Belvedere: Reise von Berlin nach Wien

(c) Belvedere, Wien

Bis Ende Jänner noch in Berlin zu sehen, kann man die Ausstellung Wien – Berlin. Kunst zweier Metropolen jetzt im Unteren Belvedere besuchen

Betritt man die Räume des Unteren Belvederes, ist man im ersten Moment überfordert und weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Bilder hängen eng nebeneinander, viele sind von großen, schweren Rahmen umgeben. Auch die dunklen Räume mit den bunt angemalten Wänden verstärken diesen Eindruck. Man befindet sich in der Ausstellung Wien – Berlin. Kunst zweier Metropolen, die die Wechselwirkungen der Hauptstädte vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Zwischenkriegszeit beleuchtet.

„Wir wollten doch zusammen zieh’n!“
Die Beziehung der beiden Städte wurde schon in vielerlei Hinsicht aufgearbeitet: Tendenzen in Literatur und Theater wurden untersucht, sogar die Popmusik des 21. Jahrhunderts hat das Verhältnis von Wien und Berlin besungen. Die Parallelen, Gegensätze und Einflüsse der Kunst seien bisher aber ausgelassen worden, erklärt Kurator Alexander Klee auf der Pressekonferenz.

(c) Belvedere, Wien

(c) Belvedere, Wien

Stadtbild
Inhaltlich werden viele Themen angerissen. Der Bogen wird von der Wiener und Berliner Secession bis zur neuen Sachlichkeit gespannt. Man sieht Straßenszenen aus Wien und aus Berlin, die die Geschwindigkeit der immer größer werdenden Metropolen einfangen (Das Tempo der Straße, George Grosz 1918). Künstler setzen sich mit der aufkommenden Industrie auseinander (Max Liebermanns Industrielandschaft). Kann man anfangs noch nach Stilen der Städte unterscheiden, so verschwimmen die Grenzen vor allem in der Neuen Sachlichkeit und entwickeln sich zu Personalstilen.

Prunkschloss versus Glaslager
Die Ausstellung ist eine Kooperation der Berlinischen Galerie und des Belvedere. In den Ausstellungsorten spiegelt sich bereits ein Klischee der Städte wieder: Berlin, als dynamische und moderne Stadt, präsentierte die Kunst der Metropolen im ehemaligen Glaslager. Wien, vergangenheitsverbunden und gemütlich, bevorzugt die Räumlichkeiten des Unteren Belvederes. Auch in den gezeigten Bildern zeichnet sich die unterschiedliche Dynamik der Städte ab.

Wiener in Berlin
Ebenfalls zu sehen sind die Wirkungen österreichischer Künstler in Deutschland und umgekehrt. Beispielsweise stammt ein wichtiges Plakat zu Gerhard Hauptmanns Stück Die Weber von einem österreichischen Künstler. Außerdem wird Oskar Kokoschkas Werken, die in den deutschen expressionistischen Zeitschriften Aktion und Sturm veröffentlicht wurden, ein kleiner Raum gewidmet. Dem durchschnittlichen Besucher, der vermutlich nicht Kunstgeschichte studiert hat, bleibt einiges an diesem Detailwissen verwehrt. Zusatzinformationen finden bei der Flut an Bildern verhältnismäßig wenig Platz.

(c) Belvedere, Wien

(c) Belvedere, Wien

Wenig Raum für viel Inhalt
Nachdem man sich durch die Teilbereiche der Räume mit den zahlreichen Unterthemen geschlängelt hat, erwartet einen im letzten Raum das Vergnügen. Hier trifft man auch auf den Ballonverkäufer (Otto Rudolf Schatz, 1929), der auf den Plakaten der Ausstellung zu sehen ist. Auch Boxer finden ihren Platz, sowie Szenen im Café oder auf einem Jahrmarkt. Die eine oder andere Karikatur (Karl Kraus, Bertold Brecht) findet man ebenfalls unter dieser Rubrik. Mit müden Augen und einem von den vielen Eindrücken rauchenden Kopf verlässt man Wien und Berlin. In Deutschland hat die Ausstellung der Berlinischen Galerie einen neuen Besucherrekord beschert. Das Thema dürfte wohl den Puls der Zeit treffen. Die Räume des Belvederes lassen den vielen Themen nicht an allen Stellen genügend Platz, um zu wirken. Durch die Auswahl der schönen Bilder verliert man sich aber gern in den Städten des vergangenen Jahrhunderts.

In Wien läuft die Schau noch bis 15. Juni 2014.

Titelbild: (c) Belvedere, Wien

Alissa Hacker ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: alissa.hacker[at]mokant.at

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