Sotschi 2014: Von Apolo Ohno bis Zeitverschiebung

Kommende Woche starten in Sotschi die 22. Olympischen Winterspiele. Mit den folgenden 26 Fakten bist auch du für jede Stammtischdiskussion über Olympia bestens gerüstet

A wie Apolo Anton Ohno: Der Doppel-Olympiasieger im Shorttrack (2002 & 2006) ist die wohl schillerndste Persönlichkeit seiner Sportart. Shorttrack ist eine spezielle Form des Eisschnelllaufs, bei der auf einer ovalen Fläche in der Größe eines Eishockeyfelds gelaufen wird. Seit den Spielen 1992 in Albertville zählt Shorttrack zu den olympischen Sportarten. Der US-Amerikaner Apolo Anton Ohno ist mit zwei Gold-, zwei Silber- und vier Bronzemedaillen der erfolgreichste Teilnehmer dieser relativ jungen Olympiasportart.

B wie Bjørn Dæhlie: Der Skilangläufer aus Norwegen ist mit acht Goldmedaillen, sowie weiteren vier Silbermedaillen der erfolgreichste Wintersportler und sechsterfolgreichste Sportler überhaupt der Olympiageschichte.

C wie Chamonix-Mont-Blanc: Der französische Nobelort Chamonix war 1924 der erste Austragungsort olympischer Winterspiele. Damals gab es in den Sportarten Bob, Curling, Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf, Langlauf, Militärpatrouille (Vorläufer des Biathlon), Skispringen und Nordische Kombination Medaillenentscheidungen.

D wie Doping: Ein immer wiederkehrendes Thema rund um Olympia ist die verbotene Leistungssteigerung in Form von Doping. Der wohl bekannteste Dopingsünder der jüngeren Vergangenheit war der Langläufer Johann Mühlegg. Der gebürtige Deutsche startete 2002 in Salt Lake City für Spanien und holte dort drei Goldmedaillen in beeindruckender Art und Weise. Beim Bewerb über 30 km distanzierte er die Konkurrenz um unglaubliche zwei Minuten. Nach seiner dritten Goldmedaille wurde er positiv auf die EPO-ähnliche Substanz Dabepoetin getestet, weshalb ihm seine drei Gold-Medaillen gleich wieder aberkannt wurden.

E wie Edward Eagen: Dem US-amerikanischen Doppelolympiasieger gelang ein ganz besonderes Kunststück. Eagen ist der einzige Sportler, der bei olympischen Sommer- und Winterspielen in zwei völlig unterschiedlichen Sportarten Olympiasieger wurde. 1920 in Antwerpen holte Eagen Gold im Halbschwergewichtsboxen, 1932 in Lake Placid Gold im Viererbob.

F wie Felix Gottwald: Der laufstarke nordische Kombinierer ist mit dreimal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze Österreichs erfolgreichster Olympiateilnehmer aller Zeiten. Zwei seiner Goldmedaillen holte er im Mannschaftsbewerb, die dritte im Sprint der Spiele in Turin 2006. Zu seiner aktiven Zeit galt Gottwald als vorbildlich sauberer Sportler, der gänzlich ohne Nahrungsergänzungen auskam und selbst bei Erkrankungen lieber zu Honigbrot und Johannisbeersaft griff, als zu Hustensaft und Aspirin.

G wie Gillis Grafström: Dem eleganten Dreifacholympiasieger aus Schweden gelang eine ähnliche Besonderheit wie Edward Eagen. Auch Grafström wurde Olympiasieger bei Sommer- und Winterspielen, allerdings in der gleichen Sportart. Da Eiskunstlauf und später auch Eishockey bereits bei den Sommerspielen in London 1908 und Antwerpen 1920 Teil des olympischen Programms waren, holte Grafström olympisches Gold im Eiskunstlauf bei den Sommerspielen in Antwerpen 1920, sowie den Winterspielen in Chamonix 1924 und St. Moritz 1928.

H wie Homosexualität: Das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Russland ist klarerweise auch vor den Olympischen Spielen ein heiß diskutiertes Thema. Präsident Putin bekräftete kürzlich, dass sich auch die Olympiateilnehmer an das Gesetz zu halten hätten. Mit Hilfe des Gesetzes wollen die Russen das traditionelle Familienbild wieder stärker bekräftigen, da die Regierung offenbar davon ausgeht, Homosexualität sei nicht angeboren, sondern „erworben”.

I wie Irina Avvakumova: Die russische Skispringerin ist ein heißer Kandidat für einen Olympiasieg des Austragungslandes. Als aller erste Olympiasiegerin im Damen-Skispringen würde Avvakumova zudem Geschichte zu schreiben.

J wie Jamaika: Das geht über eure Vorstellungskraft – Jamaika hat ne Bobmannschaft! Die für sprintstarke Sportler bekannte Nation entsendete 1988 eine Bobmannschaft zu den Winterspielen in Calgary. Von dieser kuriosen Geschichte sichtlich angetan, produzierte Disney 1993 einen sehr erfolgreichen fiktiven Spielfilm mit dem Titel „Cool Runnings – Dabei sein ist alles”, der die Teilnahme in Calgary thematisiert. Der erstmalige Antritt 1988 entfachte in Jamaika eine regelrechte Bob-Tradition. Bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin gewann der Jamaikaner Lascelles Brown Silber im Zweierbob, allerdings als Starter für Kanada.

K wie Kanada: Eine traditionell erfolgreiche Wintersportnation ist Kanada. Besonders erfolgreich sind die Kanadier in den Sportarten Eishockey (acht mal Gold) und Curling (drei mal Gold), wo sie in Sotschi jeweils als Titelverteidiger antreten. Die oftmals belächelte Sportart Curling wurde zwar bei den ersten Winterspielen in Chamonix ausgetragen, anschließend jedoch für 74 Jahre aus dem Programm genommen. Erst seit Nagano 1998 ist Curling wieder fixer Bestandteil der Olympischen Winterspiele.

L wie Lake Placid: Gemeinsam mit St. Moritz ist Lake Placid die einzige Stadt in der bereits zweimal Olympische Winterspiele stattfanden. Lake Placid war 1933 und 1980 Austragungsort, St. Moritz 1928 und 1948.

M wie mokant.at: Wir bringen in den nächsten Tagen noch weitere Artikel zu den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Unter anderem dürft ihr euch über ein Aufgeblättert zu Felix Gottwalds Autobiographie und einen Artikel über Exoten bei olympischen Winterspielen freuen.

N wie Neue Bewerbe: Insgesamt zwölf neue Bewerbe werden in Sotschi ausgetragen. Damit stellen die Spiele in Sotschi einen neuen Rekord an Medaillenentscheidungen auf. Die neuen Bewerbe sind: Ski-Halfpipe, Snowboard-Parallelslalom, Slopestyle für Ski und Snowboard (jeweils Damen und Herren), Mixed-Staffel im Biathlon, Teambewerbe im Rodeln und Eiskunstlaufen, sowie der Einzelbewerb im Skispringen der Damen.

O wie Olympiade: Ein Begriff, der häufig falsch verwendet wird, ist die Olympiade: Es handelt sich dabei nicht um ein Synonym für die Olympischen Spiele, sondern um die vier Jahre andauernde Zeitspanne zwischen zwei Olympischen Spielen.

P wie Pyeongchang: Obwohl die Wettbewerbe in Sotschi noch nicht einmal begonnen haben, steht bereits fest, an welchem Ort die nächsten Spiele stattfinden werden. Die südkoreanische Stadt Pyeongchang wird die Olympischen Winterspiele 2018 veranstalten. Pyeongchang ist der dritte Veranstalter des ostasiatischen Raums nach Sapporo 1972 und Nagano 1998 (jeweils Japan).

Q wie Qualifikationsnormen: Um an Olympia teilnehmen zu dürfen, müssen Qualifikationsnormen erfüllt werden. Die offiziellen Normen werden von den jeweiligen Landesverbänden meist zusätzlich verschärft. So müssen unter anderem deutsche Biathleten oder Eisschnellläufer zumindest ein Ergebnis unter den besten acht oder zwei Ergebnisse unter den besten 16 im Weltcup erbringen. In den meisten Sportarten dürfen pro Nation nur vier Sportler an einem Wettbewerb teilnehmen. In Wintersport-Nationen wie Österreich, mit mehr als vier guten Sportlern pro Bewerb, bleiben daher oftmals potenzielle Medaillenkandidaten auf der Strecke und müssen die Olympischen Spiele als Zuseher verfolgen.

R wie Robin Welsh: Der Brite Robin Welsh ist mit 54 Jahren der älteste Olympiasieger der Geschichte. 1928 in Chamonix holte Welsh Gold im Curling. Die älteste Olympiasiegerin ist im Übrigen die Langläuferin Raissa Smetanina mit 39 Jahren und 354 Tagen.

S wie Sotschi: Die direkt am Schwarzen Meer liegende Olympiastadt und ist einer der beliebtesten Kur- und Badeorte der Region. Mit rund 340.000 Einwohnern liegt Sotschi knapp außerhalb der fünfzig einwohnerreichsten Städte Russlands. Dennoch ist Sotschi Universitätsstadt, Spielstätte der Fußball Weltmeisterschaft 2018 und ab 2014 Veranstaltungsort eines Formel 1 Grand Prix.

T wie Thomas Morgenstern: Der am Kulm schwer gestürzte Skispringer  könnte im Falle einer Teilnahme Felix Gottwald als erfolgreichsten Olympiateilnehmer Österreichs ablösen. „Morgi” holte in Turin 2006 Gold von der Großschanze und im Mannschaftsbewerb. Den Titel im Mannschaftsbewerb verteidigte er vier Jahre später in Vancouver erfolgreich. Eine weitere Goldmedaille, oder zwei Silbermedaillen würden genügen um Felix Gottwald abzulösen.

U wie Unkeuschheit: Sportliche Leistungen sind nicht der einzige Grund für mediale Berichterstattung bei olympischen Spielen. Fokus vieler Boulevardblätter ist das olympische Dorf, in dem sowohl romantische Liebesgeschichten, als auch versaute Sexorgien bereits ihren Anfang genommen haben sollen. Das olympische Motto „Dabei sein ist alles!” bekommt unter diesem Gesichtspunkt eine völlig andere Bedeutung.

V wie V-Stil: Die vom Schweden Jan Boklöv unter dem Namen „V-Stil” erfundene Skisprungtechnik revolutionierte Anfang der 90er-Jahre das Skispringen. Der junge Finne Toni Nieminen war einer der ersten Athleten, die diesen Sprungstil besser beherrschten als sein Erfinder. Mit Hilfe dieser Technik wurde er bei den Olympischen Winterspielen in Albertville 1992 zum bis heute jüngsten Olympiasieger der Geschichte. Nieminen war bei seinem Olympiasieg lediglich 16 Jahre und 259 Tage alt.

W wie Walter Mayer: Ein dunkles Kapitel österreichischer Olympiageschichte ist die Kausa Walter Mayer. Bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City wurden im Quartier der österreichischen Langläufer Blutbeutel gefunden, die als Indiz für Blutdoping betrachtet wurden. Trainer Mayer wurde daraufhin für zehn Jahre von Olympischen Spielen ausgeschlossen. Da er sich anscheinend nicht an seine Sperre hielt, war Mayer auch mutmaßlicher Auslöser einer Dopingkontrolle, die unter massivem italienischen Polizeieinsatz im Haus der österreichischen Langläufer und Biathleten bei den Olympischen Winterspielen 2006 stattfand. Die Staatsanwaltschaft erklärte, dass bei der Doping-Razzia über 100 Spritzen, 30 Schachteln mit Medikamenten und diverse Apparate für Bluttransfusionen gefunden wurden.

X wie Xenophobie: Fremdenfeindlichkeit spielt in Sotschi eine wohl eher untergeordnete Rolle. Dunkelhäutige Athleten sind bei olympischen Winterspielen zwar nach wie vor eine Seltenheit, sie werden jedoch von Jahr zu Jahr häufiger und stetig erfolgreicher. Das hierfür beste Beispiel ist der US-amerikanische Eisschnellläufer Shani Davis, der 2006 in Turin zum ersten dunkelhäutigen Olympiasieger in einer Einzeldisziplin wurde. Davis wiederholte seinen Erfolg 2010 in Vancouver und zählt auch in Sotschi zu den ganz heißen Medaillenanwärtern im Eisschnelllauf.

Y wie Yang Yang (A): Die erste chinesische Olympiasiegerin der Geschichte ist nicht nur aufgrund ihrer sportlichen Erfolge im Shorttrack bekannt, sondern auch aufgrund ihres Namens. Das (A) hinter ihrem Namen steht für ihren Geburtsmonat August und dient als Unterscheidungsmerkmal zu ihrer Landsfrau Yang Yang (S), die im September geboren wurde und zur selben Zeit eine ebenfalls höchst erfolgreiche Shorttrack-Läuferin war. Yang Yang (S) holte unter anderem Bronze 2002 in Salt Lake City und stand damit gemeinsam mit Olympiasiegerin Yang Yang (A) am Podest. Die beiden sind aber weder verwandt noch verschwägert.

Z wie Zeitverschiebung: Sotschi befindet sich in der Zeitzone von Moskau. Zum Wohle der TV-Übertragungen verzichtete man in Russland im Oktober 2013 auf die Umstellung auf die Winterzeit, und behielt einfach die Sommerzeit bei. Wenn in Sotschi ein Bewerb um 13 Uhr beginnt, ist es in Österreich also 10 Uhr.

Titelbild: (c) Raimund Appel

Dominik Knapp war von März 2013 bis Jänner 2017 als Redakteur und stellvertretender Chef vom Dienst (Korrekturleser) bei mokant.at tätig. Neben dem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften beschäftigt er sich vorwiegend mit Sport in all seinen Facetten (bevorzugt Tischtennis, Padel und Tennis) sowie dem Eurovision Song Contest.

5 Comments

  1. mp

    28. Januar 2014 at 14:13

    Welches Boulevardblatt hat wann von Sexorgien berichtet? Das möcht ich echt wissen.

  2. Bernieee

    27. März 2014 at 19:34

    Ist leider nicht mehr ganz aktuell. Björn Daehlie wurde als bester Olympionike bei Winterspielen überraschenderweise von Ole Einar Björndalen abgelöst.

    • mp

      28. März 2014 at 13:57

      der artikel ist ja auch vorher erschienen

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