Fuckbuddies: Verlieben verboten

(c) Katharina Egg

Sie wälzen sich in den Betten wie Giacomo Casanova und Maria Magdalena, treffen sich zwei bis drei Mal pro Woche, gehen spazieren oder Abendessen und erzählen sich gegenseitig von ihren Problemen. Dennoch gibt es keinen Abschiedskuss. Warum? Weil es sich bei den beiden um kein Liebespaar, sondern um Fuckbuddies handelt.

Fuckbuddies sind gute Freunde, die miteinander schlafen. Nach außen hin wirkt es wie eine Beziehung. Nur eines fehlt: der Gedanke an die Ewigkeit. Beide wissen, dass die Bettgeschichte nur auf Zeit besteht und dass niemand den anderen binden will. Im Gegensatz zu Verliebten, die immerhin wenigstens zwei Wochen lang denken, dass sie gerade ihren zukünftigen Ehepartner kennengelernt haben.

Spätestens als Mila Kunis und Justin Timberlake im Film „Friends with Beneftis“ die Bettdecken teilten, verbreiteten sich die Fuckbuddys wie ein Lauffeuer. Es wird schon fast idealisiert, wenn jemand im Freundeskreis endlich einen gefunden hat. Tipps und Tricks wie man eine Fuck-Buddy-Beziehung führt, werden vergeben, wie früher Omas Kuchenrezepte. Denn Sex mit einem Fuckbuddy scheint leicht zu sein. Man kennt sich gut, vertraut sich und beschließt miteinander seinen Hormonhaushalt mit dem Austausch von Körpersäften ins Lot zu bringen. Ganz ohne Beziehungsstress. Was gibt’s besseres? Im Nullkommanichts entstehen Websiten wie fuckbuddy.com oder Flirtapps wie Tinder und Lovoo. Die Nachfrage ist da aber das Angebot steht noch im Wanken. Viele sind sich unsicher und stellen sich zurecht die Frage: Kann das auf Dauer funktionieren?

„Seine Wohnung konnte auf einmal nicht schnell genug da sein“
„Der Sex ist großartig mit ihr aber sie ist eine verdammte Zicke. Wären wir ein Paar würden wir uns sicher gegenseitig die Haare ausreißen, aber so ist es mir egal!“, meint Andreas, der bereits ein Jahr lang mit Nina eine Fuckbuddy-Beziehung führt. Sie kennen sich seit einigen Jahren und haben sich immer schon attraktiv gefunden. Eine Beziehung kam dennoch nie in Frage. „Es ist auf dem Nachhauseweg passiert, als wir beide viel zu viel Wein intus hatten. Er sah mich an. Ich sah ihn an und seine Wohnung konnte auf einmal nicht schnell genug da sein. Natürlich war es zunächst peinlich als wir vollkommen verkatert nebeneinander aufgewacht sind, aber wir haben uns dann ernsthaft die Frage gestellt, warum wir das nicht noch einmal machen sollten? Verliebt sind wir ja nicht und wir beide wollen einfach nur Sex.“, sagt Nina.

Die Argumente, dass frau eine Schlampe ist, wenn frau mit mehreren Männern Geschlechtsverkehr hat, scheinen (zum Glück) fast überflüssig geworden zu sein. Gerade in Städten nehmen sich die Frauen immer mehr was sie brauchen ohne Angst davor zu haben was Nachbars Mitzi über sie denkt. Sex wird von einem Tabuthema zu einem Gesprächsthema das sogar am Mittagstisch erwähnt wird (wenn man nicht gerade Zuhause mit den Eltern am Tisch sitzt, da wird es wohl eher fluchtartige Reaktionen auslösen).

„Es nagt schon sehr an den Gefühlen.“
Möchte man eine Fuckbuddy-Beziehung eingehen, gibt es dennoch eine Regel die man unbedingt befolgen sollte: auf keinen Fall verlieben. „Es nagt schon sehr an den Gefühlen.“, meint der 25-jährige Thomas. Vor einem Monat hat er seine Fuckbuddy-Beziehung zu Theresa beendet. Er hat sich in sie verliebt und damit war Schluss. „Die Gefühle waren irgendwann schwer für mich zu trennen. Es kann sein, dass ich es mir auch eingebildet habe, dass ich verliebt bin. Der intensive Körperkontakt verwirrt einen mit der Zeit einfach völlig. Als ich sie dann vermisst habe, mussten wir es beenden. Es hätte mich zu sehr verletzt, denn ich weiß, dass eine Beziehung niemals funktionieren wird.“

Der Trend Fuckbuddy und die damit aufkommenden Probleme, erinnern an die Frage, ob Männer und Frauen generell miteinander befreundet sein können. Ohne Hintergedanke. Laut Dr. Dieter Schmutzer, ein Wiener Sexualtherapeut, ist es schwer eine Freundschaft zwischen Männern und Frauen aufrecht zu erhalten, da sich meistens einer der beiden verliebt. Noch schwerer ist es natürlich, wenn Sex im Spiel ist.

„Am Anfang steht zwar die Freundschaft zwischen Mann und Frau, mit der Zeit aber greifen wir auf evolutionsbiologische Mechanismen zurück, so dass wir Gefühle entwickeln.“, meint  Dr. April Bleske-Rechek, eine US-amerikanische Wissenschaftlerin. Sie veröffentlichte im August 2012 ihre Studie: „Benefit or burden? Attraction in cross-sex friendships“.

„Irgendwann wollte ich eine Beziehung“
Aylin führte zwei Jahre lang eine Fuckbuddy-Beziehung mit Luis. Sie haben sich über Facebook kennengelernt. Nach langem Hin- und Her-schreiben kam es zu einem Treffen und für beide war klar: Sex Ja! Beziehung Nein!

„Bei uns gab es nie das Problem, dass wir uns ineinander verliebten. Es war eine wunderschöne, lustige Zeit. Wir haben zusammen Playstation gespielt, Serien gekuckt und eben miteinander geschlafen. Ganz ohne Zwänge und vor allem Streiterei. Wenn er eine andere im Bett hatte, war das egal für mich und umgekehrt. Aber irgendwann wollte ich einfach wieder eine Beziehung, dann beendete ich es.“, meint Aylin und deutet glücklich auf ihren Ehering.

Titelbild: (c) Katharina Egg

Jennifer Tillmann ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Sie studiert Germanistik und Publizistik an der Universität Wien. Kontakt: jennifer.tillmann[at]mokant.at

1 Comment

  1. angelina.d@gmx.net'

    Anja

    8. Dezember 2015 at 14:36

    Also wenn man schon einen mittelmäßigen Artikel über Sexbeziehungen schreibt, dann sollte man sich vielleicht auch im klaren sein ob man traditionellen Paarbeziehungen zynisch begegnet („Im Gegensatz zu Verliebten, die immerhin wenigstens zwei Wochen lang denken, dass sie gerade ihren zukünftigen Ehepartner kennengelernt haben.“) oder sie romantisiert („…und deutet glücklich auf ihren Ehering.“)
    Mal ganz abgesehen von diesem schauderhaften Absatz: „Die Argumente, dass frau eine Schlampe ist, wenn frau mit mehreren Männern Geschlechtsverkehr hat, scheinen (zum Glück) fast [sic!]] überflüssig geworden zu sein. Gerade in Städten nehmen sich die Frauen immer mehr was sie brauchen ohne Angst davor zu haben was Nachbars Mitzi über sie denkt…“
    Ich könnte kotzen. Hast du da nicht drüber nachgedacht bevor du das geschrieben hast oder siehst du das wirklich so, Jennifer?

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