Dudu Kücükgöl: „Fühle mich an 9/11 erinnert“

Kücükgöl

Dudu Kücükgöl von der Muslimischen Jugend Österreich im Interview über Austro-Jihadisten, Diskriminierung und die aktuelle Debatte über Muslime in Österreich

Seit Wochen erreichen uns täglich neue Bilder von den Gräueltaten der Terrororganisation „Islamischer Staat“, die in einem mörderischen Kampf durch Syrien und den Irak wütet. Vor allem die Beteiligung junger Muslime aus Europa löst bei vielen Menschen Fassungslosigkeit, Angst, aber auch Wut aus. Die politische Brisanz der Thematik spiegelt sich in dem erst kürzlich von der Bundesregierung vorgestellten Entwurf für ein neues Islamgesetz und der teils scharfen Kritik, die er ausgelöst hat, wider. Inzwischen ist der öffentliche Diskurs geprägt von Ressentiments, Forderungen nach härteren Maßnahmen gegen radikale Muslime und der nicht ganz neuen Frage „Wie gefährlich ist der Islam wirklich?“. Wir haben mit Mag. Dudu Kücükgöl vom Bundesvorstand der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) über die Themen, die diesen Diskurs begleiten, und über die Anziehungskraft, die der IS scheinbar auf junge Muslime ausübt, gesprochen.

mokant.at: In einer Stellungnahme vom 22. September hat sich die MJÖ gemeinsam mit anderen muslimischen Verbänden von der Terrororganisation „Islamischer Staat“ und ihren Gräueltaten distanziert…
Kücükgöl: Wir haben uns nicht distanziert, wir haben diese Gewalt verurteilt. Uns war es wichtig, dass wir uns nicht „distanzieren“. Denn distanzieren müssten wir uns, wenn sie ein Teil von uns wären und das sind sie nicht. Ich distanziere mich nicht von Leuten, mit denen ich sowieso nichts gemein habe. Ich habe mit jedem meiner christlichen Freunde mehr Gemeinsamkeiten als mit diesen Leuten.

mokant.at: Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass die muslimische Glaubensgemeinschaft nichts mit einer Terrororganisation zu tun hat?
Kücükgöl: Diese Leute argumentieren mit dem Islam und sie verwenden augenscheinlich islamische Symbole. De facto ist es aber so, dass diese Argumente theologisch gar nicht haltbar sind. Vor kurzem haben sich rund 200 Gelehrte und Islamwissenschaftler aus der ganzen Welt in einem offenen Brief an den Leiter dieser Bande, Abū Bakr al-Baġdādī, gewandt. Darin argumentieren sie sehr ausführlich, warum das, was er tut, nicht islamisch ist und gegen den Islam und islamische Prinzipien verstößt.

mokant.at: Ärgert es einen, dass man öffentlich klarstellen muss, dass der Islam nichts mit dieser Terrororganisation gemein hat?
Kücükgöl: Natürlich ärgert mich das. Das ist auch der Grund, warum wir erst so spät eingewilligt haben, eine solche Stellungnahme zu veröffentlichen. Wir haben am Anfang gesagt: „Warum sollen wir uns von diesen Leuten distanzieren? Mit denen haben wir nichts zu tun.“ Bis die öffentliche Debatte dann so unerträglich und islamfeindlich wurde, dass man sich unbedingt dazu äußern musste. Aber in Wirklichkeit ist es ein riesen Armutszeugnis, ganz ehrlich.

Noch interessanter ist es, dass kein österreichisches Medium über die Stellungnahme berichtet hat. Da frage ich mich schon, wie ehrlich die Auseinandersetzung wirklich ist. Fast 300 Verbände, die sich sonst nie im Leben zusammenschließen würden, weil sie sehr unterschiedlich sind und praktisch nichts miteinander zu tun haben, einigen sich dieses eine Mal darauf, etwas gemeinsam zu sagen und es wird komplett ignoriert. Das zeigt, wie unausgeglichen der Diskurs ist, der fast ohne muslimische Stimmen geführt wird. Muslime kommen in dem Diskurs nur selten zu Wort.

mokant.at: Herrschen aktuell wieder mehr Vorurteile und Argwohn gegenüber Muslimen innerhalb der Gesellschaft?
Kücükgöl: Auf jeden Fall. Mir ist es auch schon passiert, dass mir „Terroristin“ oder andere üble Wörter nachgerufen wurden. Wir wissen aus Erzählungen, dass muslimische Frauen mit Kopftuch die Stimmung ganz massiv spüren, weil sie sichtbar Musliminnen sind. Warum hier Frauen für die Taten von Männern weit weg angegriffen werden, ist mir unverständlich.
Interessanterweise haben sich auf Facebook gerade zwei nicht-muslimische Freunde gemeldet, die angefeindet wurden, weil sie einen Bart tragen. Alles, was muslimisch sichtbar ist, wird sofort unter Terrorverdacht gestellt.

Inzwischen gibt es junge Mädchen und Burschen, die in der Schule gemobbt werden. Uns wurde von einem 14-jährigen Mädchen berichtet, das noch in der ersten Schulwoche von Mitschülern und leider auch ihrem Lehrer wegen den Taten des IS fertig gemacht wurde. Sie musste sich „rechtfertigen“ und sollte doch zugeben, dass der Islam das Problem ist, dass der Islam böse ist – bis sie schließlich weinend aus der Klasse lief. Ich habe auch schon von Eltern gehört, die überlegen ihre Kinder von Schulen und Kindergärten abzumelden, um sie zuhause einzuschulen. Denn auf Anordnung von Gabriele Heinisch-Hosek sind alle muslimischen Schüler unter Beobachtung. Dabei sind Muslime doch die ersten, die eine Radikalisierung ihrer Kinder verhindern wollen und dann nimmt man sie nicht an Bord. Man lässt sie nicht sprechen und zeigt nicht, dass Muslime gegen Radikalisierung ankämpfen. Stattdessen kommen polizeistaatliche, autoritären Anweisungen von oben. Ich sehe derzeit zwar wenige ehrliche Absichten, das Thema ernsthaft anzugehen, aber es gibt auch erfreuliche Entwicklungen: Manche Frauen berichten wiederum, dass sie immer öfter besonders nette und hilfsbereite Mitbürger antreffen – als würden sie durch Freundlichkeit ihr ganz persönliches Zeichen gegen Islamfeindlichkeit setzen wollen.

mokant.at: Wird der öffentliche Diskurs durch die aktuellen Geschehnisse zurückgeworfen?
Kücükgöl: Die ganze IS-Debatte wirft den Diskurs sehr weit zurück. Ich muss sagen, ich fühle mich wirklich an 9/11 erinnert. Ich bin damals eine Woche nicht aus dem Haus gegangen. Ich war so schockiert und perplex. Für mich war das so unfassbar, dass diejenigen, die das getan haben, sich Muslime nannten. Die Bilder waren so schockierend. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, dass das 24 Stunden am Tag in den Haushalten läuft, ich rausgehe und es heißt: „Die hat die gleiche Religion wie diese Leute.“ Das war unerträglich. Und die Atmosphäre hat sich verändert. Das war damals ein schlimmes, ganz schockierendes, aber punktuelles Ereignis, das auch irgendwann medial aufgearbeitet wurde. Was wir heute haben, ist am laufenden Band zu sehen. Diese Wahnsinnigen machen eine unmenschliche Aktion nach der anderen und die Medien springen auf jeden Zug auf. Warum gibt man dieser Bande von Räubern und Mördern die Definitionshoheit über den Islam? Nicht den Opfern, nicht den Leuten, die gegen sie kämpfen, nicht den Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen – die werden nicht Muslime genannt, sondern die Räuber und Mörder werden Muslime genannt. Und ihre Taten sollen islamisch sein..?

mokant.at: In der öffentlichen Debatte kommen auch Themen und Fragen auf, die sehr an die Zeit nach 9/11 erinnern, wie etwa „Wie gefährlich ist der Islam wirklich?“. Haben sich diese Themen nicht längst abgenutzt?
Kücükgöl: Leider nicht. Es wird jetzt auch wieder ganz oft erwähnt, dass Koranschulen, islamische Kindergärten, Moscheen und Verbände Keimzellen für eine Radikalisierung sein sollen. Da merkt man, dass das eine populistische Debatte ist. Alle Studien zeigen einhellig, dass die Jugendlichen, die sich dem IS anschließen, gerade aus nicht-praktizierenden Familien kommen. Das sind keine Eltern, die ihre Kinder in Koranschulen und islamische Kindergärten schicken oder regelmäßig in die Moschee gehen. Diese Jugendlichen sind nämlich geschützt, weil sie ein Grundverständnis für islamische Werte haben – das sagt eine Studie des britischen Geheimdienstes. Sie haben eine religiöse Erziehung und sie wissen, dass das nicht islamisch sein kann. Junge Menschen, die ein religiöses Basiswissen haben, machen das nicht. Es sind genau die anderen Jugendlichen.

mokant.at: Welche Rolle spielen Orientierungslosigkeit und das Bedürfnis nach Zugehörigkeit für diese Jugendlichen?
Kücükgöl: Ich glaube, dass man diese Perspektiv- und Orientierungslosigkeit miteinander verknüpfen kann. Diejenigen, die sich ausgeschlossen fühlen, sehen keine Perspektiven. Sie wissen nicht, worauf sie hinarbeiten sollen. Es geht um Jugendliche, die keinen Anschluss haben und auch keinen Platz für sich in der Gesellschaft sehen. Unsere Erfahrung mit Jugendlichen ist, dass es für sie ganz wichtig ist, einen festen, guten Freundeskreis und ein soziales Netzwerk haben. Die jungen Menschen, die von diesen Leuten eingefangen werden, sind Jugendliche, die sich einsam fühlen.

mokant.at: Fehlen ihnen Vorbilder oder Identifikationsfiguren?
Kücükgöl: Das soziale Netzwerk ist das eine und das andere sind Vorbilder, Bezugspersonen, an die sie sich wenden können und mit denen sie Fragen und Unklarheiten klären können. Deswegen ist da auch vielmehr die muslimische Jugendarbeit gefordert. Das müssen wir sein, weil sich die jungen Menschen uns als Vorbilder nehmen. Sie können sich mit uns identifizieren und nehmen uns als Vorbilder viel eher an. Das ist aber nicht nur wichtig für die kleine Gruppe von Jugendlichen, die wir vor Radikalisierung schützen wollen, auch die Masse braucht Vorbilder und Perspektiven. Es gibt noch zu wenige Vorbilder für Jugendliche, die als Muslime selbstverständlich und in ihrer Rolle in der Gesellschaft sichtbar sind, wo muslimische Jugendliche sehen: „Die haben es geschafft, das möchte ich auch!“

mokant.at: Bei näherer Betrachtung gibt es Parallelen zu nicht-muslimischen Jugendlichen, die etwa für Rechtsextremismus anfällig sind. Kann man hier von einem gesamtgesellschaftlichen Problem sprechen?
Kücükgöl: Vom Phänomen her schon. Es geht ja darum, wie Jugendliche gewaltbereit werden können. Andere, nicht-muslimische Jugendliche haben genauso ihre Möglichkeiten der Radikalisierung. Rechtsradikalismus haben wir auch ganz stark in unserem Land, das wird aber medial nicht so gerne thematisiert. Aber auf diese 130 österreichischen Jihadisten stürzen sich jetzt alle. Rechtsradikale sind auch gewaltbereit und es gibt immer wieder und vor allem viel mehr rechtsradikale Gewalt. Dabei steigt gerade islamfeindliche Gewalt stark an und ich verstehe nicht, warum die Entscheidungsträger in der Gesellschaft nicht endlich erkennen, dass Islamfeindlichkeit ebenso eine große Gefahr für die innere Sicherheit Österreichs darstellt.

mokant.at: Es gibt die These, dass der globale Jihadismus eine Art Jugendkultur ist, wo es darum geht, gegen Eltern und Gesellschaft zu rebellieren. Erklärt das die scheinbar starke Anziehungskraft des IS?
Kücükgöl: Ja, irgendwo schon. Gerade weil sich der IS im Internet als hip und modern darstellt. Es kann vielleicht sein, dass sich das für manche junge Menschen oberflächlich betrachtet cool anhört. Aber das kann wirklich nur ganz oberflächlich sein. Sobald ein Mensch, der zurechnungsfähig ist, die Taten dieser Leute sieht, muss ihm klar sein, dass das abscheulich und nicht in Ordnung ist – da sind ja massive Gewalthandlungen damit verbunden. Es ist maximal eine Jugendkultur für abgestürzte Jugendliche.

Eine jüngst veröffentlichte britische Studie machte Einsamkeit und Anzeichen von Depression als Risikofaktoren für Radikalisierung ausfindig. Das ist auch, was mein Gefühl sagt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der psychisch gesund ist, in eine Krisenregion zieht, in der es so zugeht. Ich frage mich, in was für einer psychischen Lage diese Menschen sein müssen, die ihr Leben wegwerfen. Das ist wirklich traurig. Es ist schrecklich.

mokant.at: In den sozialen Netzwerken erntet die Propaganda des IS zum Teil viel Zustimmung, etwa in Form von Likes unter gewissen Postings.
Kücükgöl: Es geht ihnen bestimmt auch ums Schocken um jeden Preis. Das Problem ist aber, dass es so stark mit Gewalt verknüpft ist. Das ist die Stelle, wo jedes Coole ganz klar aufhört. Wenn es nicht mit Gewalt verknüpft ist und so lange die Leute gar nicht wissen, was das ist, kann man vielleicht noch von Jugendkultur sprechen. Aber in dem Moment, wo diese massive Gewalt sichtbar ist, zieht das Argument nicht mehr. Da machen dann nur mehr junge Leute mit einem psychischen Knacks mit.

mokant.at: Was können wir als Gesellschaft tun, damit uns unsere Jugendlichen nicht abhandenkommen?
Kücükgöl: Es sind zwei Sachen: Einerseits ist es die Aufgabe der Musliminnen und Muslime in Österreich noch viel stärker mit Jugendlichen zu arbeiten, ihnen noch viel stärker einen positiven Zugang zu unserer Gesellschaft zu geben. Wir müssen noch viel stärker betonen, dass wir Österreicher und Muslime sind. Wir müssen sie motivieren eine höchstmögliche Bildung anzustreben, ihnen viel stärker vermitteln, dass Bildung ihre Grundausrüstung ist, um in dieser Gesellschaft eine Rolle einzunehmen.
Zweitens betonen wir in der MJÖ, dass es im Falle von Diskriminierung Möglichkeiten gibt, sich zu wehren: Es gibt eine Gleichbehandlungsanwaltschaft in unserem Land, die sich darum kümmert. Es gibt Meldestellen für Rassismus wie z.B. ZARA. Das heißt, dass wir den Jugendlichen sagen, dass dieses Unrecht, das da passiert, nicht einfach hingenommen werden muss, sondern dass man sich Beistand holen kann. Ihnen die Chancenlosigkeit und die Verzweiflung zu nehmen ist das Wichtigste. Nur ein Mensch, der absolut verzweifelt ist und wirklich nichts zu verlieren hat, wird diesen Weg wählen und in ein Kriegsgebiet ziehen.

Auf der anderen Seite muss man mehr dafür tun, um Diskriminierung abzubauen – auch strukturelle Diskriminierung. Gerade die Diskriminierung am Arbeitsmarkt ist ein massives Problem für Jugendliche – weil sie dann abstürzen, nichts zu verlieren haben und dann möglicherweise gefährdet sind. Nicht alle Arbeitslosen sind gefährdet, aber das ist ein Faktor, der Radikalisierung fördert. Eigentlich müssten wir viel stärker aufeinander zugehen, viel stärker zusammenarbeiten. Derzeit passiert leider das Gegenteil. Die politischen Vorschläge, die dazu kommen, gießen oft nur Öl ins Feuer. Es gibt nur wenige sinnvolle Initiativen, wo man Menschen sieht, die Hand in Hand – unabhängig von der Konfession – dabei sind, den Jugendlichen zu helfen und sie da rauszuholen.

mokant.at: Es wird gegenwärtig sehr viel über Präventionsprogramme gesprochen. Erreicht man die gefährdeten Jugendlichen damit?
Kücükgöl: Die Jugendlichen, die bereits stark ideologisiert sind, sind ein Fall für die Behörden, für Sicherheitsbehörden und Sozialarbeiter. Da müssen Profis ans Werk. Wichtiger ist, dass man die Jugendlichen nicht so weit kommen lässt und da ist Prävention sehr wichtig. Der MJÖ ist es wichtig, dass muslimische Kinder und Jugendliche von klein auf gefördert werden, aber auch eine fundierte religiöse Bildung haben und islamische Argumente gegen eine radikalisierte Entstellung ihrer Religion haben und dass wir mit allen positiven Kräften für eine gemeinsame Zukunft in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft arbeiten. Wir bieten beispielsweise Workshops an, in denen wir über demokratische Grundüberzeugungen, gesellschaftliche Teilhabe und die Wichtigkeit der Beteiligung an Wahlen informieren. Partizipation in allen gesellschaftlichen Bereichen ist uns immer schon sehr wichtig gewesen. Die Jugendlichen müssen wissen, dass das auch islamisch ist, damit sie nicht verunsichert werden können von Leuten, die ihnen das Gegenteil einreden wollen. In dem Moment, wo wir das mit den Jugendlichen erreichen, haben die Extremisten schon längst verloren.

Links aus dem Artikel:
MJÖ – Muslimische Jugend Österreich
Kritik an Islamgesetz-Entwurf / MJÖ
Stellungnahme vom 22. Sept / APA
Gastkommentar „Muslimische Schüler unter Generalverdacht / DiePresse

Titelbild: (c) Ibrahim Turgut

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Jolanthe Pantak ist als Redakteurin für mokant.at sowie als Chef-Kritikerin beim Theaterportal theatania.at tätig. Kontakt: jolanthe.pantak[at]mokant.at

6 Comments

  1. mp

    14. Oktober 2014 at 11:43

    Irgendwo ist religiöser Fundermentalismus halt doch immer ein Wegbereiter für Extremisten, vor allem wenn er für sich die einzige Wahrheit beansprucht. Das ist halt das Problem mit der Religion ganz allgemein. Man sollte mal überdenken, ob Glaube so was positives ist. Glauben heißt nämlich nicht wissen und da habens Lügen dann leicht, geglaubt zu werden.

    • karakal

      16. Oktober 2014 at 00:46

      Aus diesem Grunde läßt Amir Zaidan, der Direktor des Islamischen Religionspädagogischen Instituts (IRPI) in Wien, in seiner deutschen, „Tafsir“ genannten Koran-Übersetzung den arabisch-islamischen, bzw. „islamologischen“, Begriff „Îmân“ unübersetzt stehen und erläutert im Anhang, warum dieser nicht mit dem deutschen „Glauben“ wiedergegeben werden soll. So übersetzt er mit „Ihr, die den Iman verinnerlicht habt!“ anstatt mit „O die ihr glaubt!“ oder „… die ihr gläubig seid!“, wie das in den meisten anderen Koran-Übersetzungen der Fall ist.

  2. bell

    15. Oktober 2014 at 11:52

    Wichtig ist es, dass unsere Kinder zu starken Persönlichkeiten erzogen werden, die sich nicht an Extremisten und anderen hirnlosen Idioten orientieren. Der Glaube an sich selbst ist wichtig. Dieser jedoch wird stark von der Erziehung beeinflusst – was passiert mit Kindern und Jugendlichen, deren Eltern schon keine Perspektiven und Anerkennung in der Gesellschaft erleben und haben?

    • Toni

      15. Oktober 2014 at 11:55

      ich finde man konzentriert sich bei der debatte um die radikalisierung von jugendlichen zu sehr auf die jihadisten. das ist nämlich keine große gruppe. viele jugendliche neigen dazu, sich in einer phase der orientierungslosigkeit einer radikalen gruppe anzuschließen, da ist es egal, ob sie zu jihadisten oder zu neo-nazis werden. man muss gegen alle formen der radikalisierung vorgehen und sich nicht auf eine versteifen

    • mp

      15. Oktober 2014 at 19:03

      Stimmt. Aber ist es denn noch echter Glaube, wenn man nicht alles glaubt. Und wenn doch, wem muss man glauben und wem nicht? Wer verkündet denn „Gottes Botschaft“ und wer nicht? Irgendwie zeigt das doch gut das Dilemma des Glaubens. Diejenigen mit „guten“ Eltern kriegen „gute“ religiöse Grundsätze an die sie glauben, die mit schlechten sind anfällig für bösartige Ideen. Glaube ist in meinen Augen weder gut noch schlecht (oder beides), ist aber kein Weg, der zur Wahrheit führt oder uns gesellschaftlich voran bringt.

  3. deix

    16. Oktober 2014 at 14:54

    Jeder kann sich in unserer freien Gesellschaft zwar so herrichten wie er glaubt. Kopftücher in jenem Stil, wie sie von Frau Kücükgöl mit Untertuch getragen werden und auch nur das kleinste Kopfhaar abdecken, missfallen mir zutieft – sie sind für mich ewiggestrig wie Burschenschafterkappen. Sind denn Männerhaare, die nicht verdeckt werden müssen, wirklich so etwas ganz anderes als Frauenhaare? Der Glaube an das Kopftuchtragen hat daher für mich etwas militant Irrationales,was mich intellektuell einfacht abstößt. Nicht jedes Werturteil ist ein Vorurteil. Negative Werturteile können manchmal sehr vernünftig sein, dogmatisches fetischhaftes Glauben an 1400 Jahre alte Bekleidungsregelung hingegen höchst unaufgeklärt.

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