Reiseguide: Hongkong

(c) Pasu Au Yeung

Der harmonische Zusammenprall von östlicher Vielfältigkeit und westlicher Ordnung, chinesischer Tradition und globalisierter Hypermoderne, von den günstigsten Straßenrestaurants und der höchsten Bar der Welt: All das und noch viel mehr ist Hongkong.

Wer nach Hongkong kommt, ist mit Sicherheit nicht auf einem Wellness- und Entspannungstrip. Die Sonderverwaltungszone Chinas ist einer der am engsten besiedelten Plätze unserer Erde. Doch mit dieser Dichte an Menschen kommt nicht nur eine Menge Lärm und Gewusel, sondern vor allem auch eine Vielfalt an Kultur, kulinarischen Erlebnissen und bilderbuchähnlichen Szenerien, die einem dem Atem rauben. Hongkong ist sehr beschäftigt, schnelllebig, modern und chaotisch. Entspannend ist es hier nicht – spannend allerdings ziemlich.

Tipp 1: Platzangst ausschalten
Hongkong ist überlaufen. Und das überall, um jede Tages- und Nachtzeit. Wer Probleme damit hat, ungewollt auf Tuchfühlung mit Fremden zu gehen, sollte definitiv alle öffentlichen Nahverkehrsmittel meiden und auf die, ausgesprochen günstigen, Taxis umsteigen. Das Nahverkehrssystem in Hongkong ist allerdings wahnsinnig ausgeklügelt und gilt als eines der besten der Welt – man kommt also fast nicht daran vorbei. Außerdem sind die Fahrten mit dem Bus oder der weltberühmten Doppeldeckertram aufgrund der Kulisse schon ein Erlebnis für sich.

Tipp 2: Skyline aus allen Blickwinkeln begutachten
Hongkong hat die wahrscheinlich atemberaubendste Skyline der Welt. Die Gründe dafür sind recht einfach: Hongkong hat eine stetig wachsende, immense Zahl an Bewohnern und gleichzeitig ein vergleichsweiße winziges Gebiet zur Verfügung. Nahezu alle Gebäude der Stadt sind also gigantische Hochhäuser. Verfeinert wird das Ganze durch die Prachtbauten der großen Banken und Wirtschaftsunternehmen, das Convention and Exhibition Center sowie das Meer zwischen Hongkong Island und Kowloon. Dadurch ergeben sich, sollte die Luft nicht zu verschmutzt sein, aus zahlreichen Blickwinkel noch zahlreichere Perspektiven auf die Skyline. Da sowohl auf der Insel- als auch auf der Festlandseite nie enden wollende Hochhausschluchten existieren, lohnt sich also mehr als nur ein Blick auf die Skyline. Zum Beispiel vom Peak, der Spitze Hongkong Islands, vom Tsim Sha Tsui Habour, der Bucht der Festlandseite sowie von der Star Ferry (Budget Option) bzw. der Aqua Luna Dschunke (Luxus Option) zwischen beiden Häfen. Wer bereit ist umgerechnet 10 Euro für ein kleines Bier zu zahlen, sollte sich auch den Blick aus der Ozone Bar, der im 118. Stock des International Commerce Center liegenden, höchsten Bar der Welt, nicht entgehen lassen.

Tipp 3: Sonntags ins Grüne!
Kein Mensch, der halbwegs bei Verstand ist schmeißt sich Sonntags in die unendlichen Menschenmassen der Stadt. Da dies der einzige freie Tag für all die philippinischen und indonesischen Haushaltshelfer ist, überfluten diese jeden freien Platz und machen jede Straße zum Park. Da Hongkong aber entgegen der allgemeinen Erwartungen nicht nur Hochhäuser und Menschenmassen sondern auch Natur zu bieten hat, ist das überhaupt kein Problem. Es empfiehlt es sich an diesen Tagen zum Surfen an die Big Wave Bay, zu einer Sonnenuntergangswanderung auf Lantau Island oder zum Bummeln auf die autofreie Inseln Cheung Chau mit ihrem in der Zeit stehen gebliebenen Fischerdörfchen auszuweichen. Das kann man alles übrigens auch an anderen Tagen machen.

Tipp 4: Eine Nacht abschalten und das Nachtleben in vollen Zügen genießen
Hongkong schläft nicht. Die Neonlichter der Stadt sorgen sogar manchmal dafür, dass die Stadt nachts heller wirkt als tagsüber. Das heißt natürlich auch, dass die Straßen in der Nacht genau so voll sind. Und das ist die beste Möglichkeit, sich einfach mal mit dem Strom in die kleinen Indieclubs, die internationalen Bars oder auch die etwas schickeren Tanzgeschäfte ziehen zu lassen. Mittwochs beginnt man mit den ersten Tsingtao-Bier beim Pferderennen in Happy Valley, bevor es einen zu Livebands in das Vergnügungsviertel Wan Chai zieht. Am Wochenende kommt man nicht an Lan Kwai Fong (LKF) vorbei. Es ist definitiv eines der dichtesten und vollsten Partyviertel der Welt. Auf einer Fläche von drei Fußballfeldern erstrecken sich geschätzte 50 Clubs und noch mal doppelt so viele Bars. Da diese so eng beieinander liegen, ergibt sich eine ameisenhaufenartige Szenerie einer Feiergesellschaft, die sich durch alle Schichten, Nationen und Altersgruppen zieht. Das enge Beisammensein auf den Straßen LKFs führt jedes Wochenende zu einer festival-ähnlichen, feucht-fröhlich-ausgelassenen Atmosphäre. Sollte man unbedingt erlebt haben.

Tipp 5: Essen, essen, essen
Es lohnt sich in Hongkong schlicht und ergreifend überhaupt nicht selbst zu kochen – finanziell und ganz zu schweigen vom geschmacklichen Aspekt. Von Dim Sum über Hot Pot hin zu allen erdenklich Formen von Fleisch- und Gemüsespießen sollte definitiv alles ausprobiert werden. Die unscheinbaren, einfachen Restaurants in den kleinen Zwischenstraßen sollten dabei grundsätzlich den touristischen und vergleichsweise teuren Restaurants in den Hauptstraßen vorgezogen werden. Diese haben zwar manchmal keine englische Karte, aber die Mitarbeiter freuen sich um so mehr, wenn man mal nachfragt und es ist in Hongkong auch problemlos möglich einfach mal drauf los zu bestellen. Vom günstigsten Michelin-Stern-Restaurant der Welt Tim Ho Wan, über die ganze Bandbreite der (un-)gewöhnlichen asiatischen Küche hin zu unzähligen kleinen Restaurants mit ihren kleinen Spezialitäten ist für jeden immer irgendetwas dabei. Wer in Hongkong ist, sollte deshalb so viel ausprobieren, wie es geht. Das Hongkonger Netzwerk Openrice.com hilft dabei immer das zur aktuellen Hunger-Gemütslage passende Restaurant in der Nähe zu finden.

Tipp 6: Märkte, Tempel, Schlaf?
Vor allem auf Kowloon gibt es einige Märkte. Die Bandbreite spielt sich hier irgendwo zwischen Vögel- und Blumenmärkten sowie dem wohl bekanntesten „Ladies Market“ ab. Letzterer bietet so ziemlich alles, was da Herz begehrt und sollte mit Sicherheit auf der To-Do-Liste stehen. Auch mit einigen Nachtmärkten kann Hongkong auftrumpfen. Wenn die Sonne untergeht treffen sich hier Geschäftsleute, Senioren, Hellseher, Familien und Touristen um zusammen die Vielzahl an lokalem Essen, Spielzeug, Schmuck oder Souvenirs zu genießen. Zwischen den vielen kleinen Überraschungen und den Düften der Hongkonger Küche lässt es sich herrlich flanieren.

Wenn der Trubel zu viel wird, findet man in den meisten Ecken der Stadt ruhige Tempel in denen man gut mal einen Moment Luft holen kann.
Tage in Hongkong können sehr anstrengend sein, man ist hier fast durchgehend auf den Beinen. Allerdings sind das diese Tage, an denen man mit ein wunderschönen Gefühl ins Bett fällt. Dem Gefühl am Puls der Zeit gewesen zu sein und den Stoff für Geschichten erlebt zu haben, die man dann daheim mit glänzenden Augen erzählt.

Hongkong schläft eben nicht – und als Besucher diese Stadt möchte man am liebsten auch nie schlafen gehen..

Drei Dinge die man nicht tun sollte:
1. Lichtershow Harmony of Lights
Die 15-minütige Lightshow jede Nacht um 8 Uhr gehört eher zu den enttäuschenderen Seiten Hongkongs. Sie ist der unglaublichen Skyline in Hongkong überhaupt nicht gewachsen und scheint einfach nur unausgereift und langweilig. Sicher ist trotzdem; man kann sich an dieser Skyline einfach nicht satt sehen – aber lieber zu anderen Zeiten.

2. Airportexpress in die Stadt
Wie in so vielen Städten ist der Airportexpress einfach nur überteuert und unnötig. Mit dem Bus braucht man anstatt 25 Minuten zwar 50, allerdings ist die Anfahrt auf Hongkong ein Erlebnis für sich. Durch Dschungel und Natur direkt auf eine der architektonischen Meisterwerke unserer Zeit zuzusteuern, das sollte man gesehen haben. Wenn man mit mehr als drei Leuten unterwegs ist, ist übrigens sogar das Taxi noch billiger als der Bus.

3. Die Stadt verschmutzen
Hongkong mag vielleicht an der ein oder anderen Ecke durch die vielen Restaurants und chinesischen Medizinläden eine etwas eigene Geruchswelt darbieten, eines ist Hongkong aber nicht: Schmutzig. Die Gründe dafür sind die grundsätzliche Ordentlichkeit der Hongkonger und die Recht hohen Strafen für Kaugummi, Kippenstummel oder Spucken auf der Straße. Gar nicht erst versuchen, Polizisten stehen oft unbemerkt an der Ecke. Außerdem bietet Hongkong eine enorme Mülleimerdichte. Also einfach ein guter Gast sein und die Stadt sauber halten.

Drei Insidertipps:
1. Sofort die Octopuskarte besorgen
Die Octupuskarte, welche ursprünglich nur als Chipkarte zum Bezahlen für den öffentlichen Nahverkehr gedacht war, ist in Hongkong zum universellen Bezahlinstrument geworden. 7-Eleven, Taxis, Restaurants und Getränkeautomaten sind nur einige der Möglichkeiten heutzutage mit Octopus zu bezahlen. Sehr praktisch und hilft gegen zu viel Kleingeld.

2. Einfach mal verlaufen
Hongkong hat so viele interessante Ecken, Gassen und Plätze, dass man hier nicht alles im Voraus planen muss. Also einfach zum Beispiel mal mit der Tram fahren und aussteigen, wenn es einem gefällt. Spannende Orte und gutes Essen sind überall garantiert.

3. Zur richtigen Zeit kommen
Wer Probleme mit tropischen Temperaturen hat, sollte lieber nicht in den Sommermonaten Juli und August in Hongkong verweilen. Die Woche um chinesischen Neujahr ist auch eher ungeschickt, da zu dieser Zeit die ganze Stadt quasi geschlossen hat. Außerdem gibt es für Interessierte zahlreiche andere Festivals und Feiertage, an denen man Feuerwerke oder traditionelle Riten wie den Drachentanz bestaunen kann. Also immer vorher informieren, ob die geplante Zeit auch zu den Erwartungen passt.

Titelbild: flickr.com/photos/studiokanu

 


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Niklas Melcher ist Student der Kommunikationswissenschaften. Als Liebhaber Ostasiens, Fußballenthusiast und Nachtschwärmer schreibt er regelmäßig für mokant.at. Kontakt: niklas.melcher[at]mokant.at

3 Comments

  1. jascha@mails4u.net'

    Jascha

    5. August 2014 at 11:24

    Mal wieder ein gelungener und schöner Artikel über eine Stadt, die sicher für viele andere nicht so einfach in Worte zu fassen ist. Mit Niklas Melcher hat man da einen sehr qualifizierten Redakteur gewonnen, dessen Tipps für Leute wie mich, die sich irgendwann mal nach Hong Kong getrauen wollen, unentbehrlich sind.

  2. Korczak1@web.de'

    Alex

    5. August 2014 at 13:23

    Sehr feiner Artikel von jemanden, der sich in Hongkong auskennt. Kenne keinen zweiten der Hongkong so liebt wie du, Niklas! Weiter so, vllt. sieht man sich eines Tages wieder in HK ;). Beste Grüße aus dem Schwabenland! P.S.: Dank dir fühl ich mich nun nicht mehr ganz so schlecht, es in 5 Monaten nicht zur Light Show geschafft zu haben!

  3. a11647398@unet.univie.ac.at'

    lara

    6. August 2014 at 12:12

    schöner artikel

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