Rabenhof Theater: Für die Eltern was Perverses

(c) Udo Leitner

Für das Gemeindebautheater Rabenhof bringt die deutsch-österreichische Satiriker-Combo Stermann & Grissemann perverse Szenen ihres Künstlerdaseins auf die Bühne.

Doch eigentlich sind sie zu dritt. Oliver Welter, Frontmann der Kärntner Band Naked Lunch, ist in seiner Rolle als menschlicher Plattenspieler Hercules Carantanum 2000 nicht minder verdorben. Gebeutelt von den Musikwünschen Grissemanns (Helene Fischer, Andreas Gabalier), kann er seinen Dienst nur rauchend, trinkend und masturbierend verrichten. Seine Auftraggeber versuchen indessen mit Ausdruckstanz und Pantomime ihre bedeutungslose Existenz ein wenig erträglicher zu machen.

Für das Publikum was Groteskes
Was zunächst nach suderndem Altherrenclub klingt, soll laut Programmheft nicht weniger sein als der „Neubeginn des deutschsprachigen Theaters“. Bis es soweit ist, hat das neue Programm des Duos genau das zu bieten, was sein Publikum von ihm gewohnt ist und auch an diesem Abend erwartet: diesen eigentümlichen Humor, den man entweder hasst oder liebt. Ein politisch inkorrekter Schmäh jagt den anderen, ganze Dialoge ergeben nicht den geringsten Sinn und kippen schließlich ins Groteske. Beim Publikum kommt das absurd-komische Nonsens-Programm jedenfalls gut an.

(c) Udo Leitner

(c) Udo Leitner

Zwischen Tanztherapie und Resignation
Die rund 80-minütige Bühnenshow besteht hauptsächlich aus Gesprächen zwischen Stermann und Grissemann, in die sich hin und wieder der menschliche Plattenspieler Oliver Welter mischt – mal musizierend, mal lautstark über das Leben philosophierend. Die Handlung spielt am Stadtrand, wo die beiden Kabarettisten Tür an Tür leben und die meiste Zeit gemeinsam verbringen. Das Publikum erhält einen (vermeintlichen) Einblick in das Alltagsleben der beiden. In einem schwarzen Second-Skin-Kostüm gibt Christoph Grissemann den tristen, neurotischen Pantomimen Monsieur Ohlala, der Schwierigkeiten damit hat, anderen Menschen zu vertrauen und deshalb seine Mutter quält. Dirk Stermann kommt zu Beginn der Show mit blonder Perücke auf die Bühne gepoltert. Zu den Klängen von Sias Chandelier tanzt er wild herum, um die Traumata seiner schwierigen Kindheit zu verarbeiten. Ansonsten schwadronieren die beiden Herren unentwegt über ihr belangloses Dasein.

Das Bühnenbild besteht aus zwei Schreibtischen, dem überlebensgroßen Plattenspieler und einem Fernseher, der zwar kaputt ist, aber problemlos das Programm des ORF empfangen kann. Hin und wieder werden hier Clips aus der gemeinsamen Fernsehsendung Willkommen Österreich gezeigt und auf eine große Leinwand projiziert.

Liebe mit Meidlinger L
Es sind vor allem diese Clips, die das Publikum begeistern. Eine Persiflage der Doku-Soap Liebesg’schichten und Heiratssachen, in der Grissemann als saufender Pantomime aus Meidling nach der „klassischen Übergangsfrau“ sucht, ist zum Schreien komisch und erntet besonders viele Lacher. Herrlich böse ist auch die Parodie, in der Michael Haneke und Christoph Waltz ordentlich aufs Korn genommen werden. Doch auch richtig platte Witze wie „Auch Frauen ohne Kinder können keine Karriere machen“ reißen das begeisterte Publikum regelrecht vom Stuhl. In gewohnter Manier verstehen es Stermann & Grissemann ihre Zuschauer zu unterhalten.

Bei Für die Eltern was Perverses kommen Fans des Kabarettistenduos also voll auf ihre Kosten. Alle anderen werden sich vermutlich ohnehin nicht zu dieser absurd-komischen Show verirren.

Das Stück ist an mehrern Terminen während der Spielzeit 2014/15 im Rabenhof Theater zu sehen.

Titelbild: (c) Udo Leitner

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Jolanthe Pantak ist als Redakteurin für mokant.at sowie als Chef-Kritikerin beim Theaterportal theatania.at tätig. Kontakt: jolanthe.pantak[at]mokant.at

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