Reiseguide: Vietnam

Foto: (c) Olga Fasbender

In Vietnam stößt man nicht nur auf eine unglaublich abwechselungsreiche Landschaft, sondern auch auf eine besonders faszinierende Kultur. Hier warten aufregende Millionenstädte, herrliche Küstenstreifen mit türkisem Meer, gastfreundliche Menschen und außerdem das wohl beste Essen Südostasiens. .

Rucksack auf und los! Über die Reiseroute muss man sich nicht lange den Kopf zerbrechen, denn da gibt es nur zwei Möglichkeiten – entweder entlang der Küste vom Süden in den Norden oder umgekehrt.

Tipp 1: Backpacker Quarter Sai gon
Startet der Trip im Süden, ist der erste Anlaufpunkt Ho-Chi-Minh-Stadt. Die Stadt, von den Einheimischen Sai gon genannt, ist mit 7,1 Millionen Einwohnern die größte und dynamischste Vietnams. Nach langen Jahren des Krieges und der Unterdrückung stecken die Menschen voller Tatendrang: nun wird an jeder Ecke gebaut, die Wirtschaft blüht. Man will sich ein besseres Leben aufbauen und das scheint prächtig zu funktionieren.

Das Backpacker Quarter befindet sich im ersten Bezirk rund um die Bui Vien Straße – Zentrum des belebtesten Viertel Sai gons. Im ganzen Land spielt sich das Leben auf der Straße ab. Dort werden Hausübungen gemacht und Freunde getroffen, Fleisch und Gemüse verarbeitet und gehandelt. Außerdem wird natürlich gegessen, getrunken und gefeiert. Und weil das so ist, wird der Gehsteig der Bui Vien abends mit Pölstern und kleinen Beistelltischen bedeckt, sodass alle dicht gedrängt auf dem Gehsteig sitzen. Man kommt schnell ins Gespräch und ehe man sich versieht, sitzt man in einer sechsköpfigen Runde zusammen und prostet seinen neuen Kumpanen mit einem kühlen Bia Sai gon zu.

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Foto: (c) Olga Fasbender

Tipp 2: Quad fahren in den weißen Sanddünen Mui Nes
Mui Ne liegt knappe 250 Kilometer nördlich von Saigon und gilt als Suferparadies und Partystadt. Einst ein einsamer Sandstreifen mit kleinem Fischerdorf, hat sich Mui Ne innerhalb der letzten Jahre zu einem aufstrebenden Tourismusgebiet entwickelt. Im Gegensatz zum Rest des Landes fällt während der Regenzeit (Juni bis September) kaum Niederschlag. Dieses besondere Mikroklima verdankt die Region den umliegenden Sanddünen. Um zu den beliebten roten und weißen Sanddünen zu gelangen, braucht man einen Geländewagen – am besten mit Fahrer. Dabei sollte man schon im Vorhinein eine genaue Route vereinbaren, da die Guides bekannt dafür sind gerne mal Stopps auszulassen um früher zurück zu sein.

Das Highlight des Ausflugs wartet in den weißen Sanddünen, wo Quads verliehen werden (etwa $10 für 20 Min). Mit ein bisschen Glück und gutem Timing kann man alleine über die endlosen Dünen flitzen. Am Rand davon liegt ein See, umgeben von einer grünen Sumpflandschaft. Während der Stopps bleibt genug Zeit, um die einzigartige Umgebung zu erkundigen.

Tipp 3: Kajak fahren in der Halong-Bucht
Die Halong-Bucht liegt ungefähr 150 Kilometer östlich von Hanoi und ist ein rund 1500 Quadratkilometer großes Gebiet in einem Ausläufer des Südchinesischen Meeres. In dem Golf ragen knappe 2000 Kalkfelsen teils hunderte Meter hoch aus dem Wasser. 1994 ernannte die UNESCO das Becken zum Weltkulturerbe. Die Bucht gehört eindeutig zu den Plätzen, die man ein Mal in seinem Leben gesehen haben muss. Auf eigene Faust dorthin zu gelangen ist sehr schwierig und mühsam. In Hanoi gibt es aber viele Reiseagenturen, die zwei- bis dreitägige Touren zur Ha Long Bay anbieten. Dabei sollte man – vorallem bei Schlechtwetter – nicht die billigste Alternative wählen.

Nach der Ankunft am Hafen wird man an Bord eines traditionellen Schiffes gebracht und schon kann es los gehen. Langsam nähert man sich der gewaltigen Bucht. Das Erstaunliche ist, dass die Felsen grün sind – also von Pflanzen bewachsen. Auf den Großen haben sich sogar regelrechte Dschungel gebildet. Während das Boot immer weiter in die Bucht eindringt, kann man am Deck entspannen und den fantastischen Ausblick genießen. Abends wird an einem ruhigen Platz angelegt und die Nacht am Wasser verbacht. Der nächste Tag beginnt sehr früh. Nach Sonnenaufgang beginnt nämlich die Kajaktour. Aus dem Paddelboot wirkt das Panorama noch beeindruckender und am Ende bleibt genug um nahegelegene Höhlen zu bestaunen oder schwimmen zu gehen.

Foto: (c) Olga Fasbender

Foto: (c) Olga Fasbender

Tipp 4: Wandern mit H´mong Frauen in Sa pa – Nur keine falsche Scheu!
Sa pa liegt knapp an der chinesischen Grenze auf 1600 Höhenmeter. Im idyllischen Bergdorf angekommen, wird man nach kürzester Zeit von den einheimischen H´mong Frauen angesprochen: „Wanna buy something? Buy from me! Good and cheap!“. Die geflochtenen Körbe, die am Rücken getragen werden, sind prall gefüllt mit allerlei selbstgefertigten Taschen und Schmuck. Auf die zaghafte Antwort „No, thank you. Maybe later.“ entgegnen die jungen Frauen lauthals „Maybe sure!“. Nach langem Hin und Her und um zwei bis drei Armbändchen reicher, kann man sich auf die Suche nach der Unterkunft machen. Spätestens an der nächsten Straßenecke begegnet man jedoch einer neuen Gruppe. Nach anfänglicher Scheu wird der Umgang mit jedem Gespräch lockerer und spaßiger.

Oft bekommt man nach einer Weile eine geführte Tour in die Berge angeboten und wenn man es schafft, sich darauf einzulassen, erwartet einen ein wundervolles Erlebnis. Morgens gegen 9 Uhr starten unzählige Grüppchen von H´mong Frauen und Kindern mit Touristen im Schlepptau von der Kirche des Dorfes gen Gipfel. Der Aufstieg ist beschwerlich, doch das Panorama unbezahlbar. Schimmernde Reisfelder bedecken die emporragenden Berge, durch die sich der kleine Wanderweg schlängelt. Nach der Wanderung laden die Frauen oft zu einem gemütlichen Mittagessen in den eigenen vier Wänden. Während die Älteren kochen, lernt man den Rest der großen Familie kennen und wird schnell in deren Gemeindschaft aufgenommen. Die süßen Kinder spielen ausgelassen mit den Gästen. Zum leckeren Essen wird schließlich „Happy Water“ getrunken. Reisschnaps – was sonst?

Tipp 5: Zug fahren
Der Wiedervereinigunugsexpress bahnt sich mit absurd langsamer Geschwindigkeit seinen Weg von Sai gon durch die atemberaubende Landschaft Vietnams. Das Ziel lautet Hanoi – Hauptstadt des Landes. Malerische Reisfelder, smaragdgrüne Berge und schimmernde Seen werden mit etwa 50 km/h passiert. Die Abteile sind dank Aircondition, die in Vietnam längst Standard ist, angenehm kühl. In den stickigen und engen Gängen erfüllt hingegen Zigarettenqualm die Luft. Eine pünktliche Ankunft steht wegen der langsamen Geschwindigkeit und der zahllosen Stopps von Anfang an außer Frage. In einigen Fällen kann das sogar von Vorteil sein: bei einer geplanten Ankunft von 3 Uhr morgens freut man sich über 1 bis 2 Stunden mehr Schlaf als gedacht.

Wer ganz authentisches Zugfahren erleben will, sollte einen der beiden täglich fahrenden TN-Züge nehmen. Sie sind die mit Abstand langsamsten und ungemütlichsten Züge des Landes, haben aber gleichzeitig einen so großen Charme, dass es Spaß macht. Außerdem sind sie sehr billig und deshalb bei den Einheimischen beliebt. Mit wem man sich die Kabine des sogenannten „hard sleeper“-Wagons teilt, hängt vom Glück ab – mal sind es rülpsende Männer, mal eine Großfamilie. Die Menschen sind aber sehr freundlich und plaudern gerne.

3 Dinge, die man nicht tun soll
1. Ins Ho-Chi-Minh Mausoleum gehen
Wer in Hanoi ist, hört unweigerlich irgendwann vom Ho-Chi-Minh Mausoleum. Um den vietnamesischen Politiker und Revolutionär Ho Chi Minh herrscht ein Personenkult, der seinesgleichen sucht. Das Mausoleum hat bloß fünf Tage die Woche von acht bis elf Uhr morgens geöffnet. Vor dem streng bewachten Gelände warten so viele Menschen wie bei einem Fußball-Weltmeisterschaftsfinale. Nach geschlagenen eineinhalb Stunden Wartezeit und drei Kontrollen darf man endlich das ehrwürdige Gebäude betreten. Nach einem kurzen Blick auf den (entgegen seinen Willen) aufgebarten und einbalsamierten Leichnam des einstigen Machthabers war’s das auch schon.

Foto: (c) Olga Fasbender

Foto: (c) Olga Fasbender

2. Vom Verkehr einschüchtern lassen
Vietnamesische Staßen haben ein ganz besonderes Flair. Die Bürgersteige sind in der Regel nicht begehbar. Dadurch müssen sich die Fußgänger durch Massen von Mopeds am Straßenrand schlängeln. Das funktioniert auch eigentlich ganz gut – bis man vor der ersten Kreuzung steht. Hier halten Fahrzeuge nämlich nicht. Ampeln gibt es kaum und wenn man das seltene Glück hat, macht das auch keinen Unterschied. Hier heißt es sich ein Herz zu fassen und einfach langsam loszugehen – die Motorräder binden Fußgänger überraschend gut in den Verkehr ein und schlängeln sich um die Passanten herum.

3. Sachen unbeaufsichtigt lassen
Die Tasche lässig an einer Schulter hängend durch die bekannte Bui Vien zu schlendern, kann ein böses Ende nehmen. Der Raub passiert innerhalb weniger Sekunden: ein Motorrad nähert sich und während der Fahrer dem Fußgänger einen harten Stoß in den Rücken versetzt, zerschneidet der Beifahrer blitzschnell den Träger der Tasche. Es bleibt einem nichts anderes übrig als perplex dem davon eilenden Moped nachzusehen. Leider ist das kein Einzelfall. In ganz Vietnam sollte man seine Sachen immer gut im Auge behalten. Ratsam ist auch die Tasche durch einen Rucksack zu ersetzten – das erschwert den Dieben ihr Handwerk. Es mag zwar nicht besonders hip sein, doch Bauchtaschen sind gewöhnlich der sicherste Aufbewahrungsort für Wertgegenstände.

3 Insidertipps

Foto: (c) Philipp Liebisch

Foto: (c) Philipp Liebisch

1. Pho Bat Dan in Hanoi
Vietnamesen sind Frühaufsteher. Um spätestens 7 Uhr drängen sich die Menschen zu den Staßenständen und warten in langen Schlangen vor den Pho Küchen. Pho Bo ist das traditionelle vietnamesische Frühstück und eine wahre Delikatesse. Es ist eine kräfige Brühe, die über mehrere Stunden mit Rinderknochen, Schalotten, Fischsoße und Gewürzen eingekocht wird. Anschließend werden frische Zutaten wie Reisnudeln, Rindfleisch, Chilli, Zwiebel und Petersilie hinzugefügt. Geschmacklich erinnert Pho ein wenig an einen Wiener Tafelspitz.

Bei Einheimischen längst kein Geheimtipp mehr ist das Pho Bat Dan in Hanoi – der kulinarischen Hochburg Vietnams. Schon von weitem sieht man eine meterlange Schlange von Vietnamesen, die am Straßenrand auf ihr Frühstück warten. Nach etwa 20 Minuten bekommt man einen üppigen Teller Pho für umgerechnet knappe $2,50 an der Theke gereicht. Danach kann man an einem der großen Holztische im Inneren oder direkt an der Staße Platz nehmen und das wohl beste Pho Vietnams genießen. Auch Morgenmuffel sollten sich diese Köstlichkeit nicht entgehen lassen.

2. Nachtleben Hanoi – Lighthouse
Nord- und Süvietnamesen unterscheiden sich erstaunlich in Mentalität und Lebensgefühl. Während der Norden als genügsam und zurückhaltend gilt, wird dem Süden ein verschwenderisches und sorgloses Leben nachgesagt. Wem in Hanoi um ein Uhr nachts noch nach feiern zumute ist, merkt das sofort, denn hier schließt alles pünklich um Mitternacht. Clubs und Bars werden mit Rollläden dicht gemacht. Die Stadt wirkt wie verlassen. Für alle übrig gebliebenen Feierwütigen gibt es dennoch einen Anlaufort: das Lighthouse. Der Club liegt ein wenig außerhalb der Altstadt, lässt sich aber leicht finden, weil fast jeder Nachtschwärmer die Adresse kennt. Die umfunktionierte Lagerhalle ist heruntergekommen und von überraschend guter elektronischer Musik erfüllt. Gegen zwei Uhr ist sie bis zum Platzen gefüllt – einer verrückten Partynacht steht nichts mehr im Wege!

3. Schneidereien in Hoi An
Hoi An ist die wohl stimungvollste und romantischste Stadt Vietnams. Einst bedeutender Hafen und Schmelztiegel verschiedenster Kulturen, hat sie ihren Glanz bewahrt und bezaubert durch eine besondere Atmosphäre. In der Altstadt reiht sich eine Schneiderei an die Nächste. Es lohnt sich Preise und Qualität zu vergleichen, da große Unterschiede bestehen. In den qualitativ hochwertigen Schneiderein kann man beispielsweise Kleider für $25 und Sakkos für $50 maßanfertigen lassen und innerhalb von 24 Stunden fertig abholen.

Titelbild: (c) Olga Fasbender

philipp.liebisch@mokant.at'
Philipp Liebisch ist als Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: philipp.liebisch@mokant.at

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