Akademikerball: Wien spielt Krieg

XT010154

Wenn die FPÖ Ende Jänner zum Ball in die Hofburg ruft, ist Wien im Ausnahmezustand. Eine weiträumige Sperrzone, ein großes Polizeiaufgebot und zahlreiche Demonstrationen wurden angekündigt. Insgesamt ist der Abend relativ friedlich verlaufen.

(c) Julian Haas  Mehr Artikel rund um den Akademikerball

Am Freitag kam es zu lauten, aber weitgehend gewaltfreien Demostrationszügen, friedlichen Kundgebungen  und auch einzelnen Ausschreitungen bei Protesten gegen den Akademikerball in der Wiener Hofburg. Entgegen den 9.000 erwarteten Besuchern der Gegendemonstration waren laut ersten Angaben zwischen 5.000 und 7.000 Menschen auf der Straße. Ihnen gegenüber standen rund 2.500 Polizeibeamte. Vom Schottentor über die Freyung und den Graben zogen die Demonstranten hin zum Stephansplatz. Dabei skandierten sie Parolen gegen Faschismus, kritisierten lautstark den Kapitalismus und machten auf Homophobie aufmerksam. Kurz nach der Schlusskundgebung am Stephansplatz wurde zu Blockaden in der Löwelstraße, auf der Freyung und am Graben aufgerufen.

Gegen neun Uhr versammelten sich entlang der Sperrzonen, beim Volktheater, am Karlsplatz und beim Schwarzenbergplatz mehrere Gruppen, teilweise auch vermummt. Neben Ablenkungsmanövern und Versteckspielen zwischen Demonstrierenden und Polizei kam es immer wieder zu Verfolgungsjagden. In einem ZIB Interview spricht Johann Golob, Kommunikationschef der Polizeidirektion Wien, von cirka 40 Festnahmen bei Zwischenfällen an diesen Stellen. Am Heldenplatz fand dagegen eine ruhige und friedliche Versammlung statt. Dora Schimanko, Holocaust-Überlebende, forderte in ihrer Ansprache eine „Rassismus-freie Zone“ auch in der Hofburg und beteuerte, dass niemand der Ballbesucher durch Demonstrationen „Schaden an Leib oder Leben erfahren hat“. Musikalische Einlagen von Harri Stojka, Kommando Elefant und YASMO sorgten bei den rund 2.000 Zuhörern für musikalische Wärme.

Die Ausschreitungen (wir haben berichtet) vom letzten Jahr sorgten im Vorfeld bereits für einige Diskussionen. Vorgehensweisen der Polizei und der Organisatoren und die potenzielle „Eskalation“ wurden ins Zentrum gerückt. Vor allem in der Woche vor dem Akademikerball machte sich eine angespannte Stimmung breit. Höhepunkt war das behördliche Verbot der Veranstaltungen von „NOWKR“ am Mittwoch wegen des angeblichen Aufrufes zu Gewalt.

Im letzten Jahr sorgte ein Vermummungsverbot in halb Wien für zahlreiche Kritik, dieses Jahr wurde darauf verzichtet. Auf den Kundgebungen oder Demonstrationszügen selbst ist das Verhüllen oder Verbergen der Gesichtszüge aber laut Versammlungsgesetz ohnehin verboten. Ebenfalls verboten waren Kundgebungen innerhalb der Sperrzonen. Trotzdem hielt die FPÖ dort Ansprachen ab, die Polizei löste die unangemeldete Versammlung auf und entfernte die Plakate.

Durch die massive Berichterstattung im Vorfeld des Akademikerballs und der Ausschreitungen im letzten Jahr war das mediale Interesse an der Hofburg und an den Gegendemonstrationen dieses Jahr besonders groß. So warteten neben den unzähligen Polizisten auch eine Vielzahl an Journalisten und Fotografen auf Ereignisse. Die Sensationen blieben jedoch größtenteils aus. In Wien wurde nur Krieg gespielt.

Schottengasse, 17:54 Hinter einer Bugwelle von Medienvertretern schlang sich die Menschenmasse durch die Schottengasse.

Schottengasse, 17:54
Hinter einer Bugwelle von Medienvertretern schlang sich die Menschenmasse durch die Schottengasse.

XT010182

Kohlmarkt, 18:35 Ein Wall Uniformierter sichert den äusseren Perimeter der Sperrzone.

Kohlmarkt, 18:35
Ein Wall Uniformierter sichert den äusseren Perimeter der Sperrzone.

Freyung, 18:24 Tausende Demonstranten auf dem Marsch Richtung Stephansplatz. Die Stimmung ist gut, die Lage entspannt.

Freyung, 18:24
Tausende Demonstranten auf dem Marsch Richtung Stephansplatz. Die Stimmung ist gut, die Lage entspannt.

XT010054

XT010175

XT010038

XT010154XT010086

XT010125

XT010121

XT010096

XT010194

Alle Fotos (c): Julian Haas

Artikel von Katharina Egg und Peter Emrich

Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.