Faktor AUT: „Patriotismus ist nichts Verkehrtes“

Foto: (c) Elisabeth Plöchl

Metaxxa über Patriotismus, den Rechtsruck und eine Jugend, die nicht richtig hinhört

Passend zum Nationalfeiertag haben wir uns am Wiener Heldenplatz mit dem Rapper Metaxxa von Faktor AUT getroffen. Bis vor kurzem war die Gruppe noch unter dem Namen Schwaboss unterwegs. Obwohl die drei Rapper Frozzan, Na Heast und eben Metaxxa für österreichische Verhältnisse recht erfolgreich waren, versuchen sie unter dem neuen Namen einen kleinen Neustart. Inhaltlich rappen sie viel über Österreich und ernsthafte Themen, die sonst kaum jemand aufgreift. Sie lassen aber auch keine Chance auf eine gute Parodie aus. Gerade wegen ihren patriotischen Songs sind sie aber im Internet nicht ganz unumstritten und werden sogar oft als rechtsradikal missverstanden.

Foto: (c) Elisabeth Plöchl

Foto: (c) Elisabeth Plöchl

mokant.at: Ihr bezeichnet euch als patriotisch. Was genau bedeutet dieser Patriotismus für euch und wie lebt ihr ihn aus?
Metaxxa: Wir sagen von Haus aus, dass Patriotismus nichts Verkehrtes ist. Die Liebe zum Heimatland sollte eigentlich bei jedem vorhanden sein, jedoch muss man differenzieren zwischen übertriebenem Patriotismus und gesundem Patriotismus. Da muss man dann so weit sein, dass man gleichzeitig sein Land lieben kann und andererseits niemanden ausschließt, dessen Wurzeln aus anderen Ländern sind oder der ein anderes Religionsbekenntnis hat. Sowas ist für uns nebensächlich. Wichtig ist einfach nur, dass man zu seinem Land steht – dass man weiß, was man hier hat. Also, dass man das Sozialsystem, die einzigartige Geografie, das Lebensgefühl oder die Kultur zu schätzen weiß. Das verbinden wir mit Patriotismus.

mokant.at: Quasi als Widerspruch dazu hat es bei den letzten Nationalratswahlen den nächsten Rechtsruck gegeben, was ist da eure persönliche Meinung dazu?
Metaxxa: Das ist eben genau das Thema, das ich gerade angesprochen habe, dass eben viele den Patriotismus falsch verstehen und eine gewisse Partei meiner Meinung nach die Bezeichnung Patriotismus missbraucht. Leider fallen da anscheinend viele Leute darauf herein.

mokant.at: Trotzdem werden eure Lieder wie zum Beispiel „8 Millionen“ auf Youtube oft von einer rechten Hörerschaft gefeiert und kommentiert. Wie geht es euch damit?
Metaxxa: Das Problem an der ganzen Geschichte ist einfach, dass große Teile der Jugend von heute verlernt haben richtig hinzuhören. Wenn ich in dem einen Satz sage, dass ich mein Land liebe und in einem anderen „Scheiß auf Nazis – da wäre ich doch lieber Dönerlieferant“, wie in diesem Lied, dann ist es für mich einfach unverständlich, wie man da auf einen rechtsradikalen Hintergrund schließen kann. Wenn man richtig hinhört, gibt es da eigentlich keinen Raum für Spekulationen.

Foto: (c) Elisabeth Plöchl

Foto: (c) Elisabeth Plöchl

mokant.at: Was wollt ihr allgemein mit euren Liedern verändern oder bewirken?
Metaxxa: Unter anderem eben den Leuten unsere Auffassung von Patriotismus nahebringen. Gleichzeitig geht es eben darum, ihnen beizubringen stolz auf das Land aber nicht rechtsradikal zu sein. Diesen Faden werden wir auch unter dem neuen Namen weiterführen. Aber wir haben ja nicht nur patriotische Songs, sondern auch andere, bei denen es weniger darum geht, etwas zu verändern.

mokant.at: Um da gleich einzuhaken: Was machst du lieber? Ernsthafte Songs oder dann doch die lustigen, wie zum Beispiel eure Parodie von „Saturday Night Fever“?
Metaxxa: Ich persönlich habe eigentlich immer gerne Songs mit Message. Mir ist lieber, wenn in den Songs etwas inhaltlich Wertvolles und Wichtiges drinnensteckt.

mokant.at: Was war eigentlich der konkrete Grund für eure Namensänderung? In einem Statement habe ich etwas gelesen, das in Richtung Diskriminierung von Leuten, die eure Fanartikel getragen haben, ging.
Metaxxa: Das war eigentlich nicht so schlimm, es hat zwar einiges an Gerede gegeben, aber es ist nie zu nonverbalen Auseinandersetzungen gekommen. Faktor AUT soll einfach mehr einen neuen Sound bezeichnen, der in Zukunft kommen wird, wo wir gerade daran sind neue Dinge zu produzieren.

mokant.at: Wie weit seid ihr da? Ein Album ist in Planung?
Metaxxa: Ja, sicher. Wir sind ja eh recht fleißig – haben innerhalb von vier Jahren drei CDs herausgebracht. So viele Rap-Gruppen gibt es da nicht, die uns das nachmachen. Wir werden einfach weiter daran arbeiten und dann wird das schon was.

Foto: (c) Elisabeth Plöchl

Foto: (c) Elisabeth Plöchl

mokant.at: Was sind so die Themen, die euch momentan in Österreich stören, die ihr im nächsten Album verarbeiten werdet?
Metaxxa: Ich will da nicht zu viel sagen, aber wenn zum Beispiel wieder etwas Derartiges passiert wie bei dem „Heribert B.“-Song, dann habe ich da kein Problem, da wieder etwas zu machen. Mir ist einfach nur wichtig etwas Anderes zu machen, das nicht jeder macht. Rap in Österreich ist leider oft etwas geistig begrenzt. Wir versuchen da aber immer neue Wege zu gehen und einfach Songs zu machen, die es in dieser Art und Weise noch nicht gegeben hat. Wenn dann wieder etwas kommt, das medial für große Aufmerksamkeit gesorgt hat und sich verarbeiten lässt, dann mache ich das auch. Aber erzwingen will ich da nichts.

mokant.at: Zum Abschluss bitte noch ein Statement zur WM-Qualifikation, ihr seid ja auch Fußballfans.
Metaxxa: Ja, ich bin ein sehr großer Fußballfan – spiele auch selbst noch ein bisschen aktiv. Leider muss man halt sagen, dass es seit Jahren schon der Fall ist, dass es für Österreich nie reicht. Aber gerade dieses Mal, wo wir so viele Legionäre haben wie nie zuvor, ist es extrem schade, dass es sich wieder nicht ausgegangen ist. Vielleicht funktioniert es ja bei der EM-Qualifikation.

mokant.at: Glaubst du, dass es dem Patriotismus in Österreich gut tun würde, wenn wir uns einmal aus eigener Kraft für ein Großereignis qualifizieren?
Metaxxa: Ich glaube, es würde einen kurzen Aufschwung geben, aber dann würde das Ganze schnell wieder abflachen. Was ich da auch ein bisschen kritisiere möchte, ist, dass die Leute bei Fußballmatches oder heute am Nationalfeiertag gerne ihre Fahne hochhalten und sie die restlichen 364 Tage im Jahr verstecken. Da verstehe ich nicht ganz, warum man da einen besonderen Anlass braucht.

Titelbild: (c) Elisabeth Plöchl

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.