HEiL!THERAPiE: Der Ton macht den Krieg!

W&V-Heiltherapie_(c)_Kabarett_Niedermair-MS

Gerhard Walters und Jürgen Vogls Kabarett HEiL!THERAPiE gehört in die Schiene des Absurden Theaters. Mit dem Charisma zweier Verrückter verblüffen sie das Publikum.

Das Stück dauert mit Pause zwei Stunden. Diese Stunden erscheinen einem wie ein Traum. Sobald man aufwacht, fragt man sich jedoch: „Was hab ich denn jetzt wieder für einen Blödsinn geträumt?“ Ja, das neue Kabarett von Gerhard Walter und Jürgen Vogl ist zweifelsohne absurd, wenn nichts sogar verrückt. Für Ihr Stück brauchen sie keine Requisiten. Außer sich selbst, zwei Stühle und einen Tisch. Das Licht ist schummrig und wirft einen flauen Lichtkegel auf die Komiker. Gezeigt wird eine Begebenheit, die niemals hätte sein können. Historiker schlagen höchst wahrscheinlich schon die Hände über den Kopf, wenn sie bloß nur das Thema des Kabaretts hören: Freud therapiert Hitler! Was für eine Farce, möchte man meinen.

Natürlich hätte Freud Hitler niemals therapiert
Das Kabarett soll alles andere als mimetisch sein. Ganz nach den Regeln des absurden Theaters regt es zum nachdenken an. Es schockiert und sorgt für Distanzierung. Natürlich hätte Freud Hitler niemals therapiert. Freud war Jude und floh vor den Nationalsozialisten nach London. Doch darum geht es nicht. Das Kabarett soll nicht realistisch sein. Wer sich dazu entschließt, das Stück anzusehen, muss auch alles (bitte nur solange das Kabarett dauert) vergessen, was er im Unterricht gelernt hat. Die beiden Komiker stellen sich die Frage, ob dieses Treffen unsere Geschichte vielleicht verändert hätte. Zum Schluss des Kabaretts kommen sie aber zum Entschluss, dass das Treffen wohl nichts geändert hätte. Dennoch erscheint der kurze Exkurs in eine Welt, wie sie nie hätte sein können, als sehr unterhaltsam. Gerhard Walter imitierte Hitler auf eine sehr eigene aber lustige Art und Weise. Hitler wirkt dümmlich, exzentrisch, plump, steif und aggressiv. Absurderweise möchte Hitler seinen Beruf wechseln. Er will einen Hundesaloon aufmachen. Die Therapie ereignet sich als ein Bollwerk von Missverständnissen. Schon bei der Begrüßung reden die beiden Protagonisten aneinander vorbei. Hitler kommt herein und sagt: „Sieg, heil!“ Freud erwidert: „Nein ich heiße Sigmund, Sigmund Freud.“ „Ja, sehr erfreut“, antwortet Hitler.

Hitler habe zu wenig Sex
Adolf Hitler und Sigmund Freud reden über belanglose Sachen, während im Hintergrund der Krieg seinen Lauf nimmt. So sind das Wäschewaschen, Hitlers Sexleben (er ist mit Eva einen Nicht-Angriffspackt eingegangen) oder Familienbeziehungen die Hauptthemen. Freud interpretiert Hitlers Aggression gegen alle und jeden als Mangelerscheinung. Hitler habe zu wenig Sex, wodurch sich in ihm alle Wut der Welt anstaue. Freud empfiehlt Hitler und Eva Braun einen Besuch in der Therme Loipersdorf. Hitler antwortet jedoch nur: „Ja gute Idee. Dann marschier ich da ein.“ Gerhard Walter spielt Hitler als einen desillusionierten Scherzkeks. Freud wirkt im Gegensatz dazu wie ein hilfloser Kauz und Scharlatan. So fragt Hitler Freud, um die Situation aufzulockern, was die Lieblingsstellung der deutschen wäre. „Die Anstellung“, sagt Hitler und kichert. Freud verdreht die Augen. Als Hitler erzählt, dass er neulich seine Wäsche mit achthundertfünfzig Grad gewaschen hätte, fragt Freud, wie das gehen soll, wenn Wasser schon bei hundert Grad kocht. „Nein, das tut meines nicht“, antwortet Hitler bitterernst, „ich hab Hitlerwasser.“ Freud wendet alle Techniken der Psychoanalyse auf Hitler an. Doch seine Diagnose lautet auch zum Schluss des Kabaretts:„ Der Typ hat einen an der Klatsche.“

Auch wenn das Stück vielleicht nichts für den Geschichtsunterricht ist, so lohnt es sich dennoch, einen Abend lang einen Blödsinn zu träumen. Das Kabarett spielt zudem in der Jetzt-Zeit. Es werden Gesprächsthemen um bekannte Serien und die Probleme Eva Brauns mit dem Geschirrspüler angerissen. Das Stück ist so absurd und unlogisch, dass es schon wieder lustig ist. Die wichtigste Devise ist: nehmt nicht alles so ernst!

Alle Termine und weitere Informationen über das Kabarett könnt ihr auf der Homepage von Jürgen Vogl nachlesen.

Titelbild: (c) Kabarett Niedermayer

 

Jennifer Tillmann ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Sie studiert Germanistik und Publizistik an der Universität Wien. Kontakt: jennifer.tillmann[at]mokant.at

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