Frauenwehrdienst: Von der Pflicht zur Kür

nner ssen – Frauen dürfen. Seit 1998 sind Frauen freiwillig im Bundesheer an der Waffe. Für Staatsbürger gilt die Wehrpflicht, für Staatsbürgerinnen bleibt sie ein Tabu.

Frauen können sich freiwillig zum Militär melden. Das Bundesheer wirbt auf seiner Homepage: „Sie sind bereit, Herausforderungen im In- und Ausland anzunehmen? Sie suchen einen Job, bei dem Sie viel im Freien unterwegs sind? Dann ist der Beruf als Soldatin genau das Richtige für Sie!“. Junge Frauen werden aber nicht zur Stellung einberufen – im Gegensatz zu Männern. Das regelt in Österreich der Artikel 9a in der Bundesverfassung. Für die Einführung einer Frauen-Wehrpflicht bräuchte es eine Zwei-Drittel Mehrheit im Parlament. Eine parlamentarische Entscheidung, wie sie in Norwegen gefällt wurde.

Norwegische Pflicht
2013 wurde im skandinavischen Land die Frauen-Wehrpflicht beschlossen. „Das war eine politische Entscheidung, unterstützt von den Streitkräften“, sagt Frode Faeravaag, Militärattaché der norwegischen Botschaft. Das Hauptziel sei gleiche Rechte und gleiche Leistungsanforderungen für beide Geschlechter zu schaffen. Dies soll mit der Frauen-Wehrpflicht gelingen. Das sehen in Norwegen aber nicht alle so. Allen voran die Frauen: in einer Umfrage vor dem Beschluss waren 52 Prozent der befragten Frauen gegen die geschlechtsneutrale Wehrpflicht und 28 Prozent dafür. Das Gesetz wurde trotzdem verabschiedet. Norwegen ist damit der einzige europäische Staat, in dem die Frauen-Wehrpflicht gilt und soll ab 2015 umgesetzt werden. In Israel ist sie seit der Staatsgründung Realität. Dort müssen Frauen zum Militär.

Israelische Selbstverständlichkeit
Für Israelis sind Frauen mit langen Haaren und Militärstiefeln kein ungewöhnlicher Anblick. Seit der Staatsgründung 1948 sind alle weiblichen und männlichen Staatsbürger zum Militärdienst verpflichtet. Doch es gibt Ausnahmen: Von der Wehrpflicht ausgenommen sind schwangere, verheiratete, nichtjüdische oder streng orthodoxe Frauen, die aus religiösen Gründen nicht dienen können. Die Wehrpflicht dauert für Frauen zwei Jahre, während die gleichaltrigen Männer drei Jahre leisten. Jedes Jahr ziehen die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) 1500 Kampfsoldatinnen ein. Laut israelischen Streitkräften ist seit 2013 auch eine erste Transgender-Person in der Armee. Ein Grund für die Frauen-Wehrpflicht ist der Dauerkonflikt Israels mit seinen Nachbarstaaten. In Österreich sieht die militärische Lage anders aus. Bei uns im Land ist seit knapp 70 Jahren Frieden.

Österreichische Kür
Der Friede ist aber nicht der einzige Grund um Frauen vom Wehrdienst auszuschließen. „Die überwiegende Mehrheit der Frauen erledigt noch immer unbezahlte Arbeit wie: Haushalt, Kinderbetreuung und die Pflege älterer Angehöriger alleine“, so die Pressesprecherin des Frauenministeriums Katharina Ebhart-Kubicek. Frauen seien in der Gesellschaft noch nicht gleichberechtigt. Insofern steht eine Frauen-Wehrpflicht für das Ministerium nicht zur Debatte: „Es kann nicht sein, dass wir immer wieder über die Aufhebung vermeintlicher Vorteile für Frauen diskutieren, während in ganz wesentlichen Bereichen noch immer massive Benachteiligungen Gang und Gäbe sind.“ Das Frauenministerium nennt Einkommensunterschiede, unbezahlte Arbeit und zu wenig Frauen in Führungsetagen als diese wesentlichen Bereiche und fügt hinzu: „Solange es hier noch gravierende Unterschiede gibt, ist stets eine Gesamtbetrachtung der unterschiedlichen Lebensrealitäten von Frauen und Männern zu tätigen.“

In Österreich sind Frauen seit 16 Jahren in den Kasernen zugelassen. Momentan seien knapp 400 Soldatinnen im Einsatz, sagt die Pressesprecherin des Sport- und Verteidigungsministeriums Cornelia Harwanegg und ergänzt: „Frauen stehen beim Bundesheer dieselben Karrieremöglichkeiten offen, wie ihren männlichen Kameraden.“ Zur Debatte einer Frauen-Wahlpflicht will das Verteidigungsministerium jedoch nicht Stellung beziehen und „verweist an die politischen Parteien“, da es sich hierbei um eine politische Diskussion handle.

Artikel von: Anna Freinschlag, Gerhard Eichholzer, Benjamin Breitegger, Magdalena Legerer, Michael Imre

Titelbild: flickr.com/nborun

Die mokant.at Akademie für Nachwuchsjournalismus ist ein Projekt, das sich an Nachwuchsjournalistinnen und Journalisten richtet, um ihnen eine fundierte, praxisnahe und leistbare Ausbildung zu ermöglichen.

3 Comments

  1. a0821104@unet.univie.ac.at'

    mp

    5. Juni 2014 at 14:46

    Witzig, Frauen sollen erst 100% gleiche Rechte kriegen und erst dann diskutiern wir über gleiche Pflichten? Das kanns nicht sein.

  2. ario2ario@hotmail.com'

    ario

    8. Juni 2014 at 12:10

    Wer will schon verpflichtet sein, etwas zu tun? Hier geht es nicht um gleiche Rechte, wie MP schon vorher schrieb…

    Gleiche Pflichten sind ungleich gleiche Rechte!!

  3. Nike.ochi@gmail.com'

    Florian

    25. Juni 2014 at 10:01

    Hmm ach ja – wie schauts mit gleichen Rechten bei der Erziehung des Kindes bei Vätern nach der trennung aus? Bundeshymne ändern ? Keine Männerbezogenen Sprichwörter in der Politik ? Es wird immer nur genörgelt was Frauen nicht haben und wollen ! Gleiche Rechte für ALLE ? Ok !
    Dann aber auch Frauenwehrpflicht 😉

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.