Straßenmusiker: „Ich lebe meinen Traum“

In Taiwan war Kimman Wong am besten Weg ein Popstar zu werden, wenig später stand er kurz vor dem Selbstmord – heute reist er als Straßenmusiker durch die Welt.

Später Nachmittag auf der Wiener Mariahilfer Straße. Alles ist in Bewegung. Kaum jemand hat Zeit stehenzubleiben. Nur an einer Stelle stocken die Menschenmassen. Am Gehsteig steht ein Mann asiatischer Herkunft mit seiner Gitarre und singt. Wenn man nur eine Sekunde hinhört, merkt man sofort, dass das kein normaler Straßenmusiker ist, der versucht irgendwie über die Runden zu kommen. Viel zu gepflegt ist sein Äußeres, viel zu außergewöhnlich sein Gesang. Man kann fast nicht anders, als zumindest kurz stehenzubleiben und für ein paar Sekunden der gewaltigen Stimme zuzuhören. Die Stimme ist aber nicht das einzige Bemerkenswerte, das der Musiker zu bieten hat. Seine Geschichte steht seinen gesanglichen Fähigkeiten um nichts nach.

 

Alleine durch die Welt
Der Name des Mannes ist Kimman Wong. Er ist dreißig Jahre alt und ursprünglich aus Hong Kong. Seine Musik ist sein Leben, wie er selbst sagt. Nur mit seiner Gitarre, einem Verstärker, einem Rucksack und einer großen Tasche im Gepäck reist er ganz alleine durch die Welt. Sein Leben finanziert Kimman mit Straßenmusik. Nicht weil er muss, sondern weil er will. Reich wird er damit nicht werden, aber er kommt gut durch. Er bleibt überall nur so lange, wie er Lust hat oder bis er genug Geld zusammengespielt hat um weiterzuziehen. Schon morgen geht es für ihn nach London. Wo es ihn danach hinzieht, weiß er noch nicht. „Ich plane nicht gerne zu weit im Voraus“, erzählt er. Wenn er in eine neue Stadt kommt, schläft er entweder bei Freunden, die er über das Internet oder bei einem vorherigen Besuch kennengelernt hat, in einem Motel oder organisiert sich über „Couchsurfing“ eine Unterkunft.

Am Weg zum Star
Kimman liebt was er tut. Einen normalen Job kann er sich nicht vorstellen: „Das wäre langweilig. Ich lebe meinen Traum und es macht mich glücklich.“ Dabei hätte sein Leben auch ganz anders verlaufen können. Zu singen begann er im Kirchenchor, dann sang er in Coffee-Shops oder auf Hochzeiten. 2007 nahm er in Taiwan an der TV-Show „Super Idol“ teil und war am besten Weg ein Popstar in der Heimat zu werden. Er schaffte es unter die letzten 18 Teilnehmer und hatte mehrere Auftritte im nationalen Fernsehen. In den folgenden Jahren versuchte er sein Glück auch noch bei weiteren TV-Shows. „Ich bin nicht wirklich berühmt. Aber es gibt doch einige Leute, die sich dafür interessieren, was ich mache“, meint er dazu bescheiden. So unbeschwert war sein Leben aber nicht immer.

„Keinen Sinn mehr im Leben“
Seinen Vater hat Kimman nie kennengelernt. Im August 2009 nahm sich seine Mutter das Leben. Für Kimman war das nur schwer zu verkraften. „Ich habe keinen Sinn mehr im Leben gesehen. Ich habe nicht verstanden, warum mein Vater wegging und meine Mutter sich umbrachte“, erzählt er. „Ich war kurz davor von einem Hochhaus in Hong Kong zu springen. Ich habe es nur nicht getan, weil ich das meinen jüngeren Geschwistern und meinen Großeltern nicht antun wollte“, berichtet er weiter. Seinen neuen Sinn im Leben fand er zu jener Zeit in Gott und ist seither in einer christlichen Jugendorganisation tätig. Später, bei einer Reise nach Australien, entdeckte er seine Liebe zur Straßenmusik und kam nicht mehr von ihr los: „Ich habe von Anfang an tolles Feedback bekommen und das hat mich ermutigt weiterzumachen.“

„Noch ein oder zwei Jahre“
Zwischen seinen Reisen kehrt Kimman aber auch immer wieder in seine Heimat nach Hong Kong zurück. Für gewöhnlich ist er etwa zwei Monate zuhause und reist dann wieder zwei Monate durch die Welt. „Zuhause spiele ich aber meist nicht auf der Straße, sondern in Bars und Restaurants“, erzählt er lächelnd. Er hat auch ein eigenes Album, aber wenn er herumreist, spielt er hauptsächlich Cover-Songs, denn die „kommen auf der Straße besser an. Vor allem weil die meisten meiner eigenen Songs auf Mandarin sind.“ So viel Spaß es ihm auch macht, ewig will er so trotzdem nicht weitermachen: „Ich mache das vielleicht noch ein oder zwei Jahre, danach will ich irgendwo bleiben. Aber ich weiß noch nicht wo.“

Titelbild: (c) Kimman Wong

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

2 Comments

  1. mail@buskin-chris.com'

    Lejeune

    17. Juni 2014 at 11:58

    „Viel zu gepflegt war sein Aüßeres?“ Sie halten Straßemusiker nicht etw für Penner die ansonsten versifft gekleidet spielen? Irgendeier muss ja die Klischees plegen.

    • stefan.meyer890312@aon.at'

      Stefan

      17. Juni 2014 at 13:45

      Naja, ich weiß nicht wie das bei Ihnen ist, aber in Wien sind die meisten, die sich auf der Straße musikalisch betätigen, tatsächlich nicht unbedingt vom Reichtum gesegnet.

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