Waves Vienna: 7 Dinge, die wir gelernt haben

(c) Rebecca Steinbichler

Wien war vergangenes Wochenende tatsächlich Weltmusikstadt – statt klassischer Geige schallten Bässe, Gitarrensolos und Liebeslieder über die Grenzen der inneren Stadt hinaus. Grund dafür war das Waves Vienna 2014. Das Musikfestival mit angeschlossener Konferenz holte zum vierten Mal heimische und internationale Geheimtipps und ein paar größere Namen nach Wien. Dabei versteht sich das Waves Vienna als Showcase-Festival und Vernetzungsplattform für Künstler, Musikliebhaber und Branchenkenner.

Wir pilgerten das ganze Wochenende von Venue zu Venue – von der Alten Post über das Flex ins Porgy & Bess und wieder zurück. Mitgebracht haben wir sieben Erkenntnisse aus der Musikwelt und eine Liste mit neuen Lieblingsliedern.

1) Österreichische Künstler machen Musik auf internationalem Niveau.
Spätestens seit dem #elkegate-Shitstorm ist klar: Die Zeiten, in denen man die österreichische Musikszene belächeln darf, sind endgültig vorbei. Das diesjährige Waves Vienna hat dafür mehr als genug Beweise geliefert. Heimische Bands wie DAWA, GiantreeChili And The Whalekillers oder The Boys You Know überzeugten das internationale Publikum in unterschiedlichsten Genres.

2) Das Waves Vienna-Publikum macht glücklich.
Einmal mit dem Festivalbändchen die erste Location betreten und schon ist man drinnen in einer sorgenfreien Happy-Peppi-Hippie-Hipster-Blase. Menschen, die für das Waves Geld ausgeben sind Musikliebhaber und entspannte Zuhörer, die Fragen grundsätzlich mit einem Lächeln beantworten. So ein Publikum können sich Wiener Clubs an anderen Tagen nur wünschen. Daumen hoch für die Stimmung in der Waves-Blase – die Endorphine zischen uns noch immer durch den Körper.

3) Leser wollen Sex, Drugs & Miley Cyrus.
Warum der Vice-Ableger Noisey unter anderem auf Beiträge über Miley Cyrus’ Instagram-Account oder über Brüste in Musikvideos setzt, erklärte uns Jonas Vogt, Chefredakteur des Online-Musikmagazins auf der Waves Conference. Vereinfacht erklärt: Weil diese durch die vielen Klicks das Gehalt der Autoren zahlen und somit auch hochwertigere musikbezogene Texte finanzieren können. mokant.at wird sich das zu Herzen nehmen – ein Artikel über die Intimfrisur von Justin Bieber ist bereits in Planung.

4) Das Waves Vienna schult den Orientierungssinn.
Zwischen Schwedenplatz und Stubentor auf verirrte Bands zu stoßen, kann bei diesem Festival schon mal passieren. Selbst Ur-Wiener stellt der verwinkelte erste Bezirk manchmal noch vor die eine oder andere Herausforderung, doch nach dem Waves Vienna finden wir jetzt im Schlaf zur Alten Post und zum Porgy & Bess.

5) Musikmenschen sind toll.
Auf der Waves Vienna Conference am ersten Tag des Festivals trafen die unterschiedlichsten Menschen aus der internationalen Musikbranche aufeinander – von Bandmanagern über Künstler bis zu Musikjournalisten und –bloggern. Die Wenigsten von ihnen können alleine von ihren Musikjobs leben und stecken sehr viel Energie und Freizeit in die Promotion von neuen Acts, die Organisation von Festivals oder ins Schreiben über Musik. Ihre Leidenschaft ist nicht nur ansteckend, sondern der Grund, dass Veranstaltungen wie diese überhaupt stattfinden können.

6) Thees Uhlmann ist ein Schleimer (und die Wiener lieben ihn dafür).
Den estländischen Konzertbesucherinnen neben uns war das Konzert des Tomte-Frontmanns ein Rätsel – kein Wunder, verstanden sie ja die Ankündigungen zwischen den Liedern nicht. In diesen überhäufte Thees Uhlmann das Publikum im knallvollen brut mit Komplimenten, Lobreden über die „beste Stadt der Welt“ und Anekdoten aus Wien-Besuchen. Die Folge: Stimmungsexplosion im brut!

7) Das Waves-Programm führt zu Schlafentzug.
Selbst Wenigschläfer, Organisationstalente und durchhaltefähige Ausgeher bringt das Waves-Programm in Entscheidungsnöte – sich für eine von drei vielversprechenden Acts zu entscheiden, die zur selben Zeit spielen, ist keine einfache Entscheidung (die optimalerweise im Vorfeld getroffen werden sollte). Weil es in Wien schon jede Menge zu hören, sehen, diskutieren und tanzen gab, haben wir es dieses Jahr leider nicht nach Bratislava geschafft, wo das Festival parallel stattfand.

Danke Waves Vienna, es war schön mit dir.

Blase_rot

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Artikel von Rebecca Steinbichler und Katharina Egg.
Titelbild ©: Rebecca Steinbichler

Rebecca Steinbichler ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: rebecca.steinbichler[at]mokant.at

katharina.egg@mokant.at'
Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

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