BREWTALITY: „Elvis war ja auch eine Maschine“

(c) Michaela Jokl

BREWTALITY nahmen sich während der Aufnahmen fürs neue Album Zeit für mokant.at

BREWTALITY – der Bandname klingt nach brutalen Alkoholikern, im Interview gaben sich Alex, David und Ben aber manierlich und nüchtern. Das Trio sprach über darüber, warum so wenige Bands in Österreich von ihrer Musik leben können. Warum sie trotzdem Musik machen, von welchen Bands sie beeinflusst wurden und was Lady Gaga noch von ihnen lernen kann erfährst du im folgenden Interview.

(C) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Enge Hosen, nackte Oberkörper, Brusthaare und lange Haare. Spricht euch der Rock’n’Roll der 60er und 70er am meisten an?
Alex (Frage an David): Hast du dich rasiert?
David: Ich hatte noch nie Brusthaare. (zeigt seine glattrasierte Brust)
Alex: Also bei mir ist es so: Mir wachsen nun mal Haare auf der Brust, das hat wahrscheinlich hormonelle Gründe. (alle lachen) Es ist auf der Bühne halt manchmal ziemlich heiß. Dann kann es auch schon mal passieren, dass man die Brusthaare zu sehen bekommt.
Ben: Leider.

mokant.at: Damals ward ihr noch nicht geboren. Könnt ihr die Zeit und die damalige Einstellung dann überhaupt richtig verstehen?
Ben: Ich würde mal sagen, natürlich sind wir inspiriert, das ist ja logisch. Letztendlich machen wir aber doch unser eigenes Ding. Led Zeppelin ist halt schon eine Band, wo ich mir denke, von denen haben sich schon sehr viele Bands etwas abgeschaut. Wir sind vielleicht eine davon, aber im Endeffekt wollen wir auch etwas Eigenes kreieren.

(C) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Wenn ihr damals noch nicht geboren ward, haben euch eure Eltern möglicherweise inspiriert?
Ben: Ja, meine Mutter hat viel Bee Gees und Beatles gehört. Die Beatles sind für mich überhaupt eine der größten Legenden.
Alex: AC/DC und Deep Purple hab ich definitiv durch meine Mutter mitbekommen.
David: Naja, bei mir waren es halt mehr so Best Of-CDs mit Deep Purple, Pink Floyd, Led Zeppelin, Queen etc., die mein Interesse an der Musik der 60er und 70er Jahre geweckt haben, explizit haben meine Eltern solche Sachen nicht gehört. Ich war definitiv nicht in einer Rock-Familie.

mokant.at: Auf eurer Internetseite steht, dass Motörhead eines eurer musikalischen Vorbilder ist. Wer ist in eurer Band so der Lemmy (Lemmy Kilmister, Sänger von Motörhead; Anm. d. Red.)? Wer ist das große Rocktier?
David: Ich glaube, das ist der Alex. (alle lachen)

mokant.at: Der Alex ist also derjenige, der mit 1.500 Frauen geschlafen hat und sich von Whiskey ernährt?
Alex: Also davon hab ich nichts gelesen.
David: Naja, nein, eigentlich ist er ein ziemlich braver.
Alex: Offiziell nicht!

(C) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Was wollt ihr mit eurem Bandnamen ausdrücken? Seid ihr so brutale Biertrinker?
Alex: Auf diese Frage sind wir nicht vorbereitet.
David: Der Name ist eigentlich eine Anlehnung an ein Album von der Band „Black Label Society“.
Alex: Wir sind auf jeden Fall eine durstige Band.
Ben: Aber brutal, nein.
Alex: Eine gewisse Brutalität vermittelt die Musik schon im Endeffekt. Es ist laut und es ist hart.
David: Das wird durch den Namen vielleicht teilweise falsch vermittelt.

mokant.at: Es gibt ja durchaus viele Leute, die in extrem harten Bands spielen und privat die nettesten Typen sind.
Alex: Ja, aber umgekehrt genauso.

mokant.at: Das heißt, privat sind die Kastelruther Spatzen eigentlich wilder als ihr, aber auf der Bühne geht ihr mehr ab?
Alex: Genau das wollte ich sagen. Privat sind die Kastelruther Spatzen sicher wilder als wir.
Ben: Nein, wilder als der Alex. (alle lachen)

mokant.at: Wo habt ihr am Anfang geprobt?
Alex: Ja bei der Kirche.
David: Nein. Am Anfang haben wir bei mir zu Hause geprobt, aber das wurde dann irgendwann zu laut. Und dann, naja, ich weiß nicht, ob ich das überhaupt erwähnt haben will, aber wir haben einen Deal abgeschlossen: Wenn wir ein paar Mal in der Kirche spielen, dürfen wir gratis einen Proberaum benutzen.

mokant.at: Dann musstet ihr also Lieder wie „Kumbaya My Lord“ spielen?
David: Klar, wir mussten dann halt kirchliche Lieder spielen. Wir haben aber oftmals während der Kommunion „Hells Bells“ und ähnliches gespielt.
Alex: Also ohne Gesang, instrumental.
Ben: Was Kirchen so alles ermöglichen! (Alle lachen)

mokant.at: Habt ihr dazu auch manchmal Rückmeldung bekommen, weil es jemand erkannt hat?
David: Kaum. Der Großteil der Leute hat das nicht mitgekriegt.

mokant.at: Die Idee finde ich cool.
David:
Ja mir glaubt das auch nie jemand, wenn ich das erzähle.
Alex: Das will keiner glauben. Das passt einfach nicht ins Bild.

(C) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Wie bewertet ihr die österreichische Rockszene?
Ben: Meiner Meinung nach ist Österreich ziemlich hinten nach, wenig offen für internationale Sachen und immer stur auf sein eigenes, bürgerliches …
David: … weil’s immer schon so war.
Ben: Genau.
Alex: Weil Österreich schon immer ein kleines Land war.
David: Man tut sich schon ziemlich schwer in Österreich als Rockband. Man bekommt nichts gezahlt, außer man hat vielleicht einen Namen. Sagen wir es so: Ich bin froh, wenn wir mit keinem Minus am Ende des Monats aussteigen – und da rechnen wir unsere Fixkosten, wie beispielsweise den Proberaum, schon mal generell nicht dazu.

mokant.at: Könnt ihr da auf manche Punkte genauer eingehen?
David: Was ich gerne kritisieren würde, ist die immer mehr um sich greifende „Pay To Play“-Politik. Wir versuchen, keine Gigs zu spielen, wo wir im Vorhinein schon Geld auslegen müssen. Das hat schon damals im Planet Music begonnen, wo du 30 bis 50 Tickets zu einem Fixpreis abnehmen musstest, nur damit du als Vorband spielen darfst. Und vom Weiterverkauf verdienst du einfach nichts, weil manche Preise für kleine Bands unrealistisch sind – sprich du verkaufst die Tickets zum Einkaufspreis weiter. Mittlerweile muss man sehr viel Geld in die Hand nehmen. Die ganze Verantwortung wird auf Bands abgewälzt, indem man gezwungen wird als Veranstalter aufzutreten, wenn man in einem Lokal einen Gig spielen will.
Alex: Sowas ist natürlich nicht schön, es kommt kein Gemeinschaftsgefühl auf. Die haben zwar eine super Anlage, aber das ist dann auch egal.

mokant.at: Die Legende besagt, dass es in jeder Band einen Kontrollfreak gibt. Einer eurer Songs heißt „Pants Down“. Wer hat bei euch die Hosen an und wer zieht sie den anderen aus?
Ben: Kommt auf den Bereich an. In Sachen Organisation hat sie der David an. In Sachen Entertainment und Stimmung vielleicht eher …
Alex: … der Ben. (lacht) Unfreiwilliges Entertainment.
Ben: Ja, wo man sich ansäuft und Spaß hat und die Hosen auszieht wäre das in dem Fall dann der Alex.
Alex: Ich glaube, ich bin vor allem für die Musik zuständig. Nein, wir schreiben eigentlich alle Songs. Wir haben jetzt nicht so den Songwriter. Hauptsache, wir haben Songs und können mit diesen abgehen auf der Bühne.

(C) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Lady Gaga hat einen Song der heißt „Bad Romance“, ihr einen mit dem Namen „Rock’n’Roll Romance“. Was kann Lady Gaga in Sachen Liebe und Romantik noch von euch lernen?
Alex: Mein Tipp: Es kommt nicht immer nur auf das Geld an.
Ben: Ich finde, sie sollte sich mehr auf die Musik konzentrieren und weniger auf die Verpackung.
Ario (Fotograf der Band, ebenfalls anwesend): Ein guter Romantik-Tipp für Lady Gaga wäre mehr Liebe zu Ihrer Kleidung. (alle lachen)
Ben: Ich glaube, eine gewisse Romantik ist ja auch im Sound selbst drinnen. Weil Lady Gaga produziert ja Plastik-Shit. Rock’n’Roll sollte meiner Meinung nach noch immer diesen analogen Akustik-Sound haben.
Alex: Du musst schwitzen, du musst dich anstrengen und du musst diese Anstrengung hören.
Ben: Genau, das ist dann die Romantik und Liebe zur Musik.
Alex: Und nicht immer das Gleiche machen.
David: Po-Po-Po-Po-Pokerface! Das Ding funktioniert und wird durchgezogen.
Alex: Ja aber sie hat doch zu jedem Song unterschiedliche Kostüme.
David: Ich mache es, weil es mir Spaß macht und nicht, weil ich damit Kohle verdiene.
Alex: Das find ich cool von dir. (lacht)

mokant.at: Apropos Geld: Ihr habt für den Red Bull-Brandwagen eine Ein-Tages-Tour gespielt. Wieviel Rock’n’Roll steckt in Red Bull und wo beginnt für euch der Kommerz?
Alex: Also der Rock’n’Roll beginnt und endet mit der Zusammenarbeit von Red Bull.
David: Der Brandwagen ist umsonst und das kriegst du wirklich nirgends. Du könntest auch für eine Woche anfragen. Mit Red Bull „Verpflegung“, inclusive Chauffeur etc. Diese Aktion ist für jede Band offen und man kann sich online dafür bewerben.

(C) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Wie sieht für euch der perfekte Gig aus?
Alex: Wenn das Publikum und die Band miteinander verschmelzen.
David: DAS ist Rock’n’Roll Romance!
Ben: Ja die meisten stehen nur da und denken sich halt: „Ah, wieder mal eine Band. Ich muss jetzt klatschen.“
Alex: Das ist glaube ich ein österreichisches Phänomen. So ein Latino-Publikum stelle ich mir geil vor. Die kommen und feiern, die spüren das Feuer. So wie die Toten Hosen in Argentinien.

mokant.at: In Österreich gehen die Leute aber auch zu den Toten Hosen ab.
Alex: Naja, würde ich nicht so sagen. Ich habe mich da letztens in der Stadthalle in die „Wall Of Death“ reingestellt und es ist nichts passiert.

mokant.at: Ok. Ihr seid derzeit im Studio. Wie sehen eure CD-Pläne aus?
David: Ein Album ist geplant.
Alex: Ein Scheißgeiles Album.
Ben: Ein fuckinggeiles Album.
David: Wir sind auch gerade in Verhandlungen mit einem Label.
Ben: Ich würde auch gerne mal wieder eine Vinyl-Platte rausbringen, weil die schon wieder gefragter sind.

(C) Michaela Jokl

Foto: (c) Michaela Jokl

mokant.at: Hier kommt meine Abschlussfrage: Sex, Drugs and Rock’n’Roll: Wie sehr trifft dieses Klischee auf euch zu?
Ben: Das ist noch immer ein Klischee, in der Realität läuft es auch meistens anders ab.
David: Die Zeit damals, in der dieses Klischee entstanden ist, war ein Ausbrechen aus der Gesellschaft, ein ausprobieren, ein Loslassen von starren Strukturen.
Ben: Für mich wäre es auch Rock’n’Roll, wenn ich verheiratet wäre.
Alex: Es gibt ja auch den Aspekt der Vereinsamung auf Tour bei berühmten Bands. Da fickst du dann zum Zeitvertreib, du nimmst Drogen, damit du im Showgeschäft funktionierst. Und Rock’n’Roll steht dann oftmals an letzter Stelle. Elvis war ja auch eine Maschine, die funktionieren musste.

mokant.at: Alles klar. Noch irgendwelche abschließenden Worte?
Alex: Tschau.
David: Danke an alle, die uns unterstützen und uns bis jetzt die Treue gehalten haben.
Ben: Grüße an alle Fans, meine Eltern und Großeltern sowie an alle Freunde.

mokant.at: Ich danke euch ebenfalls für dieses nette Interview.

Nächste Tourtermine:
14.06.2013: Dr. Krise Rocks On – Arena Beisl Open Air
22.06.2013: Donauinselfest
27.07.2013: Aera

Titelbild: (c) Michaela Jokl

Manuel Stenger war als Redakteur für mokant.at tätig

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.