Aufgeblättert: Ein Tag in meinem Leben

(c) Dominik Knapp

Während Leseratten so ziemlich jede Form von Lektüre verschlingen, bevorzugen Gelegenheitsleser oftmals Autobiographien. Zumindest auf einen selbsternannten Wenigleser, den Biathleten Ole Einar Bjørndalen, trifft diese Weisheit zu – sein letztes Buch sei die Biographie von Steve Jobs gewesen.

Während man auf Bjørndalens Biographie wohl noch ein paar Jahre warten muss, hat mit Felix Gottwald ein anderer Olympiasieger sein Leben längst verschriftlicht. Gottwald habe bereits zahlreiche Biographien regelrecht verschlungen, wolle selbst aber keine weitere Sportlerbiographie schreiben, heißt es im Vorwort zu seiner eigenen Biographie „Ein Tag in meinem Leben“. Und tatsächlich, Gottwalds Schriftstück unterscheidet sich erheblich von „herkömmlichen“ Biographien anderer Sportler.

24-Stunden Biographie mit Rückblicken
Der Profisportler und Hobbyautor fühlte sich dazu berufen seine Biographie komplett selbst zu verfassen, „um auch das rüber zu bringen was mir am Herzen liegt“. Diese Tatsache lässt sich auch zu keinem Zeitpunkt leugnen, denn sprachlich und stilistisch ist die Biographie alles andere als eine Offenbarung. Dennoch muss man Gottwald zu dieser Entscheidung gratulieren, denn inhaltlich ist sein Werk äußerst inspirierend.
Gottwald beschreibt in seinem Buch chronologisch den Ablauf eines Tages seines Lebens. Was auf den ersten Blick langweilig anmutet, entpuppt sich jedoch als geniale Herangehensweise. Es handelt sich nämlich nicht um irgendeinen Tag, sondern um jenen, an dem er seinen sportlich größten Erfolg verbuchen konnte – den Olympiasieg 2006 in Turin. Gottwald geht bei seiner Erzählung enorm detailliert vor. Beinahe jede einzelne Szene wird genauestens beschrieben. Er beschreibt den typischen Ablauf eines Wettkampftages vom Zeitpunkt des Aufwachens bis zum Zeitpunkt des Einschlafens. Jeder einzelne Schritt an diesem Tag ist zumindest ein kleines Puzzelstück auf seinem Weg zum großen Triumph. Dabei führt er all seine Handlungsroutinen – wie etwa die Wahl des Frühstücks – an und erklärt nebenher die Gründe dafür, die auf Erfahrungen aus seinem bisherigen Leben basieren. Diese Erfahrungen gibt er in Rückblenden ebenfalls genauestens zum Besten, weshalb aus der Beschreibung eines einzelnen Tages im Endeffekt eine gesamte Lebensbiographie wird. Da Gottwald nicht nur von positiven Abschnitten seines Lebens erzählt, sondern auch Themen wie Doping, Erkrankungen und Fehler anspricht, wirkt seine Biographie besonders authentisch.

Qi Gong und Selbstvertrauen
Eine Besonderheit an Gottwalds Biographie ist, dass man auch als nicht Leistungssportler etwas aus seinen lehrreichen Erfahrungen mitnehmen kann. Dabei wird auf die Bedeutung gesunder Ernährung für das allgemeine Wohlbefinden ebenso Rücksicht genommen, wie auf Alternativen zur Schulmedizin oder Entspannungsübungen wie Qi Gong. Gottwald legt den Fokus seiner Biographie auf die viel unterschätzte mentale Komponente eines Menschenlebens, besonders auf das „sich-selbst-vertrauen“, wie er es nennt. Wem Gottwalds Impulstage in der Therme Loipersdorf – die sich ebenfalls damit beschäftigen – zu teuer oder zu weit entfernt sind, dem kann diese Biographie besonders ans Herz gelegt werden.

„Schätze was du hast
Eine außergewöhnliche, nicht alltägliche Biographie zu schreiben ist dem Ausnahmesportler in jedem Fall gelungen. Besonders da es sich um keine reine Selbstbeweihräucherung handelt, sondern sich das primäre Ziel gesetzt hat, dem Leser etwas mit auf den Weg zu geben. In diesem Sinne hier ein kleiner Auszug:
In meinem Fall habe ich das erreicht, was ich erreichen wollte. Und ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns seine Ziele erreichen kann. Das Motiv oder die Triebfeder, die hinter den persönlichen Zielen steckt, ist entscheidend. […] darüber hinaus ist es auch sinnlos, sich ständig vor Augen zu halten, was man alles nicht hat, anstatt das zu schätzen, was man hat.“ (S. 196)

Titelbild: (c) Dominik Knapp

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Dominik Knapp war von März 2013 bis Jänner 2017 als Redakteur und stellvertretender Chef vom Dienst (Korrekturleser) bei mokant.at tätig. Neben dem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften beschäftigt er sich vorwiegend mit Sport in all seinen Facetten (bevorzugt Tischtennis, Padel und Tennis) sowie dem Eurovision Song Contest.

2 Comments

  1. sf

    13. Februar 2014 at 12:28

    der honig im bild! 😀

  2. Bernieee

    27. März 2014 at 19:30

    Schöne Inhaltsangabe! Hat meine kürzlich getroffene Entscheidung bestätigt, mir das Buch zu besorgen.

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