KopfhörerInnen: The Monochrome Set – Spaces Everywhere

The Monochrome Set – Spaces Everywhere
(VÖ: 13.03.15 | Tapete Records)

The Monochrome Set Cover

(c) Tapete Records

Musikalisches Vorspiel gibt es von The Monochrome Set keines. Der Anschlag des ersten Songs, Iceman, katapultiert direkt in das neue Album. Und dann ist man sich doch nicht sicher, ob man nicht gerade eine Platte aus den 70ern aufgelegt hat. Unbeschwert und fröhlich klingen die Gitarren, gemeinsam mit Banjos und der schönen Stimme von Leadsänger Bid. Spaces Everywhere lässt reinschnuppern, in die großen Zeit des Post-Punks in Großbritannien. Es ist Nostalgie, obwohl man damals gar nicht dabei war.

Dieses Gefühl kommt nicht von irgendwoher. Schließlich gibt es The Monochrome Set seit 1978. Die Band hat den britischen New Waves mitbegründet und bringt nun ihr bereits zwölftes Studioalbum raus. Kurz vor dem Verkauf schart dabei die In-Crowd sicher schon lüstern in den Startlöchern. Denn in der Szene zählt sie zu den Großen – kein Wunder, ist sie doch die ehemalige Lieblingsband von Indie-Pop Größe Morrisey. In der deutschsprachigen Allgemeinheit sind Bid und The Monochrome Set jedoch nicht bekannt. Warum das so ist, weiß angeblich niemand so recht. Angeblich waren sie zu clever .

Der Einfluss des britischen New Waves
Während man beim vielversprechenden ersten Lied sofort mitschwingt oder zumindest den kleinen Zeh tanzen lässt, wird das Album schon beim zweiten Song ein bisschen ruhiger, bleibt dabei aber angenehm leicht und fröhlich. Spätestens jetzt hat man das Gefühl, dass man die Band bereits kennt. Vielleicht liegt es auch an dem musikalischen Einfluss, den die Briten auf so manche große Indie-Band von heute haben. So wurden Franz Ferdinand maßgeblich von The Monochrome Set beeinflusst.

Fantasy Creatures und When I Get to Hollywood erinnern an so manches musikalisches Stück von Belle and Sebastian. Oder ist es doch nur die Ähnlichkeit zwischen deren Frontsänger und der angenehmen, leichten und casino online doch männlichen Stimme von Bid? Auf alle Fälle klingen die Schotten wie eine Weiterentwicklung von The Monochrome Set mit Bässen und weniger Gitarrensound. In der Presseaussendung wird mehrmals betont, dass dieses Album das Potenzial zum Klassiker hat. Doch in Wirklichkeit sind The Monochrome Set als Ganzes bereits ein Klassiker und haben jetzt mit der Veröffentlichung auf einem deutschen Label die Möglichkeit, auch hierzulande als solcher erkannt zu werden.

Banjos, Hammond-Orgeln, Background-Gesang und Flöten
Natürlich haben sie sich in dreißig Jahren Bandgeschichte auch weiterentwickelt und klingen 2015 eine Spur anders als damals. So haben sie sich musikalisch mit Banjos, Hammond-Orgeln, weiblichem Background-Gesang und sogar Flöten erweitert. Die instrumentelle Vielfalt ist größer, der Sound klarer und die Gitarren unverzerrt. Dabei bleiben sie ihrem Stil treu und sind doch eine Spur moderner.

„What will you do when the stars are not there? All these Fantasy Creatures; All these Fantasy Creatures“, singt Bid, der Frontsänger, Gitarrist und Songschreiber der Band mit Fantasy Creatures zuerst bedacht und dann etwas exzentrischer. Bald wird klar, dass die musikalische Unbeschwertheit des Albums trügt. Inhaltlich geht es in Spaces Everywhere um Tod, Zerfall und Veränderungen. Deshalb seien sie bei den Untoten besonders beliebt, sagt Bid dazu –anerkannt für seinen speziellen Humor und sein intelligentes Songwriting.

Am Ende des Albums kommt die gewisse Melancholie auch musikalisch durch und wird damit ein bisschen langweilig. In dem ansonsten so motivierenden Album hätte man sich vom titelgebenden Lied Spaces Everywhere doch mehr Fußwippen erwartet. Vielleicht wurde es deshalb ganz hinten platziert.

The Monochromeset goes Germany
Insgesamt birgt das frische Album der Briten aus einer anderen Zeit durchaus Potenzial für neue Fans, abseits des engen Kreises, der The Monochrome Set sowieso schon verfallen ist.

Doch warum der Sänger in einem Interview vorschlägt, das Album „in einer entweihten Kirche ohne Spiegel“ zu hören, bleibt bis zum Ende offen. Die bessere Idee ist es wohl, Spaces Everywhere einzulegen, wenn man sich auf den sonntäglichen Ausflug in die Fledermaus, den 60s Club in Wien, einstimmt oder mal wieder Lust auf ein bisschen alte neue Musik hat.

 

Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

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