Frequency 2013: „Warum hast du keine Ente?!“

Foto: (c) FMService/volume.at

Von Sprachblockaden und einer ausgestopften Ente: Frequency 2013

Von 15. bis 17. August 2013 fand im Veranstaltungszentrum in St. Pölten zum fünften Mal das Frequency-Festival statt. Wir waren für euch dabei und haben diverse Impressionen vom Festivalgelände und vom Campingplatz gesammelt.

(c) Patrick Pöll

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Unerwartet ausverkauft
In den letzten Jahren war es nichts Ungewöhnliches, wenn man sich seine Festival-Karte erst am Gelände, meist zum Schnäppchenpreis, organisierte. Doch wer sich auch heuer wieder darauf verließ, der tat nicht gut daran, denn erstmals seit mehreren Jahren war das Frequency ausverkauft. Zwei Tage vor dem offiziellen Beginn des Festivals wurde so mancher von der Nachricht, dass sämtliche Weekendpässe vergeben sind, schwer getroffen. Binnen Minuten wurde die Facebook-Veranstaltungsseite zur Tauschbörse umfunktioniert. Die Preise der dort angebotenen Karten schossen teilweise von Summen knapp unter dem Originalpreis in horrende Höhen.

Wer sich also schon im Vorfeld eine Karte gesichert hatte oder doch noch irgendwie zu einer kam, konnte sich doppelt freuen, denn das Wetter wurde dem hervorragenden Line Up mehr als gerecht. Bei Temperaturen um die dreißig Grad und strahlendem Sonnenschein durften sich die Besucher an den vielen Bands und am Rahmenprogramm erfreuen.

Überschneidungen und Sprachblockaden
Die erste gröbere Überschneidung zweier Bands mit ähnlichem Publikum gab es gleich am Eröffnungstag. So wurde viel Kritik daran geübt, dass Tenacious D und Flogging Molly am Donnerstag parallel spielten. So mancher wollte sich da wohl gerne zweiteilen und hätte auch sicher nicht schlecht daran getan. Tenacious D sorgten für beste musikalische und komödiantische Unterhaltung und hatten sogar ein selbstgedrehtes Spaß-Video auf Deutsch im Gepäck. Aber auch die Dame und die Herren von Flogging Molly zeigten, dass sie nicht gerade neu im Geschäft sind, und lieferten eine hervorragende Show. Dass sie durchaus wussten, warum diesmal etwas weniger Tanzwütige als gewohnt zu ihrer Bühne fanden, zeigten sie mit diversen Anspielungen auf Jack Black und stellten sich auch gleich einmal mit „Hello, we are Tenacious D“ vor.

So viel Mühe sich die Bands am Eröffnungstag gaben, so wenig war davon beim Headliner am Freitag zu sehen. System of a Down boten, was die musikalische Performance betraf, eine einwandfreie Vorstellung, wenn nicht sogar die sauberste des gesamten Festivals. Das war es dann aber auch schon wieder mit den positiven Punkten. Die Mannen rund um Serj Tankian beschränkten sich, nachdem sie mit etwas Verspätung doch den Weg auf die Bühne fanden, auf ein Minimum an Show und Kommunikation. Nach einem relativ kurzen Set war der Spaß vorbei – und das ohne Zugabe. Besonders bei Gitarrist und Sänger Daron Malakian hatte man zwischenzeitlich Angst, dass er jeden Moment einschlafen könnte, während der Rest der Gruppe mit den armenischen Wurzeln zumindest doch etwas Motivation zeigte.

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Am letzten Tag zeigten Billy Talent und die Toten Hosen, dass es auch anders geht. Besonders bei Benjamin Kowalewicz, dem Frontman der Kanadier, musste man sich kaum Sorgen machen, dass er einschlafen könnte. Während des gesamten Konzerts hielt der Sänger keine fünf Sekunden ruhig. Wer ganz hinten am Gelände stand, der musste wohl vermuten, dass vorne auf der Bühne ein Gummiball herumhüpft und kein 37-Jähriger, der dabei auch noch eine beachtliche gesangliche Performance bot. Auch die Toten Hosen lieferten eine wie erwartet tolle Show und verhalfen einer jungen Dame zu den wahrscheinlich besten fünf Minuten ihres Lebens. Auf der Bühne vor zigtausend Menschen durfte sie den Song „Paradies“ ins Mikro kreischen.

Ein Herz zeigten die Veranstalter dieses Mal für österreichische Bands. Während zum Beispiel für die Chart-Stürmer von Imagine Dragons nur ein 40-Minuten-Slot am Nachmittag blieb, durften 3 Feet Smaller zur Primetime und Left Boy sogar um 21:45 ihr musikalisches Schaffen zum Besten geben. Bei Letzterem musste man sich zwischenzeitlich jedoch fragen, ob er überhaupt wusste, in welchem Land er war. Der Sohn von André Heller bevorzugte es nämlich nur in Englisch zu kommunizieren. Dass am Frequency hauptsächlich Österreicher anzutreffen sind und auch die Bayern ganz gut Deutsch sprechen, das hatte ihm wohl niemand gesagt.

Foto: (c) Michael Nowak

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Kuriositäten am Campingplatz
Abseits der Bühnen ließen sich die Besucher auch nicht lumpen, was die Selbstunterhaltung betraf und verwandelten den Campingplatz in eine Freakshow. Hier ein Betrunkener, der mit einem Einkaufswagen die Böschung hinunter in die Traisen fahren möchte – dort ein junger Mann, der einen selbstgebastelten Sombrero aus weit über hundert Dosen und nach eigenen Angaben vierzig verschiedenen Biersorten auf dem Kopf trägt. Da war eine ausgestopfte Ente, die ihr Besitzer das gesamte Festival durch die Gegend trug, nur bedingt eine Überraschung. Auf die Frage, warum er denn eine Ente herumträgt, erwiderte der Entenhüter nur: „Die eigentliche Frage ist ja wohl: Warum hast du keine Ente?!“ In etwas abgeänderter Form nahmen sich das die meisten Besucher wohl auch als Motto für das gesamte Festival: „Warum eigentlich nicht?!“

15 leere Dosen = 1 gratis Bier
Auch heuer ließen sich die Müllberge nicht vermeiden, einen Lösungsansatz bot das Festival jedoch wieder in Zusammenarbeit mit Zipfer. Wer fünfzehn leere Dosen zu einer Sammelstelle brachte, der bekam dafür eine kühle frische Dose. Das ließ sich der mokant.at-Redakteur natürlich nicht entgehen und vollzog mit zwei Freunden den Selbsttest. Ergebnis: Eine halbe Stunde Dosen vom Boden sammeln und eine Viertelstunde eben diese zählen, das ergibt 810 Dosen und somit 54 frische Bier. Diese wurden dann, rein um die Glaubwürdigkeit des Selbsttests zu erhöhen, im Laufe des Festivals auch wieder in leere Dosen verwandelt wurden. Alles in allem also ein sehr empfehlenswertes Unterfangen für das nächste Jahr, sollte es die Aktion auch dann wieder geben. Dass man das Ganze auch etwas professioneller durchführen konnte, bewies eine etwa 60-jährige Dame. Am Vormittag sah man sie eifrig Dosen aufsammeln und am Nachmittag zog sie stolz mit einem Einkaufswagen, der mit mindestens zehn Paletten Bier gefüllt war, wieder vom Gelände ab.

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Wenig Beschwerden und viele Kleinkriminelle
Zumindest während des Festivals hielten sich heuer, nach Angaben der St. Pöltner Polizei, die Anrainerbeschwerden in Grenzen. Fraglich ist, ob das so bleibt, wenn die Menge abgezogen ist und wieder nur der Müll zurückbleibt. Ein Problem waren dafür auch dieses Jahr wieder Diebstähle am Campingplatz. Dabei handelte es sich jedoch weniger um organisiertes Verbrechen, als um mehr oder weniger Besoffene, die Spaß daran hatten Zelte leer zu räumen. Nichtsdestotrotz darf man sich auch 2014 wieder auf ein tolles Festival in St. Pölten freuen. Denn Idioten gibt es überall, daran wird sich leider so bald nichts ändern.

Titelbild: (c) FMService/volume.at

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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