Capital Cities: Der Werbung sei Dank!

Werbung, die vielleicht sogar besser als das eigentliche Programm ist.

Für die meisten ist TV-Werbung eine lästige Nebenerscheinung. Seit April ist die Werbewelt in Deutschland dank Vodafone jedoch um einen Spot reicher, der so manchem Hauptabendprogramm locker das Wasser reichen kann. Verantwortlich dafür ist neben dem visuellen Part des Werbespots vor allem die Hintergrundmusik. Mit dem dafür ausgesuchten Song hat Vodafone wohl einen absoluten Glücksgriff gelandet, denn innerhalb kürzester Zeit begab sich anscheinend halb Deutschland im Internet auf die Suche nach eben diesem – und wurde fündig. „Safe and Sound“ heißt das Meisterwerk von der Band Capital Cities, das im deutschsprachigen Raum seither in aller Ohren ist.

Foto: (c) João Lauro Fonte

Foto: (c) João Lauro Fonte

Electro-Beats statt harmonischem Klavierspiel
Gegründet 2009 in Los Angeles demonstrierten die beiden Herren Ryan Merchant und Sebu Simonian, aus denen Capital Cities besteht, neben ihrem Faible für ausgefallene Bärte, auch schnell musikalisches Können. Mit der besagten Single „Safe and Sound“ konnten sie durchaus beachtliche Erfolge in den US-amerikanischen Billboard Alternative-Charts verzeichnen. Der Hit ist eine Auskoppelung aus ihrer Debut-EP, die denselben Namen wie die Band trägt. Außerhalb von Nord-Amerika war die Band aber bis vor kurzem nur einem elitären Kreis ein Begriff. Bis zu eben jenem Tag, an dem Vodafone seinen neuen Spot publizierte. In nur vier Wochen schoss „Safe and Sound“ aus dem Nichts an die Spitze der deutschen Charts. Auch in Österreich sind die zwei Musiker aus den Vereinigten Staaten, die sich gerne von den Pop-Klassikern der 80er Jahre inspirieren lassen, gerade dabei ganz nach oben zu klettern.

Deutschland-Gig vor 150 Menschen
Im Jahr 2012 gelang es den beiden Herren einen Vertrag bei einem größeren Label zu ergattern. So wurden sie im Dezember, gänzlich unabhängig von ihrem Bandnamen, von Capitol Records unter Vertrag genommen. Damit einher ging auch der kommerzielle Aufschwung in den Vereinigten Staaten sowie ein Album, das im Juni erscheinen soll und den Namen „In a Tidal Wave of Mystery“ tragen wird. Kurz zuvor tourten sie auch schon durch Europa und Südamerika. Drei ihrer Gigs fanden sogar in Deutschland statt, doch zu diesem Zeitpunkt hatte anscheinend noch niemand das Potenzial der Band erkannt. Zwischen 18. und 20. September 2012 spielten sie in Berlin, Hamburg und Stuttgart in drei Clubs, die in den Besucherrezensionen als „heimelig“, „gut versteckt“, „verraucht“ aber vor allem als „klein“ beschrieben wurden. So bietet zum Beispiel der Bühnenbereich des Comet Clubs in Berlin, wenn man eben diesen Rezensionen Glauben schenken darf, in etwa 100 bis 150 Personen Platz. Würden die zwei jetzt, also gerade einmal ein halbes Jahr später, nach Deutschland zurückkehren, würden wohl alle drei Clubs zusammen nicht annähernd genug Platz bieten, um den Fan-Ansturm zu fassen.

Kein Einzelphänomen
Capital Cities ist übrigens nicht die erste Band, die sich bei einem Großkonzern bedanken muss. So bewies Vodafone bereits des Öfteren guten Geschmack und verhalf den Dandy Warhols mit „Bohemian Like You“ oder Empire oft the Sun mit „We are the People“ zu kommerziellen Erfolgen. Während zum Beispiel The Caesars in der Schuld der Firma Apple stehen, die 2005 den iPod Shuffle mit der Single „Jerk it out“ bewarb, wäre Shaggy wohl nicht so schnell zu seinen weltweiten Erfolgen gekommen, wenn Levi’s sich nicht für seinen Song „Boombastic“ entschieden hätte. Auch in Österreich kennen wir das Phänomen von der Wiener Zucker-Werbung mit Hans Krankl, die eine Version von „Somewhere over the Rainbow“ nutzte, die sich bis heute hartnäckig in den Playlists der großen Radiosender hält. In diesem Fall konnte der Sänger jedoch nicht mehr von seinem Erfolg profitieren; Israel „IZ“ Kamakawiwo’ole war bereits Jahre zuvor verstorben.

Titelbild: flickr.com/goatling (cc)

Michael Nowak ist als Chef vom Dienst und stv. Chefredakteur für mokant.at tätig. Er studierte Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Geschichte an der Universität Wien. Kontakt: michael.nowak[at]mokant.at

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