Reiseguide: Belgrad

Reisetipps für Belgrad: In Belgrad kann man eine unkonventionelle Seite Europas entdecken

Foto: (c) Martin Fellner

Foto: (c) Martin Fellner

Die Hauptstadt Serbiens, Belgrad („weiße Stadt“), ist eine Stadt der Gegensätze. Früher war sie das Zentrum des Vielvölkerstaates Jugoslawien. Doch nach dem blutigen Zerfall in den 1990er-Jahren, bleiben nur noch einige Bauwerke und die Erinnerung an diese vergangene Zeit. Trotzdem – oder vielleicht deswegen – ist Belgrad eine lebendige Stadt, in der es vieles zu entdecken gibt. In diesem Guide gibt es die wichtigsten Tipps für Belgrad-Besucher.

Tipp 1: Anfahrt und Unterkunft
Flüge nach Belgrad sind ab 60 Euro zu haben, doch wenn man zeitlich nicht ganz flexibel ist, ist der Bus eine gute Alternative. Der kostet immer günstige 50 Euro – hin und retour – bei einer Fahrtzeit von etwa neun Stunden. Als Unterkunft fürs kleine Börserl ist eine der zahlreichen Jugendherbergen in Zentrumsnähe zu empfehlen. Dort kann man schon für fünf Euro pro Nacht unterkommen und braucht keine zehn Minuten ins Zentrum. Wem die Hostels aber nicht komfortabel genug sind, der kann auch ein Hotelzimmer nehmen. Diese gibt es ab 40 Euro pro Nacht. Für Zentrumsnähe muss man allerdings mit einem Aufschlag rechnen.

Tipp 2: Kontaktfreudige Belgrader in Tour-Planung miteinbeziehen
Die jüngeren Belgrader sind sehr kontaktfreudig und geben gerne Auskunft und Tipps für Restaurants, Museen oder Sehenswürdigkeiten. Am besten gleich den Stadtplan zücken und die Orte eintragen lassen. So manch interessantes Gespräch über Serbien nimmt so seinen Anfang.

Tipp 3: Auf ins Kafana
Die Kafanas gibt es überall im ehemaligen Jugoslawien. Dieser Begegnungsort ist eine Mischung aus Restaurant, Bar und Café. Der Name kommt auch aus dem Türkischen und heißt schlicht „Kaffee-Haus“. In diesem gibt es aber nicht nur Kaffespezialitäten sondern auch eine große Auswahl an einheimischen Gerichten. Wer also traditionelles serbisches Essen will, ist im Kafana gut aufgehoben.  Eine Hauptspeise kostet umgerechnet zwei bis drei Euro und genügt auch bei großem Appetit.

Das bekannteste Kafana trägt den interessanten Namen „?“. Es ist leider ein wenig teurer als andere Kafanas, hat dafür eine bewegende Geschichte und steht seit einigen Jahren unter Denkmalschutz. Um sich in Serbien kulinarisch einzuleben sollte man Pljeskavica, im Grunde eine Art Fleischlaberl, ausprobieren. Diese Speise gibt es in mehreren Variationen: auf dem Teller mit verschiedenen Beilagen oder auch als eine Art Hamburger im Brot. Zur Hamburger-Variante gibt es eine große Soßen-Auswahl.  Die serbischen Pljeskavica sind meist sehr fettig und daher nicht unbedingt eine leichte Kost.

Foto: (c) Martin Fellner

Foto: (c) Martin Fellner

Tipp 4: Street Art entdecken
Auch ohne organisierte Tour lässt sich in Belgrad vieles entdecken. Die Stadt ist übersät mit Graffitis aller Art. Vom kleinen Möchtegern-Graffito bis zum hausgroßen Kunstwerk lässt sich alles finden. Die Stadt profitiert von dieser unkonventionellen Art der Auflockerung. Die Graffitis sind oft eine gelungene Abwechslung zum oft sehr tristen Anblick einiger Stadtviertel.

Ungewöhnlich für den Besucher aus Mitteleuropa ist in Belgrad die Nähe von komplett heruntergekommenen Häusern zu den frisch renovierten. So kann es sogar sein, dass das Erdgeschoss eines Hauses komplett neu ist und alle anderen Stockwerke darüber jedoch abrissreif scheinen.

 

Tipp 5: Nikola Tesla – der Nationalheld und seine Überreste
Es gibt viele interessante Museen in Belgrad, doch das Nikola Tesla Museum ist besonders hervorzuheben. Dort befinden sich nicht nur die sterblichen Überreste des Entdeckers des Elektromagnetismus, sondern auch mehrere Erfindungen, die unser Leben empfindlich beeinflussen. Tesla mag in unseren Breiten nicht so bekannt sein, aber in Serbien wird er als einer der größten Wissenschaftler verehrt und ein abschätziges Wort über ihn sollte man sich daher besser verkneifen.

Tipp 6: Fortgehen im BIGZ und anderswo …
Das Nachtleben in Belgrad bietet eine große Vielfalt an Ausgehmöglichkeiten. Von einfachen Bars über Clubs bis hin zu ehemals besetzten Gebäuden lässt sich alles finden. Besondere Bekanntheit hat das BIGZ-Gebäude. Bis in die Achtzigerjahre hinein war dort die Staatsdruckerei Jugoslawiens. Danach wurde die Druckerei aufgelassen und etwa ab dem Jahr 2000 wurde es das kulturelle Zentrum Belgrads. Es gibt dort neben Bars und Nachtclubs aber immer noch Büros, Künstler- und Musikstudios. Einen Besuch im sieben-stöckigen BIGZ sollte sich niemand entgehen lassen.

Sehenswert ist auch das Kulturni Centar Grad oder auch kurz K.C. Grad genannte Kulturzentrum. Dort gibt es ab Donnerstag jeden Tag Livemusik, davor Kulturveranstaltungen aller Art. Das K.C. Grad befindet sich in einer alten Fabrikhalle aus dem 19. Jahrhunderts und hat dadurch einen sehr industriellen Charme. Allgemein hat Belgrad ziemlich viele Locations zu bieten und irgendeine Bar oder ein Club lässt sich immer finden.

Was du auf keinen Fall machen solltest:
1.
Auf vegetarische Speisen hoffen. In Serbien gibt es nur eines: Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch. Für Vegetarier (oder gar Veganer) ist Belgrad ein kulinarisch schwieriges Pflaster.
2. Gedankenlos über die Jugoslawienkriege sowie serbische Kriegsverbrecher reden. Bei längeren Gesprächen kommt das Thema irgendwann bestimmt auf.
3. Auf Beschriftung in lateinischer Schrift hoffen. Serbien hat als offizielles Schriftzeichen das kyrillische Alphabet, das lateinische Alphabet wird nur im Alltag verwendet.
4. Leichtfertig Rakija trinken. Dieser serbische Obstler mag zwar geschmacklich mild sein, aber selbstgebrannter Slivovic (Marillenschnaps) kann bis zu siebzig Prozent Alkohol enthalten!
Titelbild: flickr.com/Pascal Mages (cc)

Martin Fellner ist als außerordentlicher Redakteur für mokant.at tätig. Kontakt: martin.fellner[at]mokant.at

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