Film/riss: Drei Eier im Glas

Foto (c): Filmladen Filmverleih

Drei einsame Männer mittleren Alters spielen Saxophon, gründen eine Luxus-WG, werden schließlich Freunde und – ungewollt – zu Youtube-Stars.

Musiklehrer Kiesel (Heinz Strunk) hat seinen undankbaren Vater zu pflegen, viel Alkohol und keine Frau in seinem Leben. Was tun? Um Gleichgesinnte kennenzulernen hält er einen Saxophonkurs für Singles ab – „Sax up your life“. Mit dabei sind das alternde Ex-Model Barney (Dirk Stermann) und Drakuhl (Christoph Grissemann), der als Inhaber eines Thanatourismus-Büros seine Kunden zu Orten schickt, denen Tod und Verderben anhaften.

Zu solch einem Ort, nämlich nach Prypjat, bringt Drakuhl seine Kollegen dann, als der Saxophonkurs leider aufgrund Kiesels Vaters abgebrochen werden muss, und Kiesel aus Verzweiflung noch tiefer als üblich ins Glas schaut. Nach diesem Ausflug beschließen die drei Männer, aus welchen Gründen auch immer, zusammenzubleiben.

Foto (c): Filmladen Filmverleih

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Drei Männer allein im Haus
Drakuhls großes Anwesen in Wien wird zur Männer-WG umfunktioniert. Das Zusammenleben und gemeinsame Aktivitäten entwickeln sich zur Selbsttherapie mit mehr oder weniger Erfolg – Kiesel ist Alkoholiker und schüchtern, Barney ein bisexuelles Modell, das vergangenen (Glanz?-)Zeiten hinterhertrauert, und Drakuhl ein Homosexueller, der sich seine Neigungen nicht eingestehen will.

Doch nicht lange geht alles gut – denn Drakuhls Mutter (Ingrid Burkhard), die dessen Vater und zwei andere Männer aufgrund einer homosexuellen Affäre vergiftete, wird nach langjähriger Haft entlassen. Sie findet es gar nicht gut, dass ihr Sohn mit zwei Männern residiert. Und als Musiklehrer Kiesel dann eines schönen Tages im Garten ein weiteres Saxophontreffen abhält, produziert er unwissentlich einen viralen Youtube-Hit…

Dünne Handlung, schwarzer Humor
So interessant die Idee, das Setting der Geschichte und die einzelnen Szenen auch sind, so lose ist der Handlungsstrang: Auch wenn der Film nie in Langeweile ausartet, hat er dennoch seine Längen. Die dünne Handlung benötigt Zeit, um in Schwung zu kommen und stagniert im Mittelteil bis hin zum Ende ein wenig. Es fehlt ein Konflikt, der die Geschichte vorantreibt.

Der Humor ist stark an die zwei Hauptdarsteller Stermann und Grissemann angepasst, die auch am Drehbuch beteiligt waren. Es gibt einige Referenzen an die beiden, wie zum Beispiel Grissemanns Spruch in seiner Rolle als Bundespräsident: „Humor braucht der Mensch!“ Im Gesamten ist der Humor aber doch subtiler als sonst bei den Komikern üblich. Nur ein paar Ausreißer kommen vor, die für manch einen wohl etwas geschmacklos wirken, etwa in der Erbrechensszene, oder in Drakuhls Rückblende, als angedeutet wird, dass ein Kind den Eintritt in Drakuhls Haus mit einem Blowjob „bezahlt“.

Das Gehabe der Protagonisten und deren Dialoge muten oft sehr surreal und fremdartig an. Der Film spielt ständig mit einer nicht alltagskonformen Umgangsweise der Charaktere miteinander. Manche Situationen sind komisch und sehr oft surreal – wenn etwa Drakuhl ein „Reverse-Ping-Pong“-Spiel vorschlägt, um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, und daraufhin ein physikalisch unmögliches aber herrlich anzuschauendes und einfallsreiches Match folgt.

Was ist der Sinn?
Freunden von Stermann und Grissemann kann eine klare Empfehlung ausgesprochen werden. Auch jene sollten den Film in Erwägung ziehen, denen eine sehr ungewöhnliche Komödie mit tragischen Elementen zusagt, die einige Fragen über das Leben aufwirft, jedoch gar nicht erst versucht, sie zu beantworten. Auf die Frage nach dem Sinn im Leben bleibt, wie die Protagonisten des Filmes feststellen, nur die Gewissheit, dass ein verbrannter Mensch genausoviel wiegt wie am Tage seiner Geburt. „Was ist dann dazwischen?“

Kinostart: 10. April 2015

Titelbild: (c) Filmladen

2 Comments

  1. Pingback: Film/riss: Drei Eier im Glas – mokant.at | webindex24.ch – News aus dem Web

  2. Chri Schnee

    2. Februar 2017 at 23:13

    Einfach geistesschwach und unsagbar schlecht.

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