Film/riss: Manolo und das Buch des Lebens

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Der große Name hinter dem Film ist Guillermo del Toro. Vor der Kamera spielt sich ein Puppentheater ab: Manolo und das Buch des Lebens in der Review und ab Februar in den Kinos

Spätestens seit Pans Labyrinth (2006) weiß man, dass Fantasy von/durch del Toro (in diesem Fall ist er Produzent), oft kein Spaziergang ist. Im Animationsfilm Manolo und das Buch des Lebens ist die Fassade zwar bunt und clever verspielt, die Themen tragen dennoch die typische dunkle Schwere der Marke del Toro in sich. So reist die Hauptfigur Manolo (gesprochen von Diego Luna) beispielsweise am Tag der Toten durch die Unterwelt, angefeuert von den verstorbenen Verwandten und getrieben von seiner Liebe zu Maria (Zoe Saldana). Im Liebesdreieck mit Joaquin (Channing Tatum) muss er sich seinen Weg zurück ins Reich der Lebenden und zu Maria erkämpfen. Weitaus typischere Züge trägt die Grundmoral der Geschichte: Manolos Mut, Charakter und Stärke werden mehrfach auf die Probe gestellt während er sich zwischen seinem Herzen und den Erwartungen seiner Familie entscheiden muss.

Biz Markie-Mariachi
Der Versuch mag lobenswert sein, die Durchführung ist mangelhaft: Wer ungespoilert in den Film einsteigt, wird einen Moment brauchen, um zu wissen, was passiert. Tatsächlich wird plötzlich Mumford and Sons‘ I Will Wait im Mariachi-Stil gecovert, gefolgt vom Hip-Hop-Klassiker Just a Friend von Biz Markie und endgültig unpassend wird es dann, wenn der Antiheld Radioheads Creep mit dickem spanischen Akzent in der leeren Stierkampfarena trällert. Die liebevoll aufgebaute Kulisse und sehr originelle Darstellung hätte nach mehr verlangt – die Coversongs wirken plump und etwas willkürlich über die Szenen gelegt.

Würzig fürs Auge, mild im Story-Abgang
Visuell ist der Film nämlich ein einziges Fest: Regisseur Jorge Gutierrez erweckt die hispanische Mythenwelt rund um den Totenkult zum Leben und völlig neu fürs Animationskino wird die Story in die mexikanische Szenerie verlegt. Der sympathische Marionettenlook baut die drei Ebenen der Erzählung durch zunehmend attrappenhafte Darstellung auf, die Rückblenden innerhalb der Geschichte erinnern gar an Piñata-Parties und würzig verwunschenes Puppentheater. Was ein einziger Genuss fürs Auge ist, ist beim Tiefgang etwas enttäuschend: Inhaltlich erfüllt Manolo und das Buch des Lebens nicht ganz sein Potential. Die Moral ist im Gegensatz zur technischen Aufbereitung sehr überschaubar und wenig originell: Lebe dein Leben, schreib deine eigene Geschichte – zu dieser Konklusion muss der Protagonist am Ende kommen. Die Frau will dann zwar auch noch erobert und der Mitbewerber ausgestochen werden, aber dann ist die Story komplett.

Der Nachgeschmack dieses mexikanischen Filmgerichts bleibt trotz allem eindeutig positiv. Das lebendige Setting, die bunte und grundsympathische Erzählweise und die liebevoll kreierten Figuren überzeugen jeden Kritiker. Leichte Einbußen bringen die etwas flach ausfallende Grundthematik und die leider etwas missglückte Cover-Vertonung an manchen Stellen. Definitiv kein Film, der ins Reich der Vergessenen verschwinden wird.

Kinostart Österreich: 12. Februar

Titelbild: (c) Centfox

Sabrina Freundlich ist stellvertretende Chefredakteurin von mokant.at. Sie beschreibt sich als writeophile and fortune cookie lover. Kontakt: sabrina.freundlich[at]mokant.at

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