KopfhörerInnen: Sara Jackson-Holman – River Queen EP

Sara Jackson-Holman – River Queen EP
(VÖ: 29.7.2014 | Expunged Records)

river queen

Cover: (c) Christa Taylor

Es gibt Musiker, die fast jeder schon einmal gehört hat, vielleicht sogar gemocht hat, ohne ihre Namen zu kennen. Sara Jackson-Holman teilt dieses Schicksal. Ihr 2012 veröffentlichtes zweites Album Cardiology schaffte als Ganzes den großen Durchbruch nicht, wodurch auch die junge Sängerin aus den Vereinigten Staaten nur den wenigsten ein Begriff ist. Auf Umwegen gelangte ihre Musik trotzdem in die breite Öffentlichkeit. Einzelne Lieder des Albums wurden in diversen TV-Serien als Hintergrundmusik verwendet. So darf Jackson-Holman von sich behaupten, dass wahrscheinlich jeder, der zum Beispiel regelmäßig Grey’s Anatomy, Bones oder Beverly Hills 90210 schaut, schon ihre Musik gehört hat und vielleicht sogar berührt davon war.

River Queen heißt nun ihre neue, aus sechs Liedern bestehende, EP. Mit dieser unterstreicht sie eindrucksvoll den Anspruch bald auch ganz bewusst von einer großen Masse gehört zu werden. Jackson-Holmans Musik zeichnet sich vor allem durch eine starke Stimme, die von zumeist dezentem Klavierspiel und Schlagzeug begleitet wird, aus. Ihre Lieder sind einerseits einfühlsam und andererseits auch angenehm erholsam. Am einfachsten kann man sich ihre Musik aber wohl tatsächlich vor Augen führen, in dem man sich eine klassische übertrieben-dramatische Grey’s Anatomy-Szene vorstellt, die von ruhiger melancholischer Musik untermalt wird.

Markant ist für die River Queen EP auch der omnipräsente Background-Gesang. Besonders im eröffnenden Titel, der denselben Namen wie die EP trägt, ist dieser besonders auffällig. Das Lied River Queen hat etwas verführerisches, es erinnert fast an Sirenengesang, wie man ihn in mythologischen Erzählungen beschreibt. Man wird gleich zu Beginn förmlich in die EP hineingezogen. Elementar sind diese langgezogenen gesungenen Vokale auch für die vier anderen Titel, in denen sie jeweils in leicht unterschiedlichen Formen ihren Platz finden. Beinahe etwas episch wirkt durch diesen Gesang im Hintergrund das Lied Feel it now.

Der minimalistischste aber sicher nicht langweiligste Titel der EP heißt Keep Score. Auf angenehme Art beschränkt sich dieser auf Klavier und Gesang, um damit so richtig viel Gefühl zu übermitteln. Allgemein dreht sich das Werk inhaltlich vorwiegend um die Liebe und andere Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnt. Etwas aus der Reihe gegenüber den gefühlvollen Liedern, wie dem besagten Keep Score, aber auch Haunt me, tanzt Push Back. In Push Back geht es inhaltlich darum, sich zu wehren und nicht zurückzustecken. Damit ist auch ein vielseitigerer Einsatz von Instrumenten verbunden, der phasensweise sogar an den Gotyes Klassiker Somebody that I used to know erinnert.

Die EP soll ein Vorgeschmack auf ein kommendes Album sein. Wenn dieses hält, was die EP verspricht, dann darf man sich auf einiges freuen. Für eine weitestgehend unbekannte Sängerin kann man hier von einem unglaublich professionellen und auch vielseitigen Werk sprechen, das sich ein breiteres Publikum verdient hat. Man darf sich fast sicher sein, dass man von Sara Jackson-Holman noch einiges zu hören bekommen wird.

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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