Reiseguide: Taipeh

(c) Niklas Melcher

Reisetipps Taipeh: Die Stadt gehört nicht zu den bekanntesten asiatischen Metropolen. Wer sie einmal besucht, kann sich das allerdings überhaupt nicht erklären.

Taipeh, eine Stadt, von der mit Sicherheit die meisten gehört haben, mit der aber nur wenige wirklich etwas in Verbindung bringen können. Manch einem mag vielleicht der Wolkenkratzer „Taipeh 101“ in den Sinn kommen oder die Verbindung zu China. Viel mehr würde den meisten allerdings vermutlich nicht einfallen. Dabei ist die Multimillionenstadt ein wirklich spannendes Reiseziel.

Stadt der Zukunft
Es ist nicht einfach, die Hauptstadt der Insel Taiwan, die vor der südöstlichen Küste Chinas liegt, zu beschreiben. Taipeh ist eine Stadt, die, was Modernisierung, Infrastruktur und Technologie angeht, eine Vorreiterrolle einnimmt. Eine Stadt, die gleichzeitig chaotisch und sauber ist (und das ganz ohne strenge Gesetze wie in Singapur). Eine Stadt, die zeigt, wie demokratische und weltoffen China sein könnte. Voll mit ethnischen Chinesen, die die Freiheit für sich entdeckt zu haben scheinen. Die Liebe zur Politik, zur Offenheit gegenüber Fremden und zur überschwänglichen Freundlichkeit zeichnet diese Stadt außerdem aus. Taipeh wirkt wie das Außenseiterkind, das sich nichts draus macht, anders zu sein. Englisch spricht hier fast jeder fließend, das U-Bahn-System gehört sicher zu einem der schönsten der Welt und man hat durchgehend das Gefühl einer gewissen optimistischen, zukunftsorientierten Aufbruchsstimmung. Taipeh ist noch sehr am Anfang, aber wer durch diese Stadt zieht, merkt, hier könnte sich die Zukunft abspielen.

Tipp 1: Ufo im Sonnenuntergang
Eines der schönsten Reiseerlebnisse verspricht mit Sicherheit eine Sonnenuntergangswanderung entlang dem Nangang District Hiking Trail oder auch Elephant Mountain genannt. „Wanderung“ ist in diesem Zusammenhang vielleicht das falsche Wort, da es sich um 20-minütiges Treppenklettern handelt. Für den Durchschnittseuropäer kann das bei taiwanesischem Sommerklima durchaus zu durchnässten Klamotten führen. Man muss sich auch schnell damit abfinden, dass man mit den Scharen an heimischen Rentnern einfach nicht mithalten kann. Sobald man sich aber durch den Bergdschungel gekämpft hat, eröffnet sich einer der schönsten Ausblicke, die man sich vorstellen kann. Vor dem vermeintlichen Bergkönig zeigt sich die Kulisse einer nicht enden wollenden Stadt, umgeben von Dschungel, einsamen Tempeln und Flüssen. Wer zur richtigen Zeit oben ist, taucht in einen farbenfrohen Abendhimmel ein und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das liegt vor allem an einem Gebäude, dem Taipei 101. Mindestens drei mal so groß wie alle anderen Gebäude der Stadt wirkt es wie ein überdimensionales Bambus-förmiges Ufo, das gerade gelandet ist. In dieser friedlichen, verwinkelten Stadt strahlt das offiziell „Taipei Financial Center“ genannte Monument ein geradezu futuristisches Flair aus. Ein surreales und wunderschönes Schauspiel, das den Reisenden ein paar Minuten innehalten lässt. Wer Zeit hat, sollte sich einen gemütlichen Platz suchen und die Sonne dabei beobachten, wie sie sich langsam von diesem Epizentrum der Zukunft verabschiedet.

(c) Niklas Melcher

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Tipp 2: Entenzungen und Taiwanesische Schnitzel
Natürlich lässt sich das an vielen Urlaubsorten der Welt sagen, aber in Taipeh muss es noch einmal unterstrichen werden: Essen, essen, essen. Unbedingt. Überall, aber vor allem auf der Straße und auf den Märkten. Es gibt wenige Städte, die eine derartige Vielfalt an ungewöhnlichem Essen bieten und das zu wirklich erschwinglichen Preisen. Die Umgebung ist dabei hygienischer als man es von anderen Ländern Asiens gewohnt ist. Die Auswahl der angebotenen Speisen ist teilweise etwas skurril und mag für Europäer etwas ungewöhnlich sein. Vor allem dann, wenn es sich um Entenzungen-Spieße oder gegrillte Hühnerfüße handelt. Aber wer einmal die berühmten Beef-Noodles oder Chicken Pies probiert, kann dieser Stadt ihren kulinarischen Rang nicht absprechen. Chicken Pies könnte man übrigens als Taiwanesische Schnitzel bezeichnen. Sie werden ebenfalls frittiert, sind aber ein bisschen größer als die Wiener Variante und sind, wie der Name schon sagt, stets aus Hühnerfleisch.

Tipp 3: Open Bar
Freunde der langen Nächte und des gepflegten Ausgehens werden in Taipeh sicherlich nicht zu kurz kommen. „Ximending“ und „Zhong Xiao Fuxing“ sind boomende Partyareas, die man in dieser Form genauso gut in London, New York oder Tokyo finden könnte. Doch Taipeh ist in gewissen Dingen ein bisschen anders als es der erfahrene Partygast erwarten würde. Ungewohnt sind vor allem die in allen Clubs anzutreffenden Moderatoren als Stimmungsanheizer. Diese haben keine wirklichen Qualifikationen, zeichnen sich allerdings meist durch einen (für Asiaten recht ungewöhnlichen) massiven Körperumfang und viele, extravagante Goldketten aus. Was Europäern auf den ersten Blick eigenartig erscheinen mag, sorgt dann doch für ziemlich gute Laune. In jedem der besuchten Clubs herrschte eine ausgelassene Stimmung, wie man sie im Wiener Nachtleben nur selten erlebt. Das könnte allerdings auch an der zweiten Ungewöhnlichkeit des Taipeher Nachtlebens liegen: In nahezu allen Clubs Taipehs gilt das so genannte „Open Bar“ Prinzip. All. Night. Long. Was für den geneigten Freizeit-Alkoholiker utopisch klingen mag, ist in Taipeh Realität. Für vergleichsweise niedrige Eintrittspreise (ca. 8-20€) lässt sich in Taipeh so viel trinken, wie man mag. Was man mag. So oft man mag. Das kann natürlich gefährlich werden.

Dan bing (c) Niklas Melcher

Dan bing (c) Niklas Melcher

Tipp 4: Dan bing und Baobing in Dongmen
In Dongmen wirkt hat Taipeh ein kleines bisschen wie das Bangkok der Zukunft. Es zeigt sich modern, kunterbunt und dynamisch ohne dabei nach einer sterilen Glitzerwelt auszusehen. Es reihen sich Restaurants aneinander und vor allem die Abendstimmung in diesem Bezirk zieht den Besucher sehr in den Bann dieser asiatischen Metropole. Wie die Ameisen wimmeln die Menschen durch die kleinen Gassen und es gibt mehr zu sehen, als das Auge in so kurzer Zeit wahrnehmen kann. Unbedingt probieren: Dan bing, kleine Pancakes aus Blätterteig, die wahlweise mit Ei, Käse, Gemüse und Schinken oder ohne Belag gegessen werden können. Butterweiche Konsistenz und unfassbar lecker. Für Experimentierfreudige, die keine Angst vor Trendbewegungen haben: Die originalen Bubbleteas aus Taiwan probieren. Für alle anderen: Mango Baobing, geraspeltets Mango-Eis.

Tipp 5: Mit dem Zweirad vom Strom ziehen lassen
Wie in Wien gibt es in Taiwan kostenlose Fährräder um die Stadt zu erkunden. Das System ist exakt das gleiche, die Stadt ein wenig anders. Das Tolle an Taipeh: Egal in welche Richtung man fährt, es gibt überall etwas zu sehen. Wer also keine Lust auf typisches Sightseeing hat, schnappt sich einfach ein Fahrrad und fährt drauf los. Die unzähligen Tempel, Grünflächen, Märkte oder Szenegegenden wachsen in allen Ecken der Stadt. Stopps wie der wunderschöne Daan-Park oder der Shilin Markt wären die üblichen Verdächtigen, der abenteuerlustige Zweiradfahrer wird aber überall in Taipeh seine kleinen Orte des Glücks finden. Denn was gibt es Schöneres als sich in einer unbekannten Stadt einfach mal mit dem Strom ziehen zu lassen?

(c) Niklas Melcher

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Drei Dinge, die man nicht tun sollte:
1. Taiwan als Teil von China bezeichnen
Das ist in etwa so, wie einem Österreicher zu sagen, er wäre ja eigentlich Deutscher.

2. Bubbletea trinken
Klar kann man Bubbletea in Dongmen und auch sonst überall in der Stadt ausprobieren. Aber mal ehrlich, diese Dinger schmecken einfach so scheußlich, dass es schwer zu verstehen ist, warum sie vor ein paar Jahren so im Trend waren.

3. Zu viel Alkohol
Auch hier noch einmal der Appell: Passt auf mit dem Open Bar-Prinzip. Europäer sind immer dazu geneigt, so viel es geht zu konsumieren, wenn es irgendetwas umsonst gibt. Das Bier läuft einem aber erfahrungsgemäß nicht weg und so eine asiatische Partynacht kann durchaus länger werden.

3 Insidertipps
1. Auf Umwegen zur besten Aussicht der Stadt
Wer die 15 Euro Eintritt für die Aussichtsplattform des Taipei 101 nicht zahlen möchte, ist ganz gut damit beraten im Starbucks eine Etage unter der Aussichtsplattform amerikanische Kaffeekultur zu unterstützen.

2. Ein bisschen Geschichte
Taipeh ist so voll von Geschichte, dass es schade wäre, die Stadt zu betreten und von all dem nichts zu wissen. Leider lernt man in Europa doch eher wenig über die wirklich beeindruckend spannende Geschichte des Landes. Es ist sehr zu empfehlen, vorher ein paar Dokumentationen anzusehen oder zumindest einen Wikipedia-Artikel zu lesen.

3. Nicht alles vorausplanen, lieber spontan sein
Taipeh ist nicht Paris, es gibt nicht wirklich ein Pflichtprogramm wie den Eiffelturm oder die Champs Elysees. Der Aufenthalt muss nicht zu Beginn strukturiert werden und kann oft auch wetter- und tagesabhängig sein. Die Taiwanesen freuen sich immer sehr mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, also einfach einmal fragen, welche Märkte oder Ereignisse denn so gerade stattfinden.

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 Titelbild: (c) Niklas Melcher


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Niklas Melcher ist Student der Kommunikationswissenschaften. Als Liebhaber Ostasiens, Fußballenthusiast und Nachtschwärmer schreibt er regelmäßig für mokant.at. Kontakt: niklas.melcher[at]mokant.at

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