Ausstellung: Der Wiener (Street-)Stil

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Fashion Blogger Jean-Claude Mpassy und Fotograf Stefan Joham haben sich zusammengetan um die modischen Zuckerseiten von Wien näher zu betrachten. Was sie dabei entdeckt haben, gibt es bei ihrer Ausstellung „Streetstyle goes Vienna“ im Sneak In zu sehen.

Betritt man den Raum, fühlt man sich wie auf einer lockeren Party – die Menschen trinken, plaudern, lachen. Nebenbei schauen sie sich ein Bild an, gehen weiter, nippen an ihrem Drink, schauen sich das nächste an. Die Kunstwerke stehen nicht im Zentrum, das Zusammenkommen der Menschen bei der Vernissage wird in den Vordergrund gerückt. Die Ausstellung besteht aus lediglich 12 Bildern: Qualität steht vor Quantität. Jedes einzelne Bild spricht Bände. Die modischen Highlights der Stadt wurden abgelichtet und zeigen den Gegensatz zum typischen konservativen Gesamtbild von Wien. Jedoch ist Wien dabei, sich modisch zu entwickeln und zu entfalten und das Gesamtbild zu verändern.

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(c) Stefan Joham

„Mir geht es um den sozialen Aspekt“
Wenn man sich die ausgestellten Streestyle-Fotografien ansieht, würde man diese anfangs nicht mit Wien und der eher schüchternen Modeszene assoziieren. Jedoch fällt einem nach genauerem Hinsehen auf, dass manche Elemente durchaus zum Wiener Stil passen und diesen auch definieren. Andere sind dafür eine Neuheit und ein Teil der ständigen modischen Entwicklung der Stadt. Manche Outfits sind eher schlicht, andere dafür umso ausgefallener: eine junge Blondine mit Snapback, schwarzer Lederjacke und Nike Sneakers, eine Dame mit lila Pelzjacke, Lederrock und einer Oversized Sonnenbrille sowie ein junger Mann in einem eleganten grauen Anzug mit gemusterter Krawatte sind unter den Motiven. Es ist kein eindeutiger Stil zu definieren, es ist aber offensichtlich, dass die Motive sehr bewusst gewählt wurden. „Mir geht es nicht nur um die Menschen und die Mode, die ich fotografiere, sondern auch um das Zusammenkommen von modischen Leuten. Mir geht es um den sozialen Aspekt“, erklärt Stefan. „Er sucht die Leute mehr nach Charakter aus und ich mehr nach modischem – die Leute, die wir fotografiert haben, sind durchaus modische Leute die sich was dabei denken, aber das sind auch starke Charaktere. Und das siehst du auch“, ergänzt sein Kollege Jean-Claude.

Bunte Mischung
Durch die gemischten Ethnien und Altersgruppen der Motive stellen die Kunstwerke die Stadt Wien als äußerst weltoffen und facettenreich dar. Sowohl Momentaufnahmen in Bewegung als auch Posen findet man in den Fotografien. Aufgelockert wird die Ausstellung durch einen kurzen Film, der stumm im Hintergrund in Dauerschleife läuft und das Making Of zu beschreiben scheint. Eine weitere Besonderheit der Ausstellung findet man in den Spiegeln zwischen den Bildern. Diese sollen möglicherweise dazu anregen, das eigene Outfit zu reflektieren und den Motiven gegenüberzustellen. „Jeder, der sich modisch kleidet, hat ja ein gewisses Selbstbewusstsein. Was wir machen wollten, war Wien wachzurütteln, dass sie sich etwas trauen“, erklärt Jean-Claude die Intention der Ausstellung. Die Bilder – sowie auch die Spiegel – regen durchaus zum Nachdenken an, sie dienen einerseits als Gegenüberstellung sowie als Inspiration.

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(c) Kiana Fathi

Präsent, aber nicht zu präsent
Die Location passt zum Stil der Ausstellung – minimalistisch, bodenständig, urban. Die Kunstwerke sind nicht gerahmt sondern einfache Poster, was sehr zum Thema passt. Sehr simpel – mit dem Zweck, die Bilder „einfach zugänglich für die Menschen zu machen“. Die Werke sind nun mal da, sie sind präsent, allerdings nicht zu präsent. Sie stechen nicht ins Auge, sind aber dennoch auf verschiedenste Arten einzigartig. Jede Fotografie wird von einem passenden Zitat aus der Mode- und Kunstwelt geschmückt. Die Outfits der fotografierten Wienerinnen und Wiener variieren genauso sehr wie die der Besucher. Es scheint, als ob die Besucher der Ausstellung ein Spiegelbild der Kunstwerke wären. Eine gelungene Ausstellung, die offensichtlich genau das richtige Publikum anzieht. Der Gedanke dahinter? „Wien taucht in europäischen Magazinen nie als Modestadt auf. Wir haben gesagt, wir fangen damit an – versuchen wir mal herauszufinden, wie der Wiener Stil aussieht. Das Ende haben wir noch nicht gefunden, aber wir sind auf der Suche.“

Die Ausstellung gibt es noch vier Wochen im Sneak In zu sehen.

Artikel von: Kiana Fathi
Titelbild: (c) instagram.com/stefanjoham

Links: http://newkissontheblog.com | http://www.stefanjoham.com

Kiana Fathi ist als Redakteurin für mokant.at tätig und studiert Publizistik an der Universität Wien. Kontakt: kiana.fathi@mokant.at

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