KSV und FLÖ im Streitgespräch: „Verheerende Ellbogenmentalität“

Lukas Fasching vom KSV und Florian Kraushofer von der FLÖ im Streitgespräch zur ÖH-Wahl.

„Wir haben schon oft miterlebt, wie die ÖH in Verhandlungen mit den Ministerien gescheitert ist. Es braucht wieder große Proteste, um in der Bildungslandschaft etwas zu unserem Vorteil zu bewegen.“ Trotz solcher Aussagen wirkt Lukas Fasching (Kommunistischer Studentenverband; KSV) im Gespräch nicht gerade wie das Abbild eines radikal-revolutionsfreudigen Kommunisten. Vielleicht verwundert es deswegen wenig, dass er in einigen Gesichtspunkten mit Florian Kraushofer (Unabhängige Fachschaftslisten Österreichs, FLÖ) übereinstimmt. Warum Proteste in der ÖH strukturierter sein müssten und warum die FLÖ selbst zugibt, sich zu wenig um ausländische Studenten gekümmert zu haben, gibt es in diesem Streitgespräch nachzulesen.

mokant.at: Nimmt die FLÖ ein politisches Statement des KSV genauso ernst, wie eines von einer stimmenstärkeren Fraktion wie der AG?
Florian Kraushofer: Wir würden uns auf jeden Fall damit befassen, nur nicht direkt darauf reagieren. Wir schreiben ja auch keine Presseaussendungen und im persönlichen Gespräch würden wir genauso darauf eingehen wie bei jeder anderen Fraktion.

mokant.at: Lukas, fühlt ihr euch von den größeren Fraktionen ernst genommen?
Lukas Fasching: Das kommt auf die Fraktion an. Grundsätzlich fühlen wir uns ernst genommen, das befinde ich auch für wichtig. Wir sitzen ja doch auch in der Bundesvertretung und stellen Anträge, die durchaus Zündstoff für Diskussionen liefern. Ich denke, es ist auch richtig und wichtig, die kleineren Fraktionen ernst zu nehmen. Auch wenn diese allein vielleicht keinen Beschluss abwenden können.
Florian Kraushofer: Die Meinung der kleineren Parteien ist in Diskussionen oft sogar elementarer und überraschender, weil man die Ansichten der großen Fraktionen schon kennt.

mokant.at: Florian, die FLÖ sind ja eine parteiunabhängige Fraktion. Auf eurer Homepage ist dezidiert zu lesen, dass Parteiunabhängigkeit nicht bedeutet, nicht politisch zu agieren. Ist es eine Urangst der FLÖ, auf Grund ihrer Unabhängigkeit medial benachteiligt zu werden?
Florian Kraushofer: Das hätte ich so noch nie gehört. Bei uns muss man Erfahrung sammeln, bevor man poltisch agiert. Die  neueren Mitglieder arbeiten erst einmal auf einer der unteren Ebenen, bevor sie in das politische Umfeld kommen.

mokant.at: Meine Frage war aber, ob ihr befürchtet, von den Medien als Parteiunabhängige nicht ernst genommen zu werden.
Florian Kraushofer: Da habe ich eher die gegenteilige Erfahrung gemacht. Die Aussagen der parteiunabhängigen Fraktionen scheinen für die Medien interessanter zu sein. Wenn die AG dasselbe sagt wie die ÖVP, überrascht das ja keinen mehr.
Lukas Fasching: Ich glaube, dass es bei der FLÖ durch die Zusammensetzung aus verschiedenen Fachschaften schwieriger ist, eine einheitliche politische Linie zu finden. Es kommt dann durchaus auch bei Abstimmungen vor, dass keine einheitliche Meinung vertreten wird.
Florian Kraushofer: Das kommt auf das Thema an.
Lukas Fasching: Aber es kommt schon vor, dass sich bei einer Abstimmung ein Teil von euch für den Beschluss ausspricht und wieder ein anderer sich enthält. Vor allem bei gesellschaftspolitischen Themen.
Florian Kraushofer: Wir sind stolz darauf, dass bei uns kein Klubzwang herrscht. Bei bildungspolitischen Fragen, also dem fundamentalen Teil der ÖH, haben wir klare Standpunkte. Wie du eben gesagt hast: Gerade bei gesellschaftspolitischen Themen haben wir oft verschiedene Meinungen und stimmen dann auch dementsprechend ab.
Lukas Fasching: Ich könnte mir schon vorstellen, dass das ein Problem darstellt. Die gesellschaftspolitischen Themen betreffen eine große Anzahl an Studenten, da wäre es schon wichtig, geschlossen hinter dem parteieigenen Standpunkt zu stehen.
Florian Kraushofer: Es gibt ja kein direktes Wahlrecht der Bundesvertretung und so haben wir in diesen Fragen auch bei der Bundesvertretung keine gemeinsame Linie. Es gibt in den einzelnen Universitätsvertretungen eben unterschiedliche Schwerpunkte.
Lukas Fasching: Das halte ich teilweise für problematisch.

mokant.at: Glaubst du nicht, dass das Fehlen eines klar definierten Standpunktes innerhalb eurer Partei potenzielle Wähler verunsichern könnte?
Florian Kraushofer: In den einzelnen Uni-Vertretungen gibt es einen klar definierten Standpunkt. Gäbe es eine eigentlich wünschenswerte Direktwahl, bräuchte man eine klare Linie. Jetzt hast du auf Bundesebene aber von den einzelnen Universitätsvertretungen entsandte Mandatare. Diese Vertreter werden an den einzelnen Universitäten aus durchaus unterschiedlichen Gründen gewählt. Die Bundesebene sollte für die Wahl der einzelnen Mandatare eigentlich unerheblich sein.

mokant.at: Lukas, du hast in einer Pressekonferenz die Vorgehensweise der aktuellen ÖH- Vertretung kritisiert. Konkret hast du gesagt: „Dass die ‚Politik‘ der etablierten ÖH-Fraktionen vor allem aus Pressekonferenzen und unverbindlichen Absichtserklärungen besteht, wundert mich nicht.“  Spielst du damit auf die Parteiabhängigkeit gewisser Fraktionen an?
Lukas Fasching: Nein, da geht es mir vor allem um die Maßnahmen. Es reicht eben nicht, nur Presseaussendungen zu allen Themen zu schreiben. Es sollte auch darum gehen, mit beispielsweise Gewerkschaften und Arbeitern zusammenzuarbeiten. In weiterer Folge ist es wichtig, gemeinsam Protest aufzubauen.

mokant.at: Der KSV spricht sich für Protestpolitik aus, während auf der Seite der FLÖ zu lesen ist, dass ihr die Fragestellungen der ÖH in einem vernünftigen Dialog lösen wollt.
Florian Kraushofer: Was nicht heißt, dass man nicht auch bei gewissen Themen protestieren kann. Man muss aber auch bezüglich der Aufgaben der ÖH Prioritäten setzen. Die Bildungspolitik ist immer noch unsere Kernkompetenz, nicht irgendwelche Gewerkschaftsproteste.
Lukas Fasching: Darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, dass auch gesellschaftliche Themen die Studierenden betreffen.
Florian Kraushofer: Was stellst du dir denn unter Protesten vor?
Lukas Fasching: 2009 hat es während der Studienproteste (Besetzung mehrerer Hörsäle an österreichischen Universitäten im Oktober 2009; Anmerkung der Redaktion) einen grünen Tisch mit der Regierung gegeben. Da hat man gesehen, dass das nichts genützt hat. Der KSV ist von diesem Zug dann abgesprungen und schlussendlich auch die ÖH. Es hat einfach die Perspektive auf Verbesserung gefehlt.
Florian Kraushofer: Jetzt hast du meine Frage aber noch immer nicht beantwortet: Wie würdest du dir wünschen, dass man in diesen Dingen als ÖH auftritt? Ich erinnere mich an die Votivkirchenbesetzung, in die die ÖH Uni Wien involviert war. Was hätte man da besser machen sollen?
Lukas Fasching: Gerade bei der Votivkirchenbesetzung hat man doch gemerkt, dass sie wirklich etwas gebracht hat. Genau solche Maßnahmen sind sinnvoll. Wir müssten einen großen Protest auf die Straße bringen.
Florian Kraushofer: Die ÖH sollte sich deiner Meinung nach also bei Protesten mehr engagieren?
Lukas Fasching: Nicht nur das – sie sollte sie auch initiieren und aufbauend wirken. Das haben wir bei der maßgeblich von uns beeinflussten Aktion „Studiengebühren blockieren“ getan. Man kann sich natürlich darüber streiten, wie viel das letztendlich gebracht hat.
Florian Kraushofer: Aber das ist genau der Punkt!
Lukas Fasching: Da hat aber auch die Universitätsvertretung Wien bewusst gegen unseren Protest gearbeitet.

mokant.at: Wenn man sich beispielsweise den irrsinnig langen Forderungskatalogkatalog bei Uni brennt ansieht, könnte man meinen, dass die Proteste nicht optimal geplant waren. Wie würde der KSV einen guten Protest angehen?
Lukas Fasching: Man muss sich eben auch mit der Prioritätensetzung befassen. Wie du sagst, es gab bei „Uni brennt“ einen viel zu langen Forderungskatalogkatalog. So etwas ist ein unorganisierter Protest, der letztendlich ins Leere läuft.
Florian Kraushofer: Wobei das Mitmischen der ÖH bei diesen Protesten unerwünscht war.
Lukas Fasching: Die ÖH hat sich da anfänglich distanziert und sich letztendlich erst darauf gestürzt, als sie gesehen hat, dass die Studenten wirklich etwas verändern wollen. Das finde ich schon seltsam. Es hat danach zwar positive Auswirkungen gegeben, aber die Organisation war nicht zufriedenstellend. Eine konkrete Ausrichtung und kleine Etappenziele haben gefehlt.

mokant.at: Für euch müssten die Forderungen also konkreter sein?
Lukas Fasching: Das auf jeden Fall! Und man muss eben kleinere Ziele anstreben, um den Studenten zu zeigen, dass tatsächlich auch etwas erreicht werden kann.
Florian Kraushofer: Prinzipiell sehe ich in der Handlungsweise der ÖH bei Uni brennt keine Fehler. Die Eigeninitiative dieses Protestes war eigentlich sehr gut. Es hat dann leider nach einer Zeit nicht mehr so funktioniert. Nur da wäre es nicht mehr möglich gewesen, von außen einzugreifen. Die Stimmung in den Hörsälen war sehr antiautoritär. Das ist wirklich nicht der Zeitpunkt, von außen Ziele und Handlungsweisen vorzugeben. Es gab Stimmen, die Struktur reinbringen wollten – leider ohne Erfolg.
Lukas Fasching: Genau das ist aber vielleicht das Problem der ÖH: Man muss da mitarbeiten und das ist nicht passiert.
Florian Kraushofer: Ich gebe dir schon Recht, dass Proteste strukturierter sein sollten. Und genau da sehe ich das Problem eures Wunsches nach mehr Aufstand in der Politik. Es fällt uns allen schon schwer, einen Protest gegen die Wiedereinführung der Studiengebühren auf die Beine zu stellen.
Lukas Fasching: Man muss eben die Gründe für das Scheitern suchen. Die Studierenden stehen mittlerweile unter einem starken Leistungsdruck und es setzt sich eine verheerende Ellbogenmentalität durch. Gerade da wäre es wichtig, die gemeinsamen Interessen aufzuzeigen und nach einer Umsetzungsmöglichkeit zu suchen. Die liegt eben nicht in Presseaussendungen. Die vorhin erwähnte Protestaktion „Studiengebühren blockieren“ ist ja im Prinzip an der mangelnden Unterstützung der ÖH gescheitert.

mokant.at: Florian, was hat dich an „Studiengebühren blockieren“  konkret gestört?
Florian Kraushofer: Er hat sehr unorganisiert gewirkt und war außerdem extrem radikalisiert. Dadurch hat man viele abgeschreckt und die Unterstützung durch die breite Masse unmöglich gemacht. Es war nach der Eskalation bei den Senatsblockaden (Mehrere hundert Studentenversammelten sich, um den Zugang zum Universitätssenat zu blockieren, der Protest wurde letztendlich von der Polizei aufgelöst; Anmerkung der Redaktion ) für die ÖH nicht mehr vertretbar, sich da dahinter zu stellen.
Lukas Fasching: Eskalation würde ich das nicht nennen! Es ist in letzter Instanz etwas zu weit gegangen. Das heiße ich nicht unbedingt gut, aber die Leistung der ÖH zu diesem Thema war überhaupt nicht zufriedenstellend. Sich auf Klagen zu konzentrieren ist de facto schon der erste Schritt zur Behinderung eines Protestes.
Florian Kraushofer: Das stimmt nicht, sie haben sich nicht ausschließlich auf die Klagen konzentriert! Es hat den Versuch gegeben, Demos und Kundgebungen zu organisieren. Im Endeffekt war das ganze total eingeschlafen: Die Leute hatten offensichtlich keine Energie mehr, für dieses Thema zu kämpfen. Es gibt diese Debatte seit Jahren und genau da sehe ich das Problem: Wenn man die ganze Zeit dasselbe anspricht, fehlt die Energie. Man muss seine Fronten gezielt wählen.
Lukas Fasching: Der Punkt ist der: Es gibt durchaus Potenzial zum Aufstand, Diskussionsabende zu diesem Thema sind immer voll. Leider hat auch die Zeit gefehlt – da erwarte ich mir schon von der ÖH, dass sie sich früher mit solchen Problematiken auseinandersetzt.
Florian Kraushofer: Es gab ja Versuche. Arbeitsgruppen zu relevanten Themen zum Beispiel. Im Endeffekt kam eine Demo mit 1.500 Leuten zustande.
Lukas Fasching: Das ist extrem wenig. Die Frage ist, wie man richtig große Protestaktionen auf die Beine stellen kann. Abzuwarten wie die ÖH, ist definitiv nicht der richtige Weg! Wenn man sich eben nur auf Klagen konzentriert, funktioniert das auch nicht.
Florian Kraushofer: Man hat sich doch nicht nur auf Klagen konzentriert, sondern gleichzeitig auch versucht, Proteste auf die Beine zu stellen. Ersteres hat eben im Gegensatz zu den Protesten auch funktioniert!
Lukas Fasching: So wäre mir das nicht vorgekommen!
Florian Kraushofer: Das System mit den Klagen war im Endeffekt sinnvoll. Ich finde es schade, dass die Proteste daneben keinen Fuß fassen konnten.

mokant.at: Ihr sprecht euch beide sowohl gegen Zulassungsbeschränkungen, als auch gegen Studiengebühren aus. Wie sehen eure Lösungsvorschläge für überlaufene Unis aus?
Florian Kraushofer: Es gibt prinzipiell zwei Wege, wenn nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen: Ich kann einerseits die Studierenden raushauen; das ist sicher der einfachste Ausweg für die Universitäten und die Regierung. Der Schritt hat allerdings auch negative Auswirkungen: Die Universitäten haben deswegen immer noch nicht mehr Geld und es gibt weniger Absolventen. Die andere Art und Weise wäre, die Universitäten so zu optimieren, dass sie allen Studierenden einen Ausbildungsplatz sichern können. Wichtig wäre auch, dass Beratungssystem auszubauen.
Lukas Fasching: Dass es überrannte Studienfächer gibt, wissen wir durchaus. Ich bin aber auch der Meinung, dass es da an der Information scheitert. Viele junge Leute wählen Massenstudien wie BWL, weil sie nicht wissen, was sie überhaupt studieren wollen. Insofern wäre es sinnvoll, die Beratungsangebote zu verbessern. Es geht hier auch um eine generelle Entwicklung im kapitalistischen System: Die Universitäten werden langsam in elitäre Zentren verformt. Gerade die Aussage von Wissenschaftsminister Töchterle, dass Universitäten per se etwas Elitäres sind, zeigt diese Tendenz auf. Die Krise wird viel zu oft als Legitimationsgrund für Studiengebühren herangezogen, dabei wären diese nur eine weitere soziale Selektion und das ist zu verurteilen.

mokant.at: Wäre die bessere Beratung der Studierenden nicht Aufgabe der ÖH?
Florian Kraushofer: Das müsste bereits an den Schulen beginnen. In Wahrheit wäre es also eine Aufgabe der Regierung, die natürlich mit der ÖH-Vertretung zusammen arbeiten. Wir haben die Maturanten-Beratung der ÖH in den letzten Jahren nachhaltig ausgebaut und auf ganz Österreich ausgedehnt. Das war sicher ein wichtiger Schritt.

mokant.at: Ich habe als konkrete Maßnahmen bis jetzt nur herausgehört, die Studenten besser zu beraten. Reicht das?
Florian Kraushofer: Und die Universitäten besser zu finanzieren! In diesem Punkt sind sich alle Fraktionen und die Regierung einig. Diesem Problem durch Zulassungsbeschränkungen auszuweichen, halte ich für eine Flucht in die einfachste aller Lösungen.
Lukas Fasching: Die Ausfinanzierung der Hochschulen wäre ein wirklich notwendiger Schritt. Studiengebühren würden diesbezüglich erst in der Höhe von mehreren Tausend Euro etwas bringen.

mokant.at: Wieso schafft es die ÖH bei einer solchen Einigkeit nicht, ihre dringenden Forderungen durchzusetzen?
Florian Kraushofer: Ich würde mich jetzt tatsächlich auf die Regierung hinausreden. Es gibt ja einen Nationalratsbeschluss, der besagt, dass die Hochschulfinanzierung bis 2020 auf zwei Prozent des BIP ausgebaut werden soll. Der Wille und die Erkenntnis der Notwendigkeit wären also vorhanden. Bei dem Budgetbeschluss wird das aber nie durchgesetzt. Die Regierung will in allen Bereichen sparen. Langfristig ist das natürlich sinnlos, weil ein hoher Bildungsstandard Österreich wirtschaftlich stark macht. Man kann eben auch nicht mehr machen, als sich dafür einzusetzen.

mokant.at: Wenn eine solche Unzufriedenheit unter den Studierenden herrscht – wieso laufen sie denn dann keiner radikaleren Gruppierung wie den Kommunisten zu, sondern wählen die Fraktionen alteingesessener Parteien?
Lukas Fasching: Man muss Wahlausgänge auch an den finanziellen Mitteln messen. Wenn eine Fraktion von der ÖVP gesponsert wird, kann eben ein effizienterer Wahlkampf betrieben werden. Die AG versteht es zum Beispiel gut, ihren Wählern vor Augen zu führen, welche Partys sie veranstaltet und welche Kalender sie gedruckt haben. Sie fixieren sich eben auf den für die Studenten präsenten Serviceaspekt und einen Unterhaltungsfaktor, was ich für sehr bedenklich halte. Die ÖH sollte wieder mehr mit den Studierenden zusammenarbeiten und nicht nur als reine Stellvertreterinstitution agieren.

mokant.at: Die Arbeitsweise der ÖH steht aber nicht wirklich in kausalem Zusammenhang mit der Stimmenstärke des KSV. Wieso wählen so wenige Studenten die kommunistische Fraktion?
Lukas Fasching: Das Interesse an den ÖH-Wahlen ist stark zurückgegangen, was sie sich nicht zuletzt selbst zuzuschreiben hat. Das trifft eben die kleineren Fraktionen besonders stark. Da sind im Wahlkampf präsentere Parteien wie die AG eben bevorzugt.

mokant.at: Schreckt Kommunismus ab?
Lukas Fasching: Diese Diskussion gibt es auf allen politischen Ebenen. Wir sollten an unserem Programm gemessen werden und nicht etwa an Nordkorea. Wenn wir es schaffen unsere Arbeit nach außen zu transportieren, sehe ich keine Gefahr, dass uns Studierende aus Angst nicht wählen würden.

mokant.at: Florian, euer Ziel für die Wahl 2013 ist, an jeder Uni in der Exekutive vertreten zu sein. Ihr tretet an der Uni Innsbruck und MedUni Wien zum ersten Mal an. Sind da diese Erwartungen nicht etwas hochgesteckt?
Florian Kraushofer: Ich finde diese Fragen nach den Wahlzielen immer seltsam. Das Wahlziel ist natürlich, möglichst gut abzuschneiden.

mokant.at: Ich habe dich ja auch nicht nach einem konkreten Wahlziel gefragt, sondern schlicht und einfach, ob du diese Erwartungen für realistisch hältst.
Florian Kraushofer: Ich halte es durchaus für möglich, die absoluten Mehrheiten der AG an diesen beiden Universitäten zu brechen. Es wäre sicher wichtig, dort etwas frischen Wind reinzubringen und mit den anderen Parteien konkrete Verbesserungen zu bewirken.

mokant.at: Ihr seid ja seit Juli 2011 wieder in der Exekutive und stellt seit 2012 mit Martin Schott sogar den Vorsitzenden der Bundesexekutive. Was für konkrete Maßnahmen wurden in dieser Zeitspanne durch die Teilnahme der FLÖ an Entscheidungen gesetzt und welche Verbesserungen erreicht?
Florian Kraushofer: Ich fand die bildungspolitische Arbeit in den letzten zwei Jahren sehr gut, obwohl das kaum nach außen dringt. Die kleinen Maßnahmen, die man durch Mitsprache bei Regierungsbeschlüssen setzen konnte, sind wichtige Schritte. Die Hochschulkonferenz wurde eingeführt, das war ein Fortschritt. Die Universitätsvertretungen der ÖH wurden in den letzten Jahren viel besser vernetzt. Da sind sehr gute Möglichkeiten der Zusammenarbeit zustande gekommen.

mokant.at: Habt ihr eure Ziele für die Zeit in der ÖH-Exekutive erfüllt?
Florian Kraushofer: Es hat sich leider in den letzten Jahren in der Bildungspolitik sehr viel verschlechtert, wobei ich nicht glaube, dass die ÖH sehr viel hätte besser machen können. Die SPÖ ist umgefallen und der politische Wille der ÖVP hat sich stark durchgesetzt.

mokant.at: Lukas, siehst du konkrete Verbesserungen durch die ÖH in der Zeit der FLÖ in der Exekutive?
Lukas Fasching: Die Situation ist nicht besser geworden, wobei das nicht nur auf die ÖH zurückzuführen ist. Wir laufen trotzdem auf einen Abgrund zu. Es zeigen sich drastische Entwicklungen, was die Finanzierung des Bildungssystems betrifft. Es wird Zeit, den Studierenden bewusst zu machen, um wie viel es geht und wie man die Ziele gemeinsam erreichen kann. Dass die Julis, die sich als einzige Fraktion für die Studiengebühren einsetzen, so gut ankommen, zeigt die Missstände auf. Da scheitert es eben wieder an den Maßnahmen.
Florian Kraushofer: Schauen wir uns das doch anhand eines Beispiels an. Eine wirklich drastische Verschlechterung der letzten Jahre ist die Herabsetzung des Endes des möglichen Bezugs der Familienbeihilfe auf 24 Jahre. Was hätte sich die ÖH da deiner Meinung nach überlegen sollen?
Lukas Fasching: Es existieren eben unterschiedliche Arten von Protest, nicht nur die klassischen Demonstrationen.
Florian Kraushofer: Die ÖH besteht aber nicht nur aus Protest. Das ist auch ein Grund, wieso noch immer so viele Leute die AG wählen. Die AG verkauft ihren Service gut, sie vernachlässig eben den Rest. Die linken Fraktionen haben vielleicht wiederum Probleme im Servicebereich.

mokant.at: Die Wähler spricht dieses Service offensichtlich an.
Florian Kraushofer: Ja, die AG verkauft auch sehr gut, dass sie die einzigen sind, die guten Service bieten. Das stimmt de facto nicht, es gibt genug funktionierende Serviceangebote an verschiedenen Hochschulen, die von ihnen unabhängig sind. Wenn man sich im Hintergrund für bessere Studienpläne einsetzt, sieht man das eben nicht so.

mokant.at: Lukas, ein wichtiges Anliegen eurerseits ist ja die Integration ausländischer Studenten und ihre Teilnahme an Entscheidungsprozessen in der Bildungspolitik.Habt ihr das Gefühl, dass sich in der Zeit der FLÖ in der Exekutive diesbezüglich etwas getan hat.
Lukas Fasching: Die linken Fraktionen wie die FLÖ haben sich auch für die migrantischen Studierenden eingesetzt. Mir ist allerdings aufgefallen, dass die Betroffenen sich trotzdem nicht vertreten fühlen. Genau das wollen wir als solidarische Linke (neues linkes Bündnis aus KSV, Linkswende und Young Struggle bei der ÖH Wahl 2013 an der Universität Wien; Anmerkung der Redaktion) mit einer migrantischen Organisation aufzeigen.

mokant.at: Florian, wurden eurerseits konkrete Maßnahmen gesetzt, oder blieb es mehr bei den Versuchen?
Florian Kraushofer: Es gab schon den ein oder anderen Versuch. Es war nicht immer ein Schwerpunktthema der ÖH. Man muss ehrlicherweise sagen: Es ist uns zu spät aufgefallen, dass sich die Studierenden aus anderen Ländern nicht genug vertreten fühlen.
Lukas Fasching: Wir haben an der Universität Wien eine Unterschriftenaktion gegen die doppelten Studiengebühren am Laufen und unser Spitzenkandidat (Berk Özdemir; Anmerkung der Redaktion) ist Türke und somit nicht passiv wahlberechtigt. Damit wollen wir die Absurdität aufzeigen, dass man jahrelang hier studieren kann und trotzdem nicht gewählt werden darf.

Judith Schrenk ist als Redakteurin für mokant.at tätig.

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