egger nichts an der Tatsache, dass ein Großteil der Steuererhöhung nicht im Staatsbudget landen würde. Das liege daran, dass subventionierte Institutionen ihre Preise nicht um drei Prozent anheben würden. Somit müsse das Budget wieder von woanders dazukommen, beispielsweise aus dem Land- oder Gemeindebudget. „Ich finde, wir haben viel erreicht. Wir haben einmal das Schlimmste verhindert und ich verstehe, dass die Republik Geld einnehmen muss“, so Egger. Natürlich sollten kulturelle und künstlerische Leistungen so niedrig wie möglich besteuert werden, jedoch sorge der Staat für viele Grundbedürfnisse und das koste eben viel Geld, erklärt Egger.

Jeden Tag freier Eintritt
Derzeit kostet ein regulärer Eintritt in ein Museum wie beispielsweise dem MuMoK zehn Euro. Für Studierende gibt es den ermäßigten Preis von sieben Euro. Dass die Steuererhöhung auf Kosten der weniger Verdienenden geht, sieht der Wiener Stadtrat Mailath-Pokorny nicht. „Wiens Kulturpolitik ist darauf ausgerichtet, dass alle Menschen Zugang zu Kultur erhalten müssen.“ Das spiegle sich in diversen Vermittlungsprogrammen wie den KulturlotsInnen oder Hunger auf Kunst und Kultur wider. Für finanziell Benachteiligte gebe es außerdem zusätzlich Unterstützung in Form der Kulturpässe. Diese ermöglichen sozial benachteiligten Personen gratis Eintritt in kulturelle Einrichtungen. „Derzeit werden jährlich rund 40.000 Kulturpässe von über 200 Kulturpartnern ausgegeben“, so Mailath-Pokorny. Zusätzlich zu diesen Vergünstigungen gibt es auch viele gratis Veranstaltungen.

„Ich glaube, wenn ich wollte, könnte ich wahrscheinlich jeden Tag ohne Eintritt zu bezahlen, eine kulturelle Veranstaltung besuchen“, so Egger. Auch er ist der Meinung, dass sehr viel getan wird, um Kultur leistbar zu machen. Beispielsweise sei er auch ein Freund einer möglichst breiten Eintrittspreisgestaltung bei kommerziellen Veranstaltungen. So rangiert beispielsweise ein Musical-Ticket im Raimund Theater von fünf Euro für einen Stehplatz bis zu über 100 Euro für einen der besten Plätze in vorderster Reihe. So könne man auch für einen kleinen Preis zumindest an einer Veranstaltung teilhaben, so Egger.

„Jedenfalls gilt es festzuhalten, dass der glimpfliche Ausgang der Steuerreform im Hinblick auf den Kulturbereich vielleicht drastischer ausfallen hätte können, wenn es nicht so einen fundierten und engagierten Einsatz verschiedener Akteure gegeben hätte“, erklärt Mailath-Pokorny.

Titelbild: (c) flickr.com/Thomas Galvez

 

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Karoline Gittenberger ist als Redakteurin bei mokant.at tätig. Sie studiert Soziologie und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien. Kontakt: karoline.gittenberger[at]mokant.at

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