FREDDIE RED: „Wurscht. Einfach Rock ’n’ Roll“

Zu Gast bei FREDDIE RED: mit Bier und Kostproben aus dem aktuellen Album

Moment mal: Kennen wir diese ersten zwei Zeilen nicht irgendwoher? Ganz genau, sie sind exakt derselbe Einstieg wie beim Interview mit Reverend Backflash. Und das nicht ohne Grund, denn der Bierempfang mit der gleichen Biermarke, das Privatkonzert und die lockere Stimmung während des Interviews ließ uns an vergangene Zeiten zurückdenken. Ob es Zufall oder Absicht war, wissen wir nicht. Was wir aber ganz klar sagen können: FREDDIE RED ist sicher keine Pensionistenband.

Foto: (c) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Was zeichnet echten, authentischen Rock ’n’ Roll aus?
Flo: Er kommt von uns. (allgemeines Gelächter)
Lukas: Naja, das ist ja die Frage. Das haben wir im Pressetext als Frage formuliert.

mokant.at: Ich weiß und deswegen ist es jetzt auch meine Frage, weil ich gerne die Antwort drauf hätte.
Flo: Meiner Meinung nach: Leiwander Gesang, hammer Solos.
Lukas: Mein Favorit sind die Lederjacken. Ich glaub das reicht schon.
Raphi: Meines sind als Rhythmus-Gitarrist natürlich die Rhythmen. Und die Riffs, die Riffs!
Flo: Und ganz wichtig auch die Groupies.
Lukas: Ja, also wir spielen keinen authentischen Rock ’n’ Roll. (allgemeines Gelächter)
Fabian: Wenn man’s so summiert, dann nicht, nein.

mokant.at: Träumt ihr von der ewigen Jugend und wenn ja, was stellt ihr euch darunter vor?
Flo: Ich hab’s aufgegeben. Wurscht. Rock ’n’ Roll einfach.
Lukas: Du kannst nichts dagegen tun, dass du älter wirst.
Flo: Ja, meinen grauen Haare geben mir eh schon den Rest. Wurscht. Einfach Rock ’n’ Roll.
Fabian: Ich glaub nicht, dass man ewig jung bleiben muss, um die Musik genießen zu können. Das können Leute, die älter sind, genauso tun. Insofern ist es jetzt für mich zumindest nicht so, dass ich davon träume ewig jung zu bleiben.
Flo: Ja, wir haben auch viel Publikum über fünfzig oder über vierzig zumindest und denen taugt’s genauso und das gibt mir Hoffnung.
Raphi: Aber es hält jung.
Flo: Ja, das auf alle Fälle. Solang man’s nicht übertreibt.

mokant.at: Nicht zu viel Bier?
Flo: Genau.
Raphi: Oder die Ohrenstöpsel muss man halt auch mitnehmen.
Flo: Schnitt! Schnitt! Schnitt! (es wurde nicht geschnitten, Anmerkung der Redaktion)
Lukas: Pensionistenband.
Fabian: Apropos, Ich muss um halb sieben nach Hause
Raphi: Pst! Du bist normalerweise immer der, der früher geht.

mokant.at: Ihr habt so ein kleines Problem mit Gitarristen, also sie kommen euch immer wieder abhanden oder hören einfach auf …
Flo: Nein wir waren auf der Suche nach der perfekten Besetzung und wir sind der Meinung, dass wir die jetzt mit dem Raphi gefunden haben. Jetzt passt alles, weil wir nicht nur musikalisch sondern auch so eine Einheit sind. Jetzt fährt das Ganze mehr.
Fabian: Naja, es ist ja nicht so, dass es früher nicht funktioniert hätte. Mit dem Mike, das war unser erster Gitarrist, das war eigentlich voll gut, das hat auch lang gehalten.
Flo: Aber vom Gefühl her ist es jetzt ziemlich perfekt. Jetzt passt das Ganze.
Raphi: Das seh ich auch so. (lacht)
Lukas: Der Mike hat sich damals freiwillig verabschiedet, weil er nach Berlin wollte. Ich weiß allerdings nicht, ob er inzwischen schon dort angekommen ist. Ich glaub eigentlich nicht. Ich glaub er ist bis Salzburg gekommen.
Flo: Ich glaub, er ist bis vor zum Dönerstand bei der Alserstraße gekommen.
Lukas: Dann hatten wir einen dazwischen. Den Teufelsgitarristen. Und der war uns halt ein bisschen zu …
Flo: Das ist eigentlich ein echt leiwander Typ gewesen, aber musikalisch hat es dann einfach nicht zusammengepasst.
Lukas: Weil er doch ein ziemlicher Techniker war, und dann sind wir im Endeffekt draufgekommen dass die einfachste Möglichkeit die beste ist dass wir einfach den Bruder vom Flo dazunehmen. Das Gute war, dass er einfach die ganzen Songs schon von diversen Konzerten gekannt hat und dann bei der ersten Probe die Hälfte vom Set schon gepasst hat.

mokant.at: Also wollt ihr ihn behalten?
Flo: Auf alle Fälle. Und er ist auch ein verdammt guter Sänger und auch ein sehr super Rhythmusgitarrist.
Raphi: Das muss er sagen, weil ich der Bruder bin.
Flo: Nein, nein stimmt schon!

mokant.at: Im Backbeat-Interview gab’s die Kritik, dass eure Songs ein bisschen zu lange sind. Nehmt’s ihr euch das zu Herzen?
Flo: Nein. Nein, völlig wurscht. Da rein, da raus. Scheiß egal.
Lukas: Soweit ich mich erinnern kann, waren das nicht unsere Songs, sondern nur ein Song..
Flo: Ja, „Far away“ und die sieben Minuten 59 gehören genau so und keine Sekunde weniger.
Raphi: Das ist halt ziemlich Österreich – ein langes Lied und alle Lieder sind so.
Flo: Wir haben auch mal probiert, wie es klingen würde, wenn man es kürzt, aber für uns passt das dann nicht mehr.

mokant.at: Das heißt, wenn ich jetzt etwas schreibe, was kritisch ist, dann ist das wurscht?
Lukas: Dann posten wir den Artikel nicht auf Facebook.
Flo: Ganz genau, das wird vorher ja eh an uns geschickt, dann kommt’s in die FREDDIE-RED-Zensurstelle, dann geben wir das unseren Anwälten und dann schauen wir mal.
Lukas: Wahrscheinlich ist dann vieles durchgestrichen und es steht nach jedem Kommentar in Klammer „alle lachen“ oder so …
Fabian: Es ist ja nicht so, dass wir uns die Kritik nicht zu Herzen nehmen. Es haben auch ein paar andere Leute gemeint, dass es teilweise ziemlich lange Nummern sind und wir haben dann eben ausprobiert sie zu kürzen.
Flo: Und sind zu dem Entschluss gekommen: Kürzen, nein danke!
Lukas: Wir spielen in letzter Zeit auch meistens so 45 Minuten-Sets, wo wir halt eher die schnelleren Nummern durchspielen. Die ruhigeren Sachen mit Akustikgitarre spielen wir nur bei größeren Gigs oder wenn wir alleine spielen.
Flo: Oder bei Festivals, da packen wir dann immer die Akustiknummern aus.
Lukas: Aber so wie es in Wien üblich ist, dass man mit mindestens zwei anderen Bands spielt, können wir eh nur die Renner bringen.

mokant.at: Mit welcher Band spielt ihr am liebsten?
Fabian: Mit den Reverends.
Flo: Ja, Reverend Backflash ist ziemlich cool. (Vielleicht war die Bierempfang-Ähnlichkeit doch kein Zufall, Anmerkung der Redaktion)
Lukas: Cake Break sind auch ziemlich cool. Die sind recht witzig. Die Musik ergänzt sich irgendwie gut. Mit den Trashheads würde ich gerne mal auftreten. Die sind die perfekte Vorband. Leider hat’s bisher noch nicht geklappt.
Raphi: Haben wir mit denen nicht schon mal im Viper Room gespielt?
Fabian: Aber die haben nach uns gespielt oder?
Flo: Soviel zur perfekten Vorband …
Raphi: Die haben ganz bestimmt vor uns gespielt. Das war der erste Gig, bei dem ich mitgespielt hab.
Lukas: Eigentlich kann man sagen, dass wir durch Reverend Backflash in die Szene reingekommen sind und wir haben jetzt sicher auch schon ca. fünf Mal gemeinsam mit ihnen gespielt. Zum ersten Mal bei ihrer Vinyl Release Party im Venster99 das war super damals. Da wars gesteckt voll.
Fabian: Ja, das war lustig.

mokant.at: Habt ihr euch schon mal überlegt, einen Rock’n’Roll-Tanzkurs zu besuchen?
Lukas: Ja, hab ich. Ich hab’s mir schon mal überlegt.
Fabian: Kollektiv als Band noch nicht.
Lukas: Seit ich Pulp Fiction gesehen hab, würde ich das gerne machen. Twist.

mokant.at: Aber ihr seid eh zu viert, das würde sich anbieten.
Lukas: Nein, ich glaub, da könnten wir Mädls schon auch auftreiben dafür, das wäre nicht das Problem.

mokant.at: Aber ich dachte, dass ihr keine Groupies habt.
Flo: Ohja! Definitiv! Also ich zumindest, ich weiß aber nicht wie’s bei den anderen ist.

mokant.at: Nächste Frage: In der Stormbringer-Review steht „FREDDIE RED präsentieren sich selbstbewusst als die nächste Größe im Rock Olymp“. Gehört Überheblichkeit zum Geschäft?
Flo: Heutzutage nicht mehr. Früher in den 80er Jahren schon. Aber heute nicht mehr.
Lukas: Der Flo hats auf die harte Tour gelernt, dass es nicht so gut ist. Die längste Zeit war er, glaub ich, davon überzeugt, dass es dazu gehört.
Flo: Ich bin einfach in der falschen Zeit geboren.
Lukas: Heute stehen halt alle drauf, wenn man ganz authentisch ist und lieb und nett. Man wird sonst sofort abgestempelt als arrogant und so. Man muss zuerst was reißen, dann kann man es sich leisten Überheblich zu sein. Weil dann finden’s die Leute auf einmal ur cool. Und ich glaub, dass es im Ausland funktioniert. Aber in Österreich kannst du’s einfach nicht bringen.
Fabian: Ja, als österreichische Band geht das nicht.
Lukas: Du kannst nicht vor deinen eigenen Leuten auf der Bühne stehen, auf Englisch reden und auf Rockstar machen. Das finden alle durchgehend peinlich.
Fabian: Ich glaub, ab einem gewissen Status kannst du’s dir irgendwann erlauben.
Lukas: Ja, oder wenn man das halt als Spaß macht.

mokant.at: Aber wenn alle Bands das Image haben, dass sie lieb und nett sind, wie unterscheidet ihr euch dann von den anderen Bands?
Flo: Wir sind einfach wie wir sind. Und wir gehen auf die Bühne und rocken. Und fertig.
Lukas: Das ist genau das, wovon ich gesprochen habe. Da sind wir wieder beim Rockstar-Gehabe. (lacht)

Lisa Radda ist als Redakteurin für mokant.at tätig. Kontakt: lisa.radda[at]mokant.at

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.