KopfhörerInnen: To Rococo Rot – Instrument

To Rococo Rot – Instrument
(VÖ: 18.07.2014 – City Slang)

(c) Kronowetter.at

(c) Kronowetter.at

Von vorne wie von hinten: to rococo rot. Am 18. Juli bringt das Berliner Trio, welches es schon zu internationaler Anerkennung geschafft hat, deren mittlerweile achtes Album mit dem schlichten Namen instrument auf den Markt. Die Bandbreite verteilt sich irgendwo zwischen Ambient, Elektronik, experimentellem Sound, Indie und Post-Rock. Es ist ein kleiner Großstadtsoundtrack; verschwommen, durcheinander aber wenn man einen Schritt zurück geht irgendwie doch sehr überschaubar.

Instrument ist minimalistische Musik zum Träumen. Es sind Klangteppiche aus unzähligen Instrumenten(!) und Instrumentabwandlungen, Synthesizern und sicherlich auch teilweise zufällig zustande gekommenen Geräuschkulissen. Sehr lebendig, sehr unperfekt aber gerade deswegen auch sehr nah und persönlich.

Die Titel wirken teilweise wie musikalische Tollpatschigkeit, allerdings durchaus im positiven Sinne. Besides zum Beispiel scheint sehr unachtsam und spielt dadurch ein wenig mit dem Gefühl des Fernwehs. Dieser Song untermalt herrlich die Emotionen, im Flugzeug zu sitzen während die Endorphine Achterbahn fahren, die Wolken zu beobachten und bald weit, weit weg zu sein. Instrument stellt auch eine Reihe von Songs dar, die eine perfekte Untermalung für Indie-Filme sein könnten oder wie Down in the traffic sogar hervorragend in den nächsten Tarantino-Streifen als Bad Guy Jingle passen würden.

Classify mit Arto Lindsay hingegen birgt eine leicht-erotische, anzügliche Atmosphäre und eignet sich perfekt für lange Nächte in Zweisamkeit bei Rotwein. Ähnliche Stimmungen bergen alle Songs, bei denen Arto Lindsay dafür sorgt, dass seine Vocals die sonst ausschließlich instrumentellen Songs von to rococo rot verzieren. Die unaufgeregte und beruhigende Stimme Lindsays harmoniert ausgesprochen gut mit den experimentell-verträumten Melodien. Man wünscht sich irgendwie, dass er nicht nur bei 3 der 10 Songs teilhat, sondern, dass diese Kombination sich über das ganze Album zieht. Baritone und Gitter wären noch ausgereifter und melancholischer geworden, wenn Lindsay auch seinen Anteil daran gehabt hätte.

Das Album bietet insgesamt sehr viel Raum dazu, sich in der Musik zu verlieren. Zeitweise wirkt die Musik allerdings leider etwas behäbig. Sie scheint dann zu gezwungen experimentell, verliert ihre labyrinthhafte Ordnung und hört sich ziemlich chaotisch an. So etwa der viel zu durcheinander geratene Track Pro Model. Die Glücksmomente überwiegen trotzdem großteils. Viele Songs bieten den perfekten Soundtrack dazu, sich Nachts in den Großstädten dieser Welt zu verlaufen, sich in den Lichtern zu verlieren und sich selbst ein bisschen wieder zu finden. Ein komplettes Projekt von to rococo rot gemeinsam mit Arto Lindsay könnte sicherlich ein Meilenstein zwischen all den Genres sein, in die man sie eigentlich gar nicht einordnen möchte. So ist es „nur“ ein ganz nettes Hintergrundalbum für verträumte Tage.

 

Niklas Melcher ist Student der Kommunikationswissenschaften. Als Liebhaber Ostasiens, Fußballenthusiast und Nachtschwärmer schreibt er regelmäßig für mokant.at. Kontakt: niklas.melcher[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.