Film/riss: Auf der Suche nach Licht

Bei Einbruch der Dunkelheit suchen tausende Jugendliche in Conakry beleuchtete Plätze

Wenn es in Österreich Abend wird und wir noch Lust auf ein gutes Buch oder die Tageszeitung haben, braucht man nur einen Schalter zu betätigen und das Licht geht an. Doch was bedeutet es, auf etwas für uns so selbstverständliches wie eine funktionierende Stromversorgung verzichten zu müssen? Mit diesem Umstand beschäftigt sich der Film „Black Out“ der Regisseurin Eva Weber. Die Dokumentation wurde beim Internationalen Filmfestival der Menschenrechte 2013 gezeigt.

Licht bedeutet Wissen …
Der westafrikanische Staat Guinea ist an seinem Bruttoinlandsprodukt gemessen eines der ärmsten Länder der Welt. Höhere Bildung ist hier keine Selbstverständlichkeit und bedeutet für viele junge Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben. Da es oftmals an Strom im Haushalt fehlt, wandert jede Nacht eine große Zahl von Lernhungrigen zu beleuchteten Plätzen wie dem Flughafen oder zu Tankstellen. Oftmals müssen sie dabei eine Strecke von sieben oder mehr Kilometer hin- und wieder zurücklegen. Neben der großen Distanz zur nächsten Lichtquelle spielen auch weitere Faktoren eine Rolle. So kann vor allem der Weg nach Hause gefährlich werden. Eine der befragten Akteurinnen berichtet von ihrer täglichen Angst vor Überfällen oder Vergewaltigung. Ein anderer Studierender erzählt von seiner Pflicht, als ältester Sohn später einmal für die Versorgung seiner Verwandten verantwortlich zu sein.

Neben Schülern und –innen kommt in Black Out auch ein Lehrer zu Wort. In einer Klasse mit bis zu hundert Kindern sieht er vielen die Müdigkeit in der Früh an, da diese bis um drei oder vier in der Nacht gelernt haben. In Guinea hat nur jeder Fünfte Zugang zu Elektrizität. Strom im Haushalt bedeutet keine sichere Lichtquelle, denn oftmals kommt es zu Ausfällen der Energieversorgung. In Black Out erzählen die Angestellten des naheliegenden Elektrizitätswerks von Anfeindungen, selbst wenn sie die Störungen nicht verschuldet haben.

Bildung und Elektrizität werden in dem Film mit einem weiteren Punkt verknüpft, der Politik. Diese wird für die verpassten Chancen verantwortlich gemacht. Die Eliten im Land und ausländische Investoren beuten der Meinung vieler Menschen nach Guinea aus und berauben es seiner Ressourcen. Man hat den Eindruck, als wären die Hoffnungen in die neue demokratische Regierung bei vielen schon wieder verflogen.

… aber Wissen nicht unbedingt Macht
Regisseurin Eva Weber war ebenfalls bei der Vorstellung anwesend. Ihre größte Inspiration war das Engagement der Protagonisten und Protagonistinnen. Denn eine gute Ausbildung bedeutet für Menschen in Guinea nicht automatisch auch einen sozialen Aufstieg. Meist haben jene die besten Chancen am Arbeitsmarkt, die im Ausland studiert haben und nach Guinea zurückkommen. Diese Ungewissheit merkt man auch den Jugendlichen in Black Out an. Einerseits den Ehrgeiz, um für sich und die Familie eine bessere Zukunft zu schaffen; andererseits das Bewusstsein, geringe Chancen vorzufinden. Und trotzdem machen sie sich Abend für Abend an Orte auf, die ihnen Licht zum Lernen bieten.

Was Black Out empfehlenswert macht, ist vor allem die einzigartige Thematik des Films. So einfache Dinge wie Elektrizität bestimmen den (Lern-)Alltag der jungen Menschen in Guinea. Dabei werden die gezeigten Personen nicht als Opfer dargestellt, sondern als Menschen mit Stolz, die trotz widriger Umstände ihr eigenes Schicksal in die Hand nehmen wollen.

Dass die Kinder und Jugendlichen am Flughafen oder an Tankstellen sitzen, ist laut Weber von den Leuten in Conakry akzeptiert. Auch wenn es nicht den Vorschriften entspricht, vertreiben die Securities am Flughafen die jungen Menschen nicht. Möglicherweise haben ja auch sie Kinder, die nach einer besseren Zukunft streben.

Titelbild: (c) thishumanworld 2013

Manuel Stenger war als Redakteur für mokant.at tätig

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.