KopfhörerInnen: Calexico – Edge of the Sun

Calexico – Edge of the Sun
(VÖ: 10.04.2015 | City Slang)

(c) City Slang

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Bei den ersten Klängen des neuen Albums Edge of the Sun wird klar, wohin die musikalische Reise geht: Calexico entführen ihre Hörer in die mexikanische Wüste, die nicht immer bedrohlich wirken soll, sondern eher zum sich Treibenlassen einlädt. Man könnte fast sagen, die neuen Stücke lassen einen die Realität viel klarer wahrnehmen und genießen. Typische Mariachi-Trompeten erzeugen einen üppigen Sound und komplettieren immer wieder den Mix aus Indie-Pop, Country und Tex-Mex. Zwischendurch tauchen Stücke auf, die akustisch fast schon zu reduziert wirken, ihre Stimmung aber gerade dadurch gezielt entfalten.

Alte Bekannte und neue Gäste
Calexico sind zwar dafür bekannt mit anderen Musikern zusammenzuarbeiten, aber bei ihrem nunmehr neunten Album haben sie sich diesbezüglich wohl selbst übertroffen. So sind, bis auf einen Song, alle mit unterschiedlichsten Musikern erarbeitet worden: Neben der Grammy-Gewinnerin Carla Morrison findet man auch die guatemaltekische Musikerin Gaby Moreno und, die bereits aus vorhergehenden Alben bekannten, Neko Case und Sam Beam.

Das Album beginnt mit einem brillanten Popsong, der die alles in den Schatten stellende Frage „Where do you fall when you have no place to go?” aufwirft. In der Country-Ballade Where the Angels Played sieht man vor dem inneren Auge Country-Größen im Takt mitwippen und bei Bullets & Rocks taucht die untergehende Sonne das texanisch-mexikanische Grenzland in ein wehmütiges Licht. Immer schwingt auch die Frage mit, wohin die Reise geht und welchem Ziel eigentlich nachgelaufen wird. Das Stück World Undone am Ende des Werks wird von einem zarten Blues-Gitarrenriff getragen und durch leisen aber rauen Gesang untermalt. Zu Anfang kommt die Vermutung auf, diese zarte Melodie bleibt bis zum Schluss gleich, jedoch baut sich das Stück auf, wie ein kleines Psychodrama. Verstärkt wird dieser Spannungsbogen durch die Textpassagen „Can’t trust in this anymore“ und „Now your world’s coming undone“. Nach etwa drei Minuten erhebt sich eine Melodie, die die Stimmung völlig umkehrt, so als ob ein Wetterumschwung geschieht und die Sonne durch die Wolken bricht.

Reise zwischen Gegensätzen
Der Albumtitel Edge of the Sun bringt das gesamte Werk auf den Punkt. Jeder Song bewegt sich zwischen der Dunkelheit und dem Licht und lässt somit die Hörer selbst entscheiden, auf welcher Seite sie sich bewegen wollen. Doch auch in der tiefsten Melancholie ist immer ein Hoffnungsschimmer zu erkennen. Somit wird immer auch eine gewisse Balance zwischen Verzweiflung und Hoffnung geschaffen.

Die Band hat es geschafft, viele Stilelemente in ein Album zu packen und mit jedem einzelnen ein Stimmungsfeuerwerk zu zünden: Ein Werk, welches nicht für jede Stimmungslage geeignet scheint, aber im Nachhinein immer ein gutes Gefühl hinterlässt und auch zum Nachdenken über reale Probleme veranlasst.

Kurz gesagt: Die Stücke auf der Platte laden nach einem langen Ritt durch die Wüste dazu ein, die Füße in den staubigen Stiefeln an einem Lagerfeuer zu entspannen und ein herzhaftes Chili zu genießen.

Titelbild: (c) City Slang

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