Film/riss: Streif – One Hell of a Ride

Knapp einen Monat vor dem 75. Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel kommt am 25. Dezember der Dokumentar-Sportfilm „Streif – One Hell of a Ride“ ins Kino.

Streif - One Hell of a Ride

(c) Thimfilm

Wer sich mit alpinem Skifahren auseinandersetzt und regelmäßig Wettbewerbe im Fernsehen oder gar vor Ort verfolgt, dem fällt zu diesem Thema unweigerlich die Streif in Kitzbühel ein. Die spektakulärste und vermutlich auch schwerste und gefährlichste Abfahrt im Skizirkus feiert heuer ihr 75. Jubiläum. Passend zu diesem Anlass hat Regisseur und Drehbuchautor Gerald Salmina die gesamte Strecke und all ihre Eigenheiten genau unter die Lupe genommen um einen abendfüllenden Film zu kreieren.

Athleten liefern Blick hinter die Kulissen
Fünf aktive Rennfahrer wurden für Streif – One Hell of a Ride über Monate hindurch bei ihrer Vorbereitung auf den Ski-Klassiker in Kitzbühel begleitet. Dabei bekam das körperlich intensive Sommertraining von Max Franz ebenso genügend Platz wie die Vorbereitungen von Hannes Reichelt, Aksel Lund Svindal, Erik Guay und dem weitestgehend unbekannten Weißrussen Yuri Danilochkin. Sowohl diverse Unterschiede in der Vorbereitung als auch deren Gemeinsamkeiten werden dem Publikum dabei vor Augen geführt. Abseits dieser Kerngeschichte kommen zahlreiche nicht mehr aktive Skifahrer zu Wort und geben ihre Erfahrungen und Geschichten über die Streif zum Besten. Rekord-Sieger Didier Cuche etwa, lässt seine fünf Siegesfahrten noch einmal genau Revue passieren. Ähnliches machen Franz Klammer und Daron Rahlves mit ihren Triumphen, während die auf der Streif schwer gestützten Hans Grugger und Daniel Albrecht ihre beinahe tödlich ausgegangene Leidensgeschichte mit samt Karriereende detailliert wiedergeben.

Product-Placement darf nicht fehlen
Phasenweise lässt die Dokumentation leider ein wenig den roten Faden vermissen, da an zu vielen Schauplätzen mit zu vielen verschiedenen Protagonisten kokettiert wird. Als sich etwa Svindal, Cuche, Hirscher und Franz auf dem Red Bull Ring mit Red-Bull-Rennwägen duellierten, hatte man beinahe den Eindruck es handle sich um einen mehr minütigen Red-Bull-Werbespot. Dieser Eindruck wurde spätestens dann verstärkt, als mit Svindal, Guay, Rahlves und Hirscher vier von Red Bull gesponserte Piloten zu Wort kamen, während anderen Skilegenden wie Hermann Maier, Stephan Eberharter oder Bode Miller nur sehr wenig Platz zu Teil wurde. Besonders Marcel Hirscher – der die Streif-Abfahrt noch nie im Renntempo bewältigte – wirkte in einem Dokumentarfilm über eben jene Abfahrtsstrecke etwas deplatziert. Der wenig elegante Versuch Österreichs Aushängeschild Hirscher in Kombination mit dem Kitzbühler Slalom unterzubringen wirkte doch etwas verkrampft.

Traumhafte Aufnahmen
Abseits dieser nicht vorhandenen Linie liefert Streif – One Hell of a Ride aber zahlreiche Gänsehautmomente. Beeindruckende Panorama- und Sportaufnahmen in Zeitlupe und Zeitraffer wechseln sich mit sentimentalen, spannenden und stimmungsvollen Momenten ab. Spektakuläre Stürze standen dabei ebenso an der Tagesordnung wie Siegeszeremonien, Jubelposen oder After-Show-Parties. Dem Zuschauer wird sowohl vermittelt, welch unglaubliche Überwindung es den Rennfahrern abverlangt über diese Piste zu fahren, als auch die Leidenschaft mit der die Piloten diese Herausforderung in Angriff nehmen. Man bekommt außerdem einen guten Eindruck, welch großer Aufwand hinter der Organisation dieses Events aufgrund von Störfaktoren wie dem Wetter liegt. Was vom Film bleibt ist zum einen die dringende Lust, die im Jänner 2015 anstehende Kitzbühel-Abfahrt auf einer großen Leinwand im Kino sehen zu wollen. Zum anderen bleibt ein komplett anderes Bild von den Leistungen aller Beteiligten am Kitzbühel-Event. All jene, die Skifahrer bisher nur als Betreiber einer Randsportart betrachteten, werden eines Besseren belehrt. Denn Skifahren ist Leistungssport, teilweise sogar mehr als bei mancher „Weltsportart“.

Kinostart 25. Dezember 2014

Titelbild: 

 

Dominik Knapp war von März 2013 bis Jänner 2017 als Redakteur und stellvertretender Chef vom Dienst (Korrekturleser) bei mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaften und beschäftigt sich derzeit vorwiegend mit Sport in all seinen Facetten (bevorzugt Tischtennis, Padel und Tennis) sowie dem Eurovision Song Contest.

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