Reiseguide: Ein Adventwochenende in Prag

Prag im Advent – für jeden Stereotypen der Weihnachtszeit etwas dabei.

Wer genug von den salzigen Brezerln und dem picksüßen Punsch in Schönbrunn, am Rathausplatz oder am Spittelberg hat, muss nicht unbedingt ganz auf Weihnachtsstimmung verzichten. Wie wäre es mit einem weihnachtlichen Wochenende fern der Heimatstadt? Mit einem Glühwein und Baumkuchen in der Hauptstadt Tschechiens? In vier Stunden erreicht man mit dem Bus von Wien aus Florenc – den Busbahnhof im Zentrum Prags.

Tipp 1: Ekelerregendes am Petrin-Hügel
Aussicht und abendliche Winterluft genießen – das kann man am besten bei einem Ausflug auf den Petrin-Hügel. Wem der etwas steile Aufstieg auf 318 Höhenmeter zu anstrengend ist, oder wer das passende Schuhwerk zu Hause vergessen hat, der kann bequem mit der Bahn hinauffahren. Das Öffi-System in der tschechischen Hauptstadt ist denkbar simpel: einfach 24 Kronen (0,80 Euro) einwerfen und der Automat spuckt das dicht bedruckte Ticket aus. Oben angekommen – ob zu Fuß oder mit der Bahn – funkeln die Lichter Prags durch die Äste. Doch nicht nur für romantisch veranlagte Reisende hat der Petrin-Hügel etwas zu bieten: Am Rande des nur schwach beleuchteten Weges erheben sich die Mauern eines kleinen Museums. Am Eingang möchte ein Mann mit einladenden Bewegungen zur Tür locken. Wer seine unverständlich gemurmelten Worte gekonnt überhört und sich so den Eintrittspreis spart, kann an der Rückseite des Hauses trotzdem einen Blick in das Innere werfen. Ganze Räume voll abstrakter, ekelerregender Skulpturen und Bilder stehen menschenleer da.

(c) Klara Kostal

(c) Klara Kostal

Tipp 2: Segways und Trdlo
Weihnachten in Prag ohne Glühwein und Baumkuchen (Tschechisch „Trdlo“) ist fast undenkbar. Wer die tschechische Spezialität noch nie probiert hat, wird in Prag nicht darum herumkommen. Aber auch all jene, die ihn bereits gekostet haben, werden dem verlockenden Geruch, der sich durch die Gassen zieht, nicht widerstehen können. Dafür sorgen zahlreiche Straßenstände. Zwischen diesen Ständen schlängeln sich junge Prager auf Segways und bieten die kleinen Fahrzeuge Touristen zur Vermietung an. Es könnte allerdings eine Herausforderung darstellen, zwischen den Menschenmassen auf den ungeraden Pflastersteinen seinen Weg zu finden.

Tipp 3: Barock für 30 Euro
Der Komponist Tschaikowski stammt zwar nicht aus der tschechischen Republik, aber das tschechische Staatsballett führt passend zur Jahreszeit sein berühmtes Ballett „Der Nussknacker“ auf. Wer in Wien kein Ballett-Fan ist, der sollte dem Prager Ballett vielleicht doch eine Chance geben, denn allein die wunderschönen barocken Räumlichkeiten sind einen Besuch wert. Karten im Parterre können für 30 Euro erworben werden.

Tipp 4: Lieber ein großes Bier
Wer in Tschechiens Hauptstadt mit dem Gedanken spielt, sich einen Espresso zu bestellen, der sollte am besten doch noch einmal innehalten. Für einen Espresso zahlt man in Prag 45 Kronen – ein großes Bier bekommt man bereits für 35 (1,20 Euro). Überdies schmeckt das Bier um einiges besser als der Kaffee. Die größte Herausforderung unseres City-Trips: das Bier gemeinsam mit guter Musik genießen. Musikalisch stecken Prags Lokalitäten noch in den Anfängen des 21. Jahrhunderts. Im Pub ertönen statt den gewohnten Tönen Flogging Mollys die Charts der letzten fünf Jahre. Groß angepriesen – auch im Use-it Stadtplan, Insidertipps von Einheimischen – wird die Bar Chapeau Rouge. Der „Underground Club“ soll für alle Fans von alternativer Musik genau das richtige sein – auf uns wirken die grölenden Fünfzehnjährigen und die Polizei vor dem Lokal dann doch etwas abschreckend.

(c) Klara Kostal

(c) Klara Kostal

Drei Dinge, die man nicht tun soll:
1. Kartoffelsalat bestellen und die gewohnte österreichische Variante erwarten. Serviert wird eine Gemüsemischung, bei der der Koch mit der Mayonnaise eindeutig großzügiger war als mit den Kartoffeln.

2. Beim Überqueren der Straße leichtsinnig sein: Auch Kreuzungen mit mehreren Straßenbahnschienen sind nicht durch Ampeln geregelt.

3. Nicht abgeschreckt sein, wenn die Zahl Tausend auf einem Preisschild zu lesen ist. 1000 Tschechische Kronen sind etwas mehr als dreißig Euro.

Drei Insidertipps:
1. Wem vom vielen Herumlaufen die Füße oder der Rücken schmerzt, der kann eine der unzähligen Thai-Massagen, die überall angeboten werden, in Anspruch nehmen.

2. Unbedingt beiden Seiten der Moldau ausreichend Aufmerksamkeit schenken: die Altstadt auf östlicher wie auch westlicher Seite des Flusses ist atemberaubend schön.

3. Baumkuchen mit Nutella probieren – hervorragend!

 

Klara Kostal ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: klara.kostal[at]mokant.at

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