Freie Journalisten: Freiheit und Unsicherheit

mokant.at hat sich mit freien Journalisten unterhalten und nachgefragt, wo es im Job-Alltag Schwierigkeiten gibt und was die schönen Seiten des Berufs sind.

Vor einigen Tagen wurde die freie Journalistin Verena Ahne mit dem Sonderpreis für wissenschaftsjournalistische Vielfalt ausgezeichnet. Ihre Dankesrede widmet sie den Arbeitsbedingungen freier Journalisten: „Freie müssen ohne Sicherheit und ohne die Gewissheit auf Verbesserung ihrer Situation – denn immer weniger Leute werden angestellt – ständig auf Hochtouren arbeiten und nehmen immer weniger dafür ein.“

Tatsächlich verdienen freie Journalisten laut einer vor vier Jahren durchgeführten Studie der Universität Salzburg durchschnittlich 2.001 bis 2.500 Euro brutto monatlich. Davon sind noch Steuern und Abgaben abzuführen. Im Vergleich dazu verdienen angestellte Journalisten durchschnittlich etwa 4.000 Euro monatlich.

Diese Eindrücke lassen die Situation der freien Journalisten ziemlich schwierig erscheinen. Doch wie sieht die Situation für freie Journalisten tatsächlich aus?  Worin liegen die größten Schwierigkeiten und was sind die schönsten Seiten des Jobs? mokant.at begab sich auf die Suche nach Antworten und sprach mit einigen Freien.

Mara Simperler

Mara Simperler, (c) Marko Mestrovic

Mara Simperler ist seit zwei Jahren hauptberuflich Freie, und das ist sie auch gerne, erzählt sie. Sie fasst ihre berufliche Situation knapp zusammen: „Der Vorteil: Theoretisch kann man sich immer aussuchen, über was man schreibt. Der Nachteil: Praktisch ist das natürlich nicht so, weil man auch an finanzielle Gegebenheiten gebunden ist.“ Aus finanziellen Gründen müsse sie sich eben öfters für Projekte entscheiden, die ihr nicht so sehr am Herzen liegen.

Alexandra Rotter, hauptberuflich Freie sowie Mitgründerin und Vorstandsmitglied im Verein „Freischreiber Österreich“, kann ganz gut vom Journalismus leben, doch sie weiß, dass es vielen Kollegen nicht so geht:„Viele kompensieren die schlechte Bezahlung mit anderen Jobs, zum Beispiel mit PR-nahen Jobs, oder durch die finanzielle Unterstützung der Familie.“ Das trifft in gewisser Weise auch auf Stefan Peter zu. Er ist freier Journalist und hat nebenher noch weitere Standbeine, um unabhängig zu sein. Vom Journalismus alleine könne er nicht leben, erzählt er. „Dazu gibt es leider viel zu viele Kollegen, die jeden Auftrag annehmen, sei er auch noch so schlecht bezahlt. Das schlägt sich auf die erzielbaren Honorare am Markt nieder und führt sogar soweit, dass manche Redaktionen zu glauben scheinen, man würde gratis für sie arbeiten.“

Stärkeres Auftreten
Auch Alexandra Rotter sieht hierin ein Problem. „Besonders junge Journalisten lehnen viele Aufträge trotz der schlechten Bezahlung nicht ab, weil sie froh sind, dass sie Erfahrung sammeln und lernen können.“ Es wäre gut, wenn mehr Journalisten stärker auftreten würden, dann könnte sich an der allgemeinen Situation etwas ändern, sagt sie. Genau das strebe der Verein „Freischreiber Österreich“ an. Der Austausch mit Kollegen, sei es bei persönlichen online casino canada Treffen oder via Facebook, erleichtert vielen Journalisten eine selbstbewusstere Einstellung. Über Facebook werden Themen wie AGBs, Auftreten gegenüber Arbeitgebern und Honorare besprochen. Auch Probleme mit der Bezahlung werden hier diskutiert, die scheint jeder Freie in gewisser Weise zu kennen.

Stefan Peter

(c) Stefan Peter

Zahlen, bitte!
„Oh ja, welcher Journalist hat diese Probleme noch nicht? Geplante aber doch nicht gedruckte Aufträge werden oft gar nicht oder weit unter dem vereinbarten Honorar bezahlt, mit dem Hinweis, wenn man das als Journalist nicht akzeptieren würde, könnte sich dieses unkooperative Verhalten möglicherweise negativ auf künftige Aufträge auswirken“, schildert Stefan Peter. Er bestehe in solchen Fällen auf die Einhaltung des Vertrags und es wäre für ihn so und so der letzte Auftrag, den er von diesem Kunden angenommen hat. Alexandra Rotter erzählt von ähnlichen Erfahrungen mit Artikeln, die kürzer ausfallen, als vereinbart. Meistens werde das erst zu einem relativ späten Zeitpunkt mitgeteilt, was sehr ärgerlich sei, weil sie dann bereits recherchiert habe. Sie verweist in solchen Fällen darauf, dass sie ein Abschlagshonorar verlangen würde, was in vielen Fällen dazu führt, dass sie sich mit dem Medium „irgendwo in der Mitte“ trifft. „Dann wird einem oft doch ein bisschen mehr Platz zugesprochen und meistens kann ich halbwegs mit dem Kompromiss leben.“ Von verspäteter Bezahlung kann auch Mara Simperler berichten, größere Probleme habe sie bisher jedoch noch nicht gehabt.

Alexandra Rotter

Alexandra Rotter, (c) Sabine Erlhage

Ständig Jobs akquirieren
Neben Verhandlungen um die Bezahlung sind vor allem Planung und Organisation große und wichtige Bestandteile des Berufsalltags. „Du musst dir deine Jobs ständig akquirieren. Du kannst nicht einfach ins Büro gehen und deine Aufgaben abarbeiten. Schon während du an einem Auftrag arbeitest, musst du daran denken was du in zwei Wochen tun wirst, wenn der Auftrag erledigt ist“, zeigt Alexandra Rotter auf. Tätigkeiten wie Finanzplanung, Honorare schreiben und Arbeitsbedingungen ausverhandeln gehören auch zum Job. „Bis zu einem Drittel der Zeit täglich geht für so Organisationssachen drauf. Und der Rest für journalistische Sachen wie recherchieren, schreiben, Interviews führen und so weiter“, schätzt Mara Simperler.

Zusätzlich haben freie Journalisten Nachteile durch oft schlechtere Recherchebedingungen, etwa bedingt durch einen fehlenden APA Zugang und einen sehr eingeschränkten Einblick in den Redaktionsalltag. So ist die Themengenerierung und Recherche für Artikel aufwändiger. Auch in rechtlich problematischen Situationen erhalten nur wenige Freie Unterstützung von Seiten der Redaktion, beispielsweise im Falle einer Klage.

Die schönen Seiten der Freiheit
Doch freie Journalisten genießen auch die schönen Seiten ihres Berufes. Die freie Zeiteinteilung und die Unabhängigkeit sind große Pluspunkte. Irgendwie scheint jeder für sich persönlich seine Vorteile zu sehen und zu erleben. Für Stefan Peter ist das Schreiben an sich sehr schön und wichtig. „Dabei sind Freiheit und Unabhängigkeit persönliche Werte, die mir sehr wichtig sind, viel wichtiger als Geld, Luxus oder Status.“ Auch Mara Simperler genießt ihre Freiheit und betont, dass sie sich als Freie ihr Arbeitsumfeld aussuchen kann, was als Angestellter oft nicht möglich ist. Für Alexandra Rotter ist es angenehm, ihren Arbeitsalltag selbst gestalten zu können. „Schreiben ist ja ein kreativer Prozess, da muss ich auch mal zwischendurch spazieren gehen, um meine Gedanken zu ordnen.“ Sie findet es außerdem sehr schön, dass sie auch Aufträge ablehnen kann, was in einem Angestelltenverhältnis kaum möglich ist.

„Es ist einfach ein ganz spannender Job – ich glaube das wird kaum ein Journalist abstreiten. Dafür nehmen viele diese unsicheren Bedingungen in Kauf, was aber meiner Meinung nach nicht sein muss“, erklärt Alexandra Rotter. Sie ist sich sicher, dass freier Journalismus funktionieren kann. „Es gibt durchaus auch Wege, sich nicht ausbeuten lassen zu müssen. Aber diese Wege sind mitunter steinig.“

Titelbild: (c) Jasmine Schuster

 

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Jasmine Schuster studiert Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Wien und ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: jasmine.schuster[at]mokant.at

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