KopfhörerInnen: Wanda – Amore

Wanda – Amore
(VÖ: 17.10.2014 | Problembär Records / Seayou Records)

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(c) Problembär Records
/ Seayou Records

I am from Austria gilt als inoffizielle österreichische Hymne. Den Refrain von Fürstenfeld kann fast jeder Österreicher auswendig. Mit der einen oder anderen Promille intus fallen einem dann auch noch die Strophen dazu ein. Austro Pop ist ein Stück heimisches Kulturgut. Allerdings eines, das seit Jahren vom Aussterben bedroht ist. Zu riesig scheinen die Fußstapfen, die die große Austro Pop-Generation in der österreichischen Musiklandschaft hinterlassen hat. Man könnte meinen, dass die geringen Erfolgschancen und das Wissen, dass es wahrscheinlich nie für mehr als FM4 reichen wird, so manchen jungen Künstler davon abhalten, es wirklich zu probieren.  Schade eigentlich – denn dass Austro Pop längst nicht aus der Mode ist, beweist das Debütalbum der Wiener Band Wanda eindrucksvoll.

Ganz ohne Talentshow des heimischen Rundfunks setzt das Quintett einen ersten Schritt in die besagten Fußstapfen und hat das Potential, noch viele weitere folgen zu lassen. Das Werk mit dem klingenden Namen Amore strotzt vor Schmäh, Provokationen und Rhythmus. Es ist abwechselnd schräg, ehrlich und manchmal einfach nur makaber. Teilweise so makaber, dass Ludwig Hirsch persönlich die eine oder andere Zeile dazu beigesteuert haben könnte.

Thematisch setzt sich das Album mit scheinbar klassischen österreichischen Dingen auseinander. In zwölf Liedern besingt Sänger Marco mit raunzend-melancholischer Stimme vor allem den Alkohol und natürlich die „Amore“. Wobei sich „Amore“ da recht weitläufig interpretieren lässt. Gleich im ersten Lied des Albums, Bologna, heißt es etwa: „Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen, obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht.“ Abgesehen vom gewöhnungsbedürftigen Text hat Bologna aber unglaubliches Ohrwurmpotential und ist damit nur eines von vielen Liedern auf Amore, das das von sich behaupten kann.

Neben hochromantischen Liebesgeständnissen wie in Luzia („Weil du weiße Zähne hast, obwohl du ständig rauchst, ist der Thomas in dich verliebt und ich auch“) bietet Amore auch Weisheiten für frisch Getrennte, denn Auseinandergehen ist schwer: „Sie kommt sicher nicht so bald durch diese Tür und sucht auch nicht nach dir, denn du sitzt ja immer hier.“ Auseinandergehen ist schwer war nach Schickt mir die Post und Bologna eines von drei Liedern, die bereits vorab veröffentlicht wurden. Diese drei sind es auch, die aus einem sehr runden Album am ehesten hervorstechen.

Ein weiteres Lied, das man nur schwer aus dem Gedächtnis bekommt, ist Dass es uns überhaupt gegeben hat – es klingt nämlich teilweise danach, als wäre Nazar nicht der einzige gewesen, der kürzlich Falco-Archiv-Material für sein Album ausgraben durfte. Allerdings sind es dann doch Wanda selbst, die verdammt nach Falco klingen. Man muss aber festhalten, dass Falco, wenn er die Wahl gehabt hätte, wohl lieber auf Wandas Amore als auf Nazars Camouflage gelandet wäre.

Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis Wanda den Weg in eine breitere Öffentlichkeit finden. Denn das ist sicher keine dieser unbekannten österreichischen Bands, die versucht, irgendwie ein Lied zu verkaufen. Die wissen ganz genau, was sie machen und sie machen es wahnsinnig gut. Wer auf Austro Pop steht, sollte sich Amore nicht entgehen lassen!

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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