KopfhörerInnen: Jamie Cullum – Interlude

Jamie Cullum – Interlude
(VÖ: 03.10.2014 | Island Records)

(c) Universal Music Austria

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Mach die Augen zu und riech den Geruch von Gras, denn bei diesen Saxophonen hast du keine andere Wahl. Sie begleiten dich durch fast jedes Lied und gemeinsam mit Jamies Markenzeichen, dem Klavierspiel, scheint New Orleans keine fünf Schritte entfernt. Interlude, Jamie Cullums neues Album, nimmt dich bei der Hand und hilft dir beim Pirouettendrehen durch die jazzigen Straßen der Stadt am Bayou, ob du willst oder nicht.

Und das war es auch, was Jamie Cullum im Kopf hatte, als er sein fünftes Album plante; „a pure Jazz record“. Dies mag für Fans von Jamie nicht abwegig klingen, schien er doch immer schon dem Jazz zugewandt. Gerade seine ersten Alben, Twentysomething aus 2003 und Catching Tales aus 2005 sind durchzogen von Neuinterpretationen alter Jazz- und Swingklassiker, wie I Get A Kick Out Of You immer darauf bedacht, die Lieder mit einer ganz eigenen experimentelle Note zu versetzen. The Pursuit folgte 2009 seinen Vorgängern in ihrer probierfreudigen Weise, jedoch nicht so sehr was den Jazz betraf, denn Jamies drittes Album schien sich ihm langsam abzuwenden. Ähnlich war es mit Jamies letztem Album 2013, Momentum, das vor allem durch experimentellen Pop geprägt ist.

Überraschenderweise ließ Jamie seine Fans nicht lange warten, und kündigte Ende August sein neues, durch und durch aus Jazz-Songs bestehendes Album Interlude an. Obwohl unabsichtlich, da nach einem der Tracks benannt, verrät der Albumtitel bereits seine Rolle als Intermezzo zwischen den experimentierfreudigeren letzten Alben. Dies soll nicht heißen, dass Jamie dieses Mal nicht seine Experimente an Klassikern wie Don’t Let Me Be Misunderstood oder Make Someone Happy versucht hat.

Das erste Lied, passenderweise Interlude, führt besonnen aber bestimmt in die Jazz-Klub-schreienden Klänge des Albums ein und fährt mit voller Power mit einem Ray Charles Cover von Don‘t You Know fort. Nach einer für das Album vielleicht sogar etwas gar un-jazzigen Version von Seers Tower folgen Klassiker wie Walkin à la Miles Davis und Lovesick Blues, aber auch nicht gar so bekannte Lieder wie Sack of Woe, die einen unweigerlich mitswingen lassen. Interlude endet mit einer sehr ruhigen, moll-lastigen Version von Make Someone Happy, die den Hörer beinahe die fröhliche Happy-End-Konnotation von Schlaflos in Seattle vergessen lässt.

Nicht zu verachten sind auch die Duette; als Moderator seiner eigenen Jazz-Radioshow hatte Jamie die letzten Jahre die Möglichkeit, die momentanen Größen des Jazz und Swing kennenzulernen. So kam es unter anderem zu dem zugegeben anfangs gewöhnungsbedürftigen Cover von Don’t Let Me Be Misunterstood gemeinsam mit keinem geringeren als Grammy-Gewinner Gregory Porter. Dieser war trotz vollem Terminplan motiviert genug, seinen Part die Nacht hindurch vor einem Morgenflug aufzunehmen, um Jamie bei der Verwirklichung seines Albums mitzuhelfen. Ebenfalls nicht fehlen durfte ein Billie Holiday Cover; dieses singt er gemeinsam mit Laura Mvula, einer britischen Soul-Sängerin, deren Stimme für diesen Klassiker perfekt mit Jamies harmoniert.

Für österreichische Fans bleibt nur mehr zu hoffen, dass Jamie seine Interpretationen bald auch hierzulande vorführt. Diejenigen, die ihn im Juli auf der Donaubühne erleben durften, werden wissen, welchen Effekt Jamies Live-Performances auf die Zuschauer haben. Für alle anderen: Jamie verließ die Freiluftbühne nicht nur einmal für einen Abstecher in die Donau, um mit den Fans mitzushaken.

Die einzige Frage, die schließlich bleibt, ist, warum Jamie nicht schon früher ein reines Jazzalbum veröffentlicht hat, denn seine Stimme scheint gemacht für die jazzigen und swingenden Töne, ob zu Klassikern oder neueren Klängen. Nach einem Durchgang des Albums will man vor allem als Jazzfan gleich nochmal und nochmal und nochmal. Solche Interludes dürfen ruhig öfter kommen, Jamie!

 

(c) Titelbild: Universal Music Austria

Cornelia Kucani hat Studien der Anglistik und der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften absolviert und ist höchst anglophil. Wenn sie nicht in Großbritannien vorzufinden ist, dann auf tumblr als halliepotter.

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