Film/riss: Into The Woods

Disney liebt sie, die Märchen und die Musicals. Ob Meryl Streep und Emily Blunt in Into The Woods überzeugen können, darf  ab 19. Februar jeder selbst entscheiden.

Adaptionen, wohin das Auge reicht. Bücher, echte Leben, alles ist dabei, und Musicals sind da keine Ausnahme. Spätestens beim großen Erfolg von Les Miserables hat Hollywood begriffen: Musicalverfilmungen zahlen sich aus, wenn sie nur richtig angegangen werden. Zugegeben, Into The Woods war mit noch unverfilmten Musicals wie Wicked kein offensichtlicher Kandidat, doch wen schert‘s – denn Into The Woods ist definitiv gelungen.

Micky Maus und die Märchen
Passend zu Disneys momentaner Vorliebe für Live-Action-Märchenverfilmungen geht es in Stephen Sondheims Musical Into The Woods um – Überraschung – Märchen. Der Bäcker und seine Frau aus Rapunzel, Rapunzel selbst, die Hexe, Rotkäppchen und ihr Wolf, Cinderella mit ihrem Prinzen, Jack und seine Mutter aus Jack und die Bohnenranke – viele Charaktere, die alle im selben Märchenland wohnen. Der Bäcker und seine Frau sind die zentralen Charaktere; sie können durch einen Fluch der Hexe kein Kind bekommen und müssen vier Gegenstände für sie sammeln, damit sie den Fluch aufhebt und sie ihr Glück finden können. Ein goldener Schuh, eine weiße Kuh, ein rotes Käppchen und Haare so gelb wie Mais – all dies können sie in den Wäldern finden, wo die Märchenhelden und -heldinnen aufeinander treffen. All dies klingt eher unkompliziert und vielleicht sogar klischeehaft. Keine Sorge, denn Märchenklischees findet man hier keine.

Stattdessen hat der Film große Themen vorzuzeigen, wie die Verantwortung und Wichtigkeit von Eltern, die Unterschiede zwischen Gut und Böse, die Rolle der Frau in großen Abenteuern. Obwohl das Musical beinahe stolze dreißig Jahre auf seinem Rücken hat, behandelt es Themen, die heute so heiß diskutiert und aktuell sind wie eh und je. Keine einfache Moral, kein richtig und falsch –  Zuseher werden auf die Probe gestellt und man verlässt den Kinosaal mit vielen Gedanken.

© 2014 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

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Von der Bühne in den Kinosaal
Das liegt allerdings leider nicht nur an den subtilen Ethikdiskussionen des Films, sondern auch an der chaotischen Erzählstruktur. Die Sache mit Musicalverfilmungen ist der Wechsel des Erzählmediums, und der gelingt selten einwandfrei. Into The Woods ist hier keine Ausnahme. Obwohl ein Film nicht zwingend einen Anfang, einen Mittelteil, einen Höhepunkt und eine Ende braucht, kann eine ungefähre Struktur durchaus hilfreich sein, um Zuseher am Ball zu halten. Dies ist dem Film nicht durchgehend gelungen; vor allem Lieder mit Jack erscheinen eher schleppend.

Dies kann man jedoch nicht von den anderen Schauspielern behaupten. Unüberraschenderweise brilliert Meryl Streep in ihrer Rolle als Hexe. Sie vermischt Musical und Leinwand und nimmt den Bühnencharme mit in ihre Rolle; und spätestens jetzt weiß bald jeder: Meryl kann singen. Ein Tipp vorab: Taschentücher für ihr Lied Stay With Me bereithalten. Und sie ist nicht die Einzige: Emily Blunt und James Corden, die die Hauptrollen des Bäckerpärchen spielen, geben ein tolles Duo und noch tollere Sänger. Johnny Depp, der nur eine kleine Rolle hat, macht seine Sache ordentlich – allerdings ist sein Charakter entbehrlich und sein Auftritt mehr Fanservice als künstlerische Entscheidung. Die Schauspieler von Rotkäppchen, Jack und Rapunzels Prinz, allesamt Musicaldarsteller, sind gesanglich unübertroffen. Einzig Chris Pine geht mit seinem weniger gelungenen britischen Akzent und trotz zu dick aufgetragenem Schauspiel hier etwas unter. Nicht vergessen darf man auch Produktions- und Kostümdesign; die Wälder saugen den Zuseher auf und transportieren gemeinsam mit den grandiosen Kostümen die Geschichte mindestens so gut wie sassy Meryl.

Into The Woods ist ein Film von und mit Ecken und Kanten, inhaltlich wie künstlerisch. Die drei Oscar-Nominierungen sind mehr als verdient, wenn nicht untertrieben. Und Meryl hätte sich ihren vierten Oscar redlich verdient.

Kinostart Österreich: 19. Februar 2015

Titelbild: © 2014 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved

Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

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