Gewalt gegen Frauen: V(agina)-Day enttäuscht

Der 14. Februar ist nicht nur Valentinstag, sondern auch V(agina)-Day. Unzählige Frauen, aber auch solidarische Männer, kamen diesen Freitag tanzend zusammen, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu setzen.

Vor dem Wiener Parlament haben sich zahlreiche Menschen versammelt. Sie demonstrieren gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Doch anstelle lauter Parolen erklingen die Töne eines Liedes. Männer wie Frauen setzen sich daraufhin in Bewegung und tanzen. Sie alle sind Teil der Aktion „One Billion Rising“.

2013 wurde One Billion Rising von Eve Ensler, der Autorin der Vagina-Monologe, ins Leben gerufen. Bereits letztes Jahr versammelten sich Menschen aus 205 Ländern und mehr als 5000 Organisationen in unzähligen Städten. Die Milliarde (Billion) steht jedoch nicht nur für all jene, die sich im Zuge der Kampagne für Frauen stark machen wollen. Laut der statistischen Aussage der UN werden eine Milliarde Frauen und Mädchen weltweit Opfer von Gewalt.

06

Foto: (c) Michaela Jokl

„Herumhüpfen allein reicht nicht“
Österreichweit fand die Kampagne 2014 an elf verschiedenen Orten statt. In Wien initiierte die grüne Politikerin Ewa Dziedzic das Projekt. Sie möchte damit vor allem erreichen, dass sich die Leute wundern „wieso da Frauen vor dem Parlament herumhüpfen“.

Maria Rösslhumer, Koordinatorin von One Billion Rising und Vorsteherin des Vereins AÖF (Autonome Frauenhäuser Wien), sieht das Ziel des Aktionstages vor allem darin „Aufmerksamkeit, dafür zu schaffen, was in Österreich noch alles geändert werden muss.“ Zusätzlich betont sie, wie wichtig die Solidarisierung der Österreicher mit Frauen in anderen Ländern sei, die zum Beispiel Gewalt in Form einer Steinigung erleben. Jedoch „reicht tanzen und singen nicht – es müssen endlich Taten und Maßnahmen folgen!“, meint sie. Fraglich bleibe, ob die Veranstaltung wirklich etwas bewirkt. Sie zeigt sich von konkreten Maßnahmen der Regierung bisher enttäuscht und möchte mit der Aktion vor allem Abgeordnete ansprechen.

Kein großes Interesse seitens der Politik
Frauenministerin Heinisch-Hosek kann Rösslhumers Enttäuschung nicht verstehen: „Es ist uns gelungen, dass wir einen nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen initiiert haben.“ Die so genannte Istanbul-Konvention, die erste rechtlich bindende Konvention in Europa gegen Gewalt an Frauen und Mädchen im häuslichen Umfeld, sieht sie als großen Wurf. Rechtlich bindend wird die Konvention allerdings erst mit den Unterschriften zweier weiterer Staaten: Österreich hat bereits unterzeichnet, um in Zukunft die Lage der betroffenen Frauen und Mädchen zu verbessern.

Maria Rösslhumer sieht die Konvention als gutes Zeichen für Österreich, denn „so etwas gab es bis jetzt noch nicht“. Direkte Veränderungen nach der Kampagne 2013 waren bis jetzt allerdings noch nicht zu spüren: „Geht es um konkrete Anliegen, besteht kein großes Interesse seitens der Politik. Suchen wir zum Beispiel um Geld für ein bestimmtes Projekt an, schaut die Sache wieder anders aus.“

01

Foto: (c) Michaela Jokl

„Hier fehlt das Feuer“
Auch vor Ort sind längst nicht alle mit dem Event zufrieden: „Ich finde dieser Veranstaltung fehlt ein bisschen das Feuer. Letztes Jahr war es anders – es gab weniger Reden, dafür wurde mehr getanzt“, meint eine Teilnehmerin. Viele sind enttäuscht: Sie sind gekommen um zu tanzen – stehen stattdessen die meiste Zeit nur herum. „Es ist wirklich schade, dass in der österreichischen Protestkultur alles immer so langweilig abläuft.“ Die Botschaft – „eine Milliarde erhebt sich und tanzt“ – die laut einiger Protestfreudiger im Vorjahr noch vermittelt werden konnte, verfehlte dieses Jahr ihr Ziel.

Titelbild: (c) Michaela Jokl

Klara Kostal ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: klara.kostal[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.