KopfhörerInnen: Kreisky – Blick auf die Alpen

Kreisky – Blick auf die Alpen
(VÖ: 21.03.2014 | Wohnzimmer Records)

Cover: (c) Wohnzimmer Records

Cover:
(c) Wohnzimmer Records

Kreisky ist allen ein Begriff. Damit rechnet wohl auch eine Band, die sich nach dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Bruno Kreisky benennt. Nach drei Alben vertreten die vier Wiener fundierten österreichischen Rock, der ihnen 2009 einen Amadeus Music Award als „Alternative Act des Jahres“ eingebracht hat. Mittlerweile klingelt es bei ihrem Namen nicht nur in den Köpfen alteingesessener FM4-Hörer und Hörerinnen, die 2001 Scheiße Schauspieler im Radio auf und ab gehört haben. Doch so wirklich gut scheinen sie nur die wenigsten zu kennen. Am 21. März erscheint ihr neues Werk Blick auf die Alpen bei Wohnzimmer Records.

Die ersten drei Alben Kreisky (2007), Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld (2009) und Trouble (2011) erschienen im Zwei-Jahres-Takt, für das vierte brauchte es drei Jahre. Aber nicht nur in dieser formalen Kleinigkeit unterscheidet es sich von den Vorgängern. Die Band spricht selbstbewusst von „unserer Vorstellung von Popmusik”, einem „gelungenen Coup“ und dann doch wieder von einem „lässigen Lärmbrocken“ –eine treffende Beschreibung ihres neuen Albums.

Musikalisch verändert hat sich einiges: Mit Blick auf die Alpen geben sich Kreisky um einiges ruhiger, weniger gitarrenlastig und überraschen mit eingängigen Melodien. Schon der Beginn und der Refrain von der Single Pipelines bringt die Zehen ganz von selbst zum wippen. Das ist leider nicht bei allen Liedern so. Vielleicht müssen sie das aber auch nicht, schließlich geht es bei Kreisky in erster Linie nicht um Mainstream-Melodien. So bleiben sie auch ihrer Linie als „Lärmbrocken“-Produzenten treu. Das merkt man ohne Umschweife bei den zwei Liedern selbe Stadt, anderer Planet und Todesstern, obwohl auch hier eine Weiterentwicklung hin zu ruhigerem Gesang und einprägsameren Tönen mitschwingt.

Die Texte thematisieren unaufdringlich Alkoholkonsum, pubertierende Kinder und sind auch auf ihre Art gesellschaftskritisch. Mit den Texten der meisten neuen Songs kann man trotzdem wenig anfangen. Von deutscher Musik erwartet man sich doch ein bisschen mehr als Metaphern, die auch beim zweiten Mal hören eher sinnfrei sind. In Wir machen uns Sorgen um dich beschreiben sie aus der Elternperspektive die Beziehung zu dem enttäuschenden Kind. Hier verdeutlicht sich, dass Kreisky keine junge österreichische Band ist. Wirklich überzeugen tun sie mit diesem Perspektivsong allerdings nicht – um sich in diesem Generationenkampf auf die Erzieherseite zu schlagen, geben sie sich doch ein wenig zu rotzig.

Die neuen Melodien bieten aber viel Potential, in Zukunft ein größeres und möglicherweise auch  jüngeres Publikum anzusprechen. Denn insgesamt sticht das Album mit weniger Geschrei aus der alten Tradition heraus. Erfrischend angenehm zu hören. Und eines muss man den vier Wienern lassen: Sie sind mit ihrem Namen und ihrer Musik bereits fest im Boden österreichischer Musik verankert. Mit ihrem vierten Album haben sie einen weiteren Stein auf das solide Fundament der Alpenland-Popmusik gelegt.

Kreisky gehen auf Tour:

27.03. Innsbruck – Weekender
29.03. Ebensee – Kino
03.04. Krems – Kino im Kesselhaus
04.04. Oslip – Cselleymühle
05.04. Linz – Posthof
12.04. Wiesenfeld – Zwettl/Wilage
24.04. Wien – Arena
25.04. Steyr – Röda

 

 

Katharina Egg leitete zwei Jahre lang das Ressort Politik. Jetzt ist sie als außerordentliche Redakteurin bei mokant.at tätig und untersucht als Publizistik-Studentin Wirkungen Sozialer Netzwerke auf Politische Kommunikation. Ihre freie Zeit verbringt sie am liebsten am Fahrrad, auf Reisen und im Wiener Nachtleben. Kontakt: katharina.egg[at]mokant.at

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