Wien-konkret: Stadtmagazin oder Parteiwerbung?

Die Website Wien-konkret sieht auf den ersten Blick wie eine offizielle Website der Stadt Wien aus. Wir haben sie uns genauer angeschaut. 

Wer das Internet nach Informationen über Wien durchsucht, gelangt schnell auf die Website Wien-konkret. Googelt man nach Wörtern wie Wien oder Stadtmagazin, ist sie einer der ersten Treffer. Auf den ersten Blick könnte man meinen, es handle sich um eine offizielle Seite der Stadt Wien. Unter dem großgedruckten Titel Aktuelle Themen in Wien werden Informationen zu den unterschiedlichsten Themen geboten. Erst ein kleiner Beitrag am Ende der Startseite verrät, dass es sich um ein privates Stadtmagazin handelt.

Spätestens beim Blick ins Impressum wird deutlich, dass es sich um keine offizielle Seite der Stadt Wien handeln kann: Herausgeber des Magazins ist Robert Marschall, Obmann der EU-Austritts Partei und Spitzenkandidat des EU-STOP Wahlbündnisses bei der EU-Wahl 2014.

Robert Marschall wurde bereits im Rahmen der EU-Wahl von mokant.at interviewt. Die Autorisierung des Interviews verweigerte er jedoch, ohne konkrete Gründe anzugeben. Im Zuge des Interviews wurden auch einige Fragen zum Stadtmagazin Wien-konkret gestellt. Marschall sagte, dass die Fragen zwar spannend seien, er sie allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten möchte. Er beschwichtigte mit dem Angebot, ein Interview zu Wien-konkret ein anderes Mal zu geben. Die Anfrage zu einem Interview zum Stadtmagazin blieb jedoch ohne Antwort.

Baden ohne Ausländer
Verschiedene Medien berichteten bereits über Wien-konkret. Für Aufruhr sorgten die Berichte über Wiens Bäder. Wien-konkret beschreibt das Publikum und differenziert dabei zwischen In- und Ausländern. So steht dort etwa das Theresienbad weise einen geringen Inländeranteil auf. Dina Malandi von der Organisation für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (ZARA) kennt die Webseite und die Bäderberichte seit einigen Jahren. Sie sagt, die Texte seien eindeutig als rassistisch, aber weder straf- noch zivilrechtlich als Verstoß einzustufen. Auch der Universitätsprofessor und Spezialist für Medienrecht Heinz Wittmann bestätigt, dass die Unterscheidung zwischen Inländern und Ausländern per se noch keine Diskriminierung nach den Antidiskriminierungsgesetzen darstellt.

Im mokant-Interview zur EU-Wahl sagte Marschall, ein Ausländer sei für ihn ein Mensch ohne österreichische Staatsbürgerschaft. Daraufhin fragten wir, ob denn in den Bädern Passkontrollen durchgeführt wurden. Auf die Frage gab er keine Antwort. Er betonte nur, dass das Wien-konkret Magazin mit der EU-Austrittspartei überhaupt nichts zu tun habe. Marschall ist einerseits Geschäftsführer der Wien-konkret Medien GmbH, der Medieninhaberin des Stadtmagazins, andererseits Obmann der EU-Austrittspartei.

Magazin und Partei strikt getrennt?
Bei einer genaueren Betrachtung der Beiträge von Wien-konkret werden die Verbindungen zwischen EU-Austrittspartei und Wien-konkret klar sichtbar. Die letzte Zeile eines Artikels von 2013 zur Friedenspolitik betont die Verflechtung zwischen Partei und Magazin: „Frohe Weihnachten wünscht die EU-Austrittspartei der ganzen Welt.“ Viele weitere Artikel zeugen von einer EU-kritischen Meinung; die Berichterstattung erfolgt oft sehr subjektiv.

Tippt man beispielsweise das Wort Ausländer in das Suchfeld, erscheint der Titel eines Artikels: Ausländer in Wien. Gleich zu Beginn reihen sich drei Zahlen aneinander: Wiens Einwohner, Inländer und Ausländer. Woher und zu welchem Zeitpunkt die Zahlen entnommen worden, ist unklar – die Quellenangaben fehlen. Fett gedruckt betont die erste Zeile, dass die Ausländerquote in Wien mit 20,5 Prozent ziemlich hoch ist. Es folgen Informationen über die Angst der Wienerinnen und Wiener vor der Überfremdung und das Argument, dass man nicht alle Ausländer in einen Topf werfen kann. „Es gibt natürlich auch einige, die sich vorbildlich in Wien integriert haben und eine Bereicherung für die Stadt sind“.

Ein weiterer Artikel zum Thema Facebook deutet auf die Parteinähe des Magazins hin. Der Autor zählt die Vor- und Nachteile von Facebook für seine User auf und gibt drei Tipps für interessante Facebook-Gruppen. Der zweite Tipp enthält zwei Links zu Facebook-Gruppen, die das EU-Austrittsvolksbegehren unterstützen. Ein weiterer ist die Verlinkung zur Gruppe gegen Männerdiskriminierung in Österreich. In Klammer wird die Anzahl der Gruppenmitglieder angegeben. Wien-konkret gibt an, dass die Gruppe gegen Männerdiskriminierung fünfhundert teilnehmende Mitglieder hat. Klickt man allerdings auf den Facebook-Link erfährt man, dass aktuell nur 99 Mitglieder existieren. Admin der Facebook Gruppe ist Robert Fuchs, ein näherer Bekannter von Robert Marschall. Für ihn ist das Magazin eine „wertvolle Bereicherung der Medienlandschaft“.

User durch Aufmachung getäuscht?

Als Internetuser, der zufällig über die Website stolpert, ist man verwirrt. Aufmachung und Erscheinung der Seite erwecken den Eindruck, die Stadt Wien stelle Informationen zu Veranstaltungen, Hotels, Sehenswürdigkeiten zu Verfügung. Stutzig werden lassen Artikel der Sparten Politik und Soziales. Unter dem Titel Parteien in Österreich erscheint eine begrenzte Auswahl an österreichischen Parteien. Darunter befinden sich auch die EU-Austrittspartei Österreich, die Männerpartei, und das NFÖ (Neutrales Freies Österreich), Mitglied des Wahlbündnisses EU-STOP, bei der EU-Wahl 2014.

Auch Dina Malandi von ZARA verweist auf die Problematik: „Durch die Aufmachung der Seite wird vielen Besucherinnen und Besuchern suggeriert, es handle sich um eine offizielle Website der Stadt Wien“. Sie meint, dass durch diese Täuschung viele User glauben, es handle sich beispielsweise bei der Einteilung der Bäderbesucher in In- und Ausländer um eine städtische Beschreibung.

Stadt Wien platziert Hinweis auf Wien-konkret
Weiters geht Dina Malandi davon aus, „dass die Website und ihre fragwürdige ‚offizielle’ Aufmachung der Stadt Wien sicherlich bekannt sind und diese die Möglichkeiten dagegen vorzugehen, wohl hinreichend geprüft hat.“ Martin Posch, Fachbereichsleiter der MA 53 für Presse- und Informationsdienst bestätigt, dass die Stadt Wien stets bemüht ist, potenzielle Namensrechtsverletzungen und Zuordnungsmissverständnisse zu verhindern. Im Fall von Wien-konkret konnte die Stadt Wien bereits vorgehen: „Es wurde ein Hinweis auf die Startseite gegeben und im Impressum eingefügt, dass es sich nicht um die offizielle Homepage der Stadt Wien handle“.

links dazu:
www.wien-konkret.at

Artikel über Wien-konkret: 
Der Standard: Baden ohne Ausländer
Der Standard: Wo Inländer baden gehen können
Das Biber: Baden ohne Ausländer? Wien-konkret sagt wo

Klara Kostal ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: klara.kostal[at]mokant.at

2 Comments

  1. alisa

    10. September 2014 at 19:27

    Richtig arg. ich hab echt gedacht dass das die website von der stadt wien ist…

  2. ichsi

    15. Januar 2015 at 23:35

    Ich bin grad über einen Google link auf diese Seite gekommen und sie ist widerlichst rassistisch und sexistisch. Es kann doch nicht sein, dass so eine dumme, offensichtliche Volksverhetzung so offiziell aussehen kann! Obwohl, wenn man manche anderen Massenmedien in Österreich ansieht… Grausig!

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