James Choice: „Irgendwann hat man die Schnauze voll“

Foto: (c) Raimund Appel

Der Singer und Songwriter findet das Nirvana langweilig und lässt sich gerne von Bäumen inspirieren.

Wieso die Backing-Band nicht nachteilig behandelt wurde, wie sich sein Job als Streichelzoowärter auf seine Musikkarriere auswirkt und was nicht nur auf der Bühne als sein Lieblinsgetränk zählt, erfahrt ihr von James Choice im mokant.at-Interview:

Foto: (c) Raimund Appel

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mokant.at: Was für Dinge inspirieren dich? Hast du vielleicht eine Katze?
James Choice: Ich hab keine Katze, ich bin eher der Hund-Typ. Aber ich hab leider auch keinen Hund. Ich hätte gerne einen, aber mein Lebensstil lässt es momentan einfach nicht zu, dass ich mich intensiv um ein anderes Lebewesen kümmern kann. Ich hab mich immer schon sehr viel mit Tieren beschäftigt und hab auch vieles von ihnen bekommen. Bei meinem ersten Sommerjob hab ich zum Beispiel als Streichelzoowärter gearbeitet. Ich mag Tiere irrsinnig gerne. Aber die Inspiration liegt buchstäblich auf der Straße. Ich geh total gerne laufen und da komme ich in einen fast meditativen Zustand. Das hilft mir total weiter. Da bekomme ich so viele Eindrücke mit. Es ist auch ein spannender Prozess wie aus etwas total Harmlosem ein Text entsteht. Das hört auch nie auf. Man hört nie auf zu arbeiten. Man hat in dem Sinn auch keine Arbeitszeiten. Natürlich setzt man sich irgendwann hin und tut, aber die Kreativität läuft ständig.

mokant.at: Wenn du dich echt mal hinsetzt und sagst, okay, jetzt schreibe ich da weiter, passiert es dann auch manchmal, dass es einfach gar nicht funktioniert?
James Choice: Ja, das passiert sehr oft. Aber es gibt da echt viel Literatur und Anregungen drüber, die versuchen Lösungen und Ansätze zu finden um genau solche Probleme auch zu überwinden. Aber das Texte schreiben braucht bei mir auch immer noch recht lange.

mokant.at: Worum drehen sich deine Songs meistens?
James Choice: Die Songs die es bis jetzt gibt, die sind alle in dem Zeitraum entstanden wo ich in London war und die haben sehr viel mit inneren persönlichen Kämpfen und Depression zu tun. Songs zu schreiben war in der Zeit mein Ventil mit der Stadt, der Situation und mit mir selber fertig zu werden. Das heißt, die Themen, die vorkommen, besinge ich eigentlich hauptsächlich aus meinem eigenem Blickwinkel.

mokant.at: Könntest du dir auch vorstellen, über politische Themen zu singen?
James Choice: Auf jeden Fall, aber das ist auch wieder so ein Punkt, den ich sehr schwierig finde, weil ich kein großer Fan von Parolen bin. Ich tu mir auch schwer mit anderen Leuten Parolen mitzuschreien. Ich finde es bei politischen Themen immer sehr interessant, wenn jemand ganz konkrete Sachen anspricht und diese Themen auf den Punkt bringt und das ist etwas, das sehr schwierig ist, aber an dem arbeite ich gerade und das würde ich in meinen neuen Texten auch wirklich sehr gerne einbringen. Allerdings handelt es sich dabei eher um gesellschaftskritische Themen. Ich finde es aber trotzdem irrsinnig beeindruckend, wenn jemand einen knackigen Song zu einem ganz konkreten Thema schreibt.

Foto: (c) Raimund Appel

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mokant.at: Du trittst sowohl als James Choice sowie als James Choice & The Bad Decisions auf, wie kommt es dazu? Seid ihr zwei eigenständige Gruppen? Existieren die Bad Decisions auch ohne dich?
James Choice: The Bad Decisions existiert nicht als eigenständige Band, wobei sie sich aus Musikern zusammensetzt, die alle noch in einer anderen oder mehreren Bands spielen. Diese Band hier wurde wirklich mit der Intention gegründet, dass sie die Backing- Band für mein Solo- Projekt ist. Mittlerweile hat sich das Ganze verändert und eventuell werden wir bei der neuen Platte auch zusammen Nummern schreiben.

mokant.at: Aber findest du es nicht ein bisschen unfair? Du stehst ja eindeutig im Vordergrund obwohl ihr zusammen interagiert…
James Choice: Ja, das passiert live nicht so wirklich. Da agieren wir schon als eine Band und ich finde es interessant, weil du so, sehr klare Rollenverteilungen hast in der Band. Jeder ist für seine eigene Sache zuständig und ich finde, dass ich auf diese Art und Weise auch freier agieren kann. Ich schreib zwar die Nummern, aber was jeder dazu macht ist relativ frei.

Foto: (c) Raimund Appel

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mokant.at: Trittst du lieber alleine auf oder mit Band und wieso?
James Choice: Ich spiele mittlerweile lieber gemeinsam mit der Band. Du hast dann einfach diesen „Tusch“ dahinter und es macht einfach Sinn. Aber es hat natürlich auch etwas, wenn ich ganz alleine spiele: diesen intimen Charakter zum Beispiel. Auch die Songs klingen anders, je nachdem ob sie mit Band gespielt werden oder ob sie alleine gespielt werden. Es macht natürlich beides Spaß, aber ich finde es mit Band einfach schöner, weil ich gerne mit anderen Leuten Musik mache. Obwohl ich damals in London als Solo Künstler angefangen hab. Aber das liegt auch daran, dass sich meine damalige Band aufgelöst hat und ich anfangs niemand anderen gehabt hab. Das hat sich erst wieder der Reihe nach aufgebaut.

mokant.at: Du singst deine Lieder auf Englisch, obwohl das nicht deine Muttersprache ist. Könntest du dir vorstellen in einer anderen Sprache zu singen?
James Choice: Ich spreche es schon sehr lange und war immer viel im Ausland, auch als Kind. Das Problem ist, dass es für mich wirklich schwierig ist auf Deutsch Lieder zu schreiben. Englisch singt sich sehr leicht. Deutsch hat etwas sehr Hartes, Englisch fließt ein bisschen mehr, rein vom Gesanglichen her ist es leichter. Ich persönlich lege sehr viel Wert auf Texte. Das heißt jetzt nicht, dass ich glaube, dass meine Texte besonders gut sind, aber ich hör viel auf Texte und es ist mir sehr wichtig.

mokant.at: Könntest du dir vorstellen mal für einen anderen Künstler Songs zu schreiben?
James Choice: Ja, das fände ich voll interessant. Auf jeden Fall! Aber nur unter dem Aspekt, dass ich das vorsätzlich mache. Vor allem auch mit anderen Leuten interaktiv Songs schreiben, find ich super.

Foto: (c) Raimund Appel

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mokant.at: Mit wem oder für wen würdest du am liebsten schreiben?
James Choice: (lacht) Ich glaube nicht, dass die Leute, für die ich gerne schreiben würde, meine Songs auch haben wollen. Das ist das Problem. Also ich glaube es gibt eher Leute von denen ich mir denke, dass ich mit ihnen voll gerne zusammenarbeiten würde. Da gibt’s viele Leute. Ich bin zum Beispiel ein großer Tom Waits Fan. Und wenn ich mit ihm mal was machen dürfte, auch wenn ich nur sein Mikrophon einstellen dürfte, wäre ich wahrscheinlich schon zufrieden. Oder Laura Stevenson aus Amerika. Mit der zum Beispiel. Ich würde gerne mit Menschen arbeiten, die mich beeindrucken, weil da von vornherein ein Interesse da ist, dass ich etwas lernen kann. Und dann ist der Prozess auch gleich interessant.

mokant.at: Weil du das gerade ansprichst, glaubst du, dass man als Musiker irgendwann ausgelernt hat?
James Choice: Glaubst du, dass man als Mensch irgendwann ausgelernt hat? Das ist ja das Schöne daran. Da gibt’s so viel zu lernen und es hört ja bei Musik nicht auf. Du kannst durch die Stadt gehen und dich von einem Baum inspirieren lassen. Bei mir passiert es zum Beispiel relativ oft dass ich Sätze lese und die inspirieren mich in irgendeiner Art und Weise. Ich interessiere mich ja auch total für’s Schreiben und da ärgere ich mich oft dass es so viele Sachen gibt die ich noch nicht kann. Das Gefühl ausgelernt zu haben, wäre glaub‘ ich das Nirvana und das ist ein Zustand, der sehr schwer zu erreichen ist und es geht ja letztendlich gar nicht darum. Die Weiterentwicklung ist sicher bei vielen die treibende Kraft, wieso man das überhaupt weiter macht. Ich kann mir eher vorstellen, dass man irgendwann an einem Punkt ankommt, an dem man einfach die Schnauze voll hat und nicht mehr will oder kann.

mokant.at: Was ist dein Lieblingsgetränk auf der Bühne?
James Choice: Gin Tonic, aber auch abseits der Bühne.

Foto: (c) Raimund Appel

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mokant.at: Und wo wir gerade beim Trinken sind, Pizza oder Pasta?
James Choice: Dazu muss ich jetzt ein bisschen angeben. Ich bin nämlich ein hervorragender Pizzamacher. Ich mach natürlich den Teig selber, ich hab gestern für meine Band Pizza gemacht. Aber ich esse auch gerne Pasta. Aber wenn ich mich für eines entscheiden muss, dann Pizza.

Damit sagen wir herzlichen Dank James Choice für das nette Interview – du bist jederzeit bei uns in der Redaktion willkommen … sofern du Pizza mitbringst!

Titelbild: (c) Raimund Appel

Lisa Radda ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: lisa.radda[at]mokant.at

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