Film/riss: Inherent Vice – Natürliche Mängel

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Im neuen Film von Paul Thomas Anderson geht es vor allem um eines: Sex, Drugs, Rock’n’Roll …and Confusion

 „Inherent Vice“: Die Tendenz von Objekten auf Grund von innerer Instabilität zu verfallen. Genauso könnte man die Eigenschaft des Hauptdarstellers Doc Spartello, gespielt von Joaquin Phoenix, beschreiben, sich ständig selbst ein Bein zu stellen und dabei immer wieder in neue, komplizierte Situationen zu kommen. Diese „natürlichen Mängel“ werden im Film auch erklärt als alles, was man nicht umgehen kann. So wie Schokolade bei Hitze schmilzt, so sind für Doc Drogen, und allem voran seine Ex-Freundin Shasta (Katherine Waterston), nicht zu „vermeiden“. Ganz am Anfang des Filmes heißt es: „Wenn an einem ruhigen Abend draußen am Strand plötzlich aus dem Nichts deine Ex-Freundin auftaucht mit einer Geschichte über ihren neuen Freund und von einem Plan erzählt, den Milliardär zu kidnappen und ihn in die Klapse zu stecken, dann solltest du vielleicht lieber wegsehen. Aber bist du Doc dann könnte es von da anfangen ein bisschen sonderbar zu werden“. Ein bisschen sonderbar beginnt der Film nicht nur, sondern so bleibt er auch die folgenden zweieinhalb Stunden.

The Good, the Bad and the Crazy
Generell gesagt ist Inherent Vice kein Film für einen gemütlichen Sonntag Nachmittag. Der Plot verdichtet sich zunehmend, da der Privatdetektiv Doc sich einen Kriminalfall nach dem anderen auflädt. Seine Arbeit kann man nicht gerade professionell nennen, und trotzdem schafft er es unter permanentem Drogen-Einfluss durch glückliche Fügungen am Ende die „Bösen zu schlagen“ und den „Guten zu helfen“. Selbst seine eigene Beziehung mit Shafta nimmt nach großen, sehr verwirrenden Umwegen am Schluss doch ein Happy End.

Verrückter Trip in die 70er
Das Setting erinnert stark an Filme wie American Hustle, jedoch ist die Stimmung eine komplett andere. In einer Rauchwolke wird man von einer angenehmen Erzählerstimme durch den Film und vorbei an gefühlt tausend Charakteren geleitet. Die Details des Filmes, der in den 70er Jahren in Los Angeles spielt, sind beinahe akribisch herausgearbeitet. Das reicht von der verrückten Einrichtung einer Zahnarzt-Praxis bis hin zu Joaquin Phoenix’ perfekt gekämmten Koteletten. Als Hommage an das amerikanische Hippietum verliert sich der Regisseur Paul Thomas Anderson hier beinahe zu sehr in den Details. Ganz anders als in seinen vorherigen Filmen wie The Master oder There Will Be Blood, die viel mehr von der Geschichte selbst leben.

Cameo nach Cameo
Auch wenn man der Story nicht allzu leicht folgen kann, ist es dennoch sehr unterhaltsam, durch einen Star-Auftritt nach dem anderen beglückt zu werden. So überrascht es auch kaum mehr, wenn kleine Nebenrollen durch Owen Wilson, Benicio del Toro, oder Reese Witherspoon besetzt werden.

Zusammenfassend muss man anmerken, dass es definitiv von Vorteil ist, wenn man bereits vorab über die Handlung Bescheid weiß. Optimal vorbereitet ist, wer den gleichnamigen Roman des viel gefeierten Thomas Pynchon, auf dem der Film basiert, gelesen hat. Denn nur so wird man der unkonventionellen Erzählweise vermutlich wirklich gut folgen können. Ansonsten bleibt nicht viel übrig, als sich im Kinosessel zurücklehnen und die nächste abgedrehte Szene genießen. Die Besetzung macht es definitiv nicht schwer.

Kinostart Österreich: 12. Februar 2015

Titelbild: (c) Warner Bros.

Kathi hat Biologie und Kultur- und Sozialanthropologie studiert. Sie findet, dass die Kombination hilfreich ist, um sich professionell über die Menschheit zu wundern.

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