Peter Schattschneider: „Wissenschaft ist der Buhmann“

Science Fiction verkomme immer mehr zu Esoterik, so TU-Professor Schattschneider

(c) Peter Schattschneider

(c) Peter Schattschneider

Peter Schattschneider ist Physikprofessor an der TU Wien sowie Autor mehrerer Science-Fiction-Bücher, wie etwa seiner neuesten Kurzgeschichtensammlung „Selbstgespräch mit Protoplasma“ (2009). Im Interview erzählt Schattschneider von seiner seit Jahren ausgebuchten Vorlesung „How science inspires science fiction“. In dieser in Englisch gehaltenen Blockvorlesung, die Teil des ATHENS-Programms ist, werden Science-Fiction-Kurzgeschichten in Kleingruppen analysiert und auf physikalische und mathematische Richtigkeit geprüft. Schattschneider spricht über das mögliche Ende der Vorlesung, die Rolle von Science-Fiction Romanen und Technik in der heutigen Gesellschaft, die Science Busters und warum der moderne Boom um Wissenschaft eigentlich nur ein Kratzen an der Oberfläche der Wahrheit ist.

mokant.at: Kann man eigentlich etwas aus ihren Kurzgeschichten nachrechnen?
Schattschneider: Ha! (lacht) Ja, man kann. Zumindest einiges. Ich werde aber den Fehler bei der nächsten Story nicht mehr machen. Ich habe einmal eine längere Geschichte über interstellare Raumfahrt geschrieben. Natürlich unter Lichtgeschwindigkeit und bei Beschleunigungen im Bereich der Erdbeschleunigung – physikkonform sozusagen. Dabei geht es um die relativistische Zeitdilatation und das Zwillingsparadoxon, wenn ein Sternenfahrer immer wieder mit sehr hohen Geschwindigkeiten zwischen den Sonnensystemen pendelt. Der Astronaut kommt dann nach, sagen wir mal, zehn Jahren von Alpha Centauri zurück, ist aber nur sechs Jahre gealtert. Sein Zwillingsbruder ist dann um vier Jahre älter. Und wenn man das sehr lange Zeit macht, gibt es Generationenprobleme, die natürlich literarisch interessant sind. Das habe ich also gerechnet, für eine ganze Familie von Sternenfahrern. Ich habe sicher zwei, drei Wochen daran herumgebastelt und war dann sehr zufrieden, dass das alles zusammenpasst. Aber ich habe von Lesern nie auch nur die kleinste Reaktion darauf bekommen. Wenn ich irgendwas erfunden hätte, wäre es genauso gut gewesen. Die Story heißt „Das Whisky Syndrom“ und ist in meinem zweiten Storyband „Singularitäten“ erschienen.

mokant.at: Können sie uns weitere Science-Fiction Literatur empfehlen?
Schattschneider: Das ist eine sehr schwierige Frage, weil es leider nicht so ist, dass die Storys, die wir in der Vorlesung besprechen auch literarisch gut wären. Im Allgemeinen ist es eher umgekehrt. Die Storys, die literarisch gut sind, enthalten schrecklich wenig Technik und Wissenschaft. Zeitlos sind die Sachen von Jules Verne und von Wells. Niven ist wahrscheinlich, obwohl er technisch viel hergibt, literarisch eher uninteressant. Clarke ist durchaus ein guter Kompromiss, bei dem man beides vorfinden wird..

mokant.at: Die Vorlesung heißt „How science inspires science fiction“. Funktioniert das auch in die umgekehrte Richtung? Wie beeinflusst Science-Fiction die Wissenschaft?
Schattschneider: In der Regel haben die Autoren, die wir auch in der Vorlesung diskutieren können, diejenigen, die einen naturwissenschaftlich technischen Background besitzen. Clarke war Nachrichtentechniker. Von Jules Verne wissen wir, dass er auf der Höhe seiner Zeit war und alle technischen Neuerungen kannte. Larry Niven hat Physik studiert. Auf diese Weise inspiriert Wissenschaft und Technik die Science-Fiction. Allerdings handelt es sich dabei um eine ganz bestimmte Science-Fiction: Die sogenannte Hard SF. Diese verschwindet leider mehr und mehr aus der Wahrnehmung des Publikums. Heute sind möglichst voluminöse Trilogien und Tetralogien, aus idealisierten Welten, in denen kaum mehr konkrete Technik und Wissenschaft vorkommen, beliebt. Das ist eher Mystik und Esoterik.
Umgekehrt – SF Richtung Technik – gibt es wenig. Man könnte hier vielleicht einige neue Methoden aus der Optik nennen, welche mit Metamaterialien einen Tarnkappeneffekt erzeugen, oder hochtheoretische Abhandlungen über die Möglichkeit von geschlossenen Weltlinien, die auf Fantasien über Zeitreisen zurückgeführt werden können. Gesichert ist, dass Wernher von Braun, der „Vater“ der Mondlandung, seine Begeisterung für Technik auf die Lektüre von SF – damals waren das utopische Romane – zurückführt. Krass gesagt, ohne SF hätte die Mondlandung nicht stattgefunden.

mokant.at: Technikaffinität liegt doch momentan im Trend. Liegt da nicht eigentlich auf der Hand, dass auch Science-Fiction wieder populärer wird? Oder ist das, was wir als Science-Fiction wahrnehmen, eher eine Fantasy-Richtung?
Schattschneider: Ich sehe keine Umkehr des Trends in Richtung Technikinteresse. Das hat mir auch mein Freund und Lektor Franz Rottensteiner vor Kurzem wieder bestätigt. Er sieht keine Umkehr dieses Trends, der sicherlich schon seit einem Jahrzehnt besteht und immer mehr in Richtung Fantasy geht. Es geht alles in Richtung Fantasy.

mokant.at: Was ist der Grund dafür, dass Hard Science-Fiction nicht mehr populär ist?
Schattschneider: Das ist eine sehr tiefe Frage. Ich konstatiere in der Gesellschaft generell eine Abkehr von Technik und Wissenschaft. Wissenschaft ist der Buhmann für viele Dinge. Auch der Bio- und Ökotrend, der zu einem guten Teil auf Wunschdenken und weniger auf Fakten gebaut ist, wenn ich das so sagen darf, trägt zu dieser Sichtweise bei. Diese Gesellschaft ist der Meinung, keine Wissenschaft und Technik mehr nötig zu haben, weil sowieso alles schon vorhanden ist. Im iPad stecken tausende Personenjahre an technischer Entwicklung. Es ist absolut phantastisch, zu welcher Perfektionierung eine subtile Verflechtung von Entdeckungen und Entwicklungen, vorwiegend aus der Festkörperphysik, getrieben werden kann. Die Festplattentechnologie beruht auf einem wunderbaren quantentheoretischen Effekt, für den es 2007 den Nobelpris gab, aber das ist den Leuten, die das benutzen, eigentlich ziemlich egal: Man drückt auf den Knopf und alles ist da. Und Strom kommt sowieso aus der Steckdose.

mokant.at: Sie wollen damit sagen, dass Sie generell einen Rückgang der Technikaffinität beobachten.
Schattschneider: Ja, ich konstatiere ganz generell ein Technikdesinteresse. Man braucht nur an einer Buchhandlung vorbeigehen. Jedes Jahr sehe ich mehr Esoteriktitel in den Auslagen. Das gab es früher auch schon. Das kommt in Wellen, aber die letzte Welle ist beständig. Der Hauptgrund ist vermutlich die Delegitimierung des reinen Wissens in der Postmoderne. Im österreichischen Schulunterrichtsgesetz stand zu meinen Schulzeiten noch: Das Ziel der Schule sei die Vermittlung des Wahren, Guten und Schönen. Der Erkenntnisgewinn war zentral. Ob die Erkenntnis einen Nutzen hatte oder nicht, war zweitrangig. Alle technologischen Errungenschaften, die wir heute haben, beruhen auf diesem Zugang. Die Techniker und Wissenschaftler, die Dinge erfunden oder erforscht haben, haben das nicht gemacht, um einen Nutzen davon zu haben. Sie wollten wissen, wie etwas funktioniert. Einstein hat sicher nicht das GPS-System im Kopf gehabt, als er seine Relativitätstheorie entwickelt hat. Er wollte wissen, wie die Natur funktioniert. Und das hat bis zum Beginn der Postmoderne geklappt. Dann aber hat sich die Legitimierung von Wissenserwerb verändert. Erkenntnis wurde durch Nutzen ersetzt: Wissen muss nützen, möglichst rasch und unmittelbar. Die Postmoderne hat auch die Wahrheit relativiert. Die Wahrheit war nicht mehr so interessant. Das hängt einerseits mit der Relativierung des Wahrheitsbegriffs zusammen, der von gewissen sozialwissenschaftlichen und philosophischen Schulen des Konstruktivismus übernommen wurde. Alles Mögliche kann wahr sein. Die Wahrheit ist relativ geworden. Das ist natürlich für die Naturwissenschaften dumm und falsch.
Ein weiterer Grund ist die Verknappung der Ressourcen im weitesten Sinn. Wenn Sie heute Erfolg haben wollen, müssen Sie eine surreale Kombination von Fähigkeiten nachweisen oder vorgeben. Die Vita eines PostDoc Kandidaten muss ja heute schon nach Nobelpreis riechen. Da muss man natürlich darauf schauen, dass man sich zuerst das Nützliche aneignet, möglichst schnell. Für Erkenntnis bleibt da keine Zeit. Postmoderne Delegitimierung und Karrieredruck gehen Hand in Hand. Was Ursache und was Wirkung ist, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls sind wir heute von den Idealen der europäischen Aufklärung meilenweit entfernt.

mokant.at: Was halten Sie von dem momentan sehr populären Versuch, dem Durchschnittsbürger Wissenschaft und Technik näher zu bringen? Professor Rudolf Taschner betreibt dies zum Beispiel sehr überzeugt.
Schattschneider: Ja, überzeugt und überzeugend. Taschner ist ein richtiger Botschafter der Mathematik. Auch Gruber und Oberhummer von den Science Busters. Das ist durchaus begrüßenswert. Ich finde es toll, was die Kollegen da machen. Das schlägt jedoch nur dann ein, wenn man gewisse Tricks anwendet. Gruber ist da ja eine richtige Rampensau, wenn der Ausdruck gestattet ist. Er kann das unglaublich gut rüberbringen. Das ist nicht jedem gegeben. Natürlich reduziert das auch den Umfang der Themen, die man vermitteln kann. Es muss immer irgendetwas explodieren. Es muss sonst wie spektakulär sein. Das selektiert freilich Themengebiete.

mokant.at: Sie sagen also, es ist nur bedingt möglich, jemanden auf diese Weise für Technik zu begeistern?
Schattschneider: Den Kindern von der Kinderuni kann man nicht erklären, was Sekundärelektronen sind. Aber man kann einen von den Kids mitgebrachten Käfer ins Elektronenmikroskop stecken und ihnen die furchterregenden Beißerchen zeigen. Man muss übersetzen und viel von den entscheidenden Details weglassen – eine Hommage an die Postmoderne. Wenn man aber Faszination für Technik und Wissenschaft weckt, ist die Mission erfüllt. Und damit wären wir wieder bei der SF. Die sollte das auch tun.
Man darf nicht vergessen, dass man nur an der Oberfläche des Verstehens kratzt. Natürlich ist das besser als nichts, aber es entsteht dieses gefährliche „Happy Hour Gefühl“, dass man eh alles ganz leicht versteht. Die Ernüchterung kommt dann oft im Studium. Aber der finale Erkenntnisgewinn wiegt alle Ernüchterung auf. Jedenfalls war das bei mir so.

mokant.at: Sie sind schon seit mehreren Jahren Physikprofessor an der TU Wien und bieten gleichzeitig die Vorlesung „How Science Inspires Science Fiction“ an. Ein unübliches Thema für eine technische Universität.
Schattschneider: Ich würde sagen: mit Einschränkung ungewöhnlich. Früher war das durchaus so, aber ich bemerke eine Änderung der Einstellung hier an der Universität. Heute ist es durchaus salonfähig, über Science-Fiction zu sprechen. Die Kombination Physik und Science-Fiction ist nicht so abwegig. Die sogenannte „Hard SF“, also die von Arthur C. Clarke und Jules Verne zum Beispiel, enthält viel Physik. Im Kanon moderner Kurrikula darf Science-Fiction vorkommen – im Zusammenhang mit Naturwissenschaft. Das hat mit der Änderung des Wissensstatuts in der Postmoderne zu tun, von dem ich gesprochen habe. Ich sage jetzt etwas Zynisches: Die Soft Skills spielen im postmodern-merkantilistischen Paradigma der Universitäten eine wichtigere Rolle als die Skills. Wissenschaft mit Science-Fiction kombinieren zu können, ist ein Soft Skill.

mokant.at: Was hat Sie damals dazu bewegt, eine Vorlesung zum Thema Science-Fiction zu machen?
Schattschneider: Ich bin 1980 an die TU gekommen und hatte kurz darauf überlegt, über Physik und Science-Fiction zu lesen. Der Hintergrund war natürlich der, dass ich selbst Science-Fiction schreibe. Die Idee war, gewisse Science-Fiction Storys auf physikalische Stimmigkeit abzuklopfen. Man kann auch mit Mitteln, die durchaus auf Oberstufenniveau verständlich sind, einiges überprüfen.
Eine zusätzliche Motivation war, dass ich zu dieser Zeit Roman Sexl kennenlernte. Er war damals ein sehr bekannter Physiker. Er hat Physik in den Medien popularisiert, methodisch weniger wie Gruber, eher wie Taschner. Er hat sich damals, glaube ich, sogar als „Botschafter der Physik“ bezeichnet. Mein Projekt schien ihm interessant. Wir wollten ein Buch daraus machen. Wir hatten schon begonnen, Konzepte zu entwickeln, Storys rauszusuchen und uns Fragen zu überlegen. Dann ist er schwer erkrankt und bald darauf verstorben. Damit war auch das Projekt nicht mehr durchführbar.

mokant.at: Sie blieben also bei der Vorlesung und stießen anfangs auf viel Kritik.
Schattschneider: Ich habe relativ bald gemerkt, dass die Vorlesung von den Kollegen mit Verwunderung, vielleicht könnte man sagen, mit schmunzelndem Befremden zur Kenntnis genommen wurde, weil da ein Physiker über Spinnereien las. Es war ein Tabubruch.

mokant.at: Man hat sie dennoch weiterhin lesen lassen?
Schattschneider: Ja, natürlich. Es war damals ein Freifach und offiziell gab es keine Stellungnahmen dagegen. Aber man spürt ja die Atmosphäre.

mokant.at: Wie kam es, dass die Vorlesung heute so beliebt ist?
Schattschneider: Dafür muss ich auf das Jahr 1984 zurückgreifen. Es war das Orwell-Jahr. SF war modisch. Und ich hatte in einem Jahr fast hundert Hörer in der Vorlesung, obwohl es ein Freifach war. In den Folgejahren ist das ziemlich rasch zurückgegangen. Die Vorlesung hieß damals noch „Physikalische Szenarien“ und war anders aufgebaut. Darin habe ich versucht zu analysieren, wo in unserer Umwelt Physik vorkommt. Eines der Themen war die Science-Fiction. Ein zweiter Schwerpunkt waren Zeitungsmeldungen, deren physikalische Stimmigkeit analysiert wurde. Es wird ja jede Menge Quatsch veröffentlicht. Ein Beispiel ist die nette Zeitungsmeldung: „Ein Helium-Ballon ist in Flammen aufgegangen und ist explodiert!“ Man weiß aber auch mit Oberstufenkenntnissen, dass Helium unbrennbar ist. Der dritte Schwerpunkt der Vorlesung war ein philosophisch- gesellschaftlicher und höchst aktueller, wie zuvor besprochen: dass sich die Legitimation der Naturwissenschaften in der Postmoderne geändert hat.

In den 80er-Jahren war das für mich sehr spürbar. Zeitgleich und leider folgerichtig gab es eine Esoterikwelle. Es gab also drei Säulen, mit denen wir uns in der Vorlesung beschäftigten, mit mäßigen Hörerzahlen. Es muss gegen Mitte der 90er-Jahre gewesen sein, als das Kontingent der Lehrveranstaltungen gekürzt wurde. Diese Riesenwahlfachkataloge sind damals zum ersten Mal reduziert worden.
Ich hatte damals an der École Centrale in Paris, wo ich ein Jahr lang gearbeitet habe, einen Vortrag über Physik und Science-Fiction gehalten. Ein Professor von der École Centrale hat mich danach angesprochen. Es stellte sich zu meiner Überraschung heraus, dass er etwas Ähnliches machte: Science-Fiction-Storys physikalisch in Form von Projektarbeiten zu analysieren. Wir beschlossen, daraus eine Vorlesung an der École Centrale zu machen, die dort seither zum festen Bestand gehört. Ich habe die Vorlesung dann an der TU angekündigt. Es war von Beginn an ein Erfolg. Wir haben jetzt Wartelisten mit bis zu hundert Hörern pro Semester.

mokant.at: Nicht alle Science-Fiction Storys besitzen genug technischen Inhalt, der analysiert werden kann. Welche Storys kommen infrage?
Schattschneider: Ich habe in der Zwischenzeit einen relativ stabilen Fundus an Storys, die sich eignen. Man muss vorausschicken, dass sich von allen Science-Fiction Geschichten und Romanen – und es gibt ja nahezu eine abzählbar unendliche Menge davon – sagen wir fünf Prozent zur Analyse eignen. In der Regel sind die Autoren schlau genug, um über ihre Szenarien kaum Informationen preiszugeben. Wenn das der Fall ist, kann man auch nichts überprüfen. Wenn einer nur sagt: „Wir haben ein Raumschiff, das fliegt mit zigfacher Lichtgeschwindigkeit. Punkt. Aus.“ dann ist das nichts. Wolfgang Pauli hätte dazu gesagt: „Das ist nicht einmal falsch.“ Wir haben Texte von Clarke, der ist fast immer gut, Philip Dick, Larry Niven, Herbert George Wells und Jules Verne, um einige zu nennen.

mokant.at: Wie viele Studenten können sie pro Semester aufnehmen?
Schattschneider: Ich kann nur dreißig Hörer aus dem Haus und dreißig ATHENS-Studenten nehmen, weil die Vorlesung ja keine Frontalvorlesung ist. Es wird in Kleingruppen gelesen, analysiert und nachgerechnet. Das bedarf einer sehr intensiven, persönlichen Betreuung. Die Gruppen sind zwischen drei und fünf Personen stark. Jede Gruppe bekommt eine Science-Fiction Story zur Analyse. Es nehmen nicht nur Studierende der Physik teil, sondern auch Chemie, Elektrotechnik, Maschinenbau und Informatik sind vertreten. Da muss man natürlich physikalisch und mathematisch ein wenig nachhelfen.

mokant.at: Was kann man unter ATHENS verstehen?
Schattschneider: Advanced Technology Higher Education Network, ein europäisches Uni-Netzwerk, das aus dem Socrates-Programm hervorgegangen ist. Studierende mit sehr gutem Notendurchschnitt können für eine Woche auf eine Partneruniversität gehen und hören eine Crashvorlesung über ein Soft Skill Thema, zum Beispiel Solarenergie, industrielle Archäologie, Klimawandel, oder eben „How Science inspires Science Fiction“. Der Rektor hat mich vor Jahren ersucht, ob ich das nicht im Rahmen von ATHENS machen könne. Ich habe immer meinen Kollegen aus Frankreich dabei, der mit mir diesen einwöchigen Intensivblock hält, allein ist das nicht zu bewältigen. Am Ende referiert jede Gruppe über ihr Thema. Wir sind regelmäßig beeindruckt von der Qualität mancher Präsentationen.

mokant.at: Die TU Wien befindet sich in einer finanziellen Notlage. Sie hat Schulden von bis zu zwanzig Millionen Euro. Viele Vorlesungen werden daher eingestellt. Was passiert in Zukunft mit ihrer Vorlesung? Bleibt sie aufgrund des ATHENS Programms erhalten?
Schattschneider: Es ist richtig, mir wurde mitgeteilt, dass es kein Budget mehr für einen externen Lehrbeauftragten, das heißt, für meinen französischen Kollegen gibt. Damit kann ich die Lehrveranstaltung nicht mehr ankündigen. (Anmerkung der Redaktion: Nach dem Interviewtermin erreichte uns die Meldung, dass Dekan Leeb die Beauftragung bewilligt hat. „How Science inspires Science Fiction“ wird also im SS 2013 angeboten.)

Titelbild: (c) Peter Schattschneider

Alexandra Gritsevskaja ist Geschäftsführerin von mokant.at. Zuvor war sie auch als Redakteurin tätig.

1 Comment

  1. Descher

    3. Januar 2017 at 19:07

    Auch wenn sie von Lesern nie eine Antwort erhalten haben – ‚Das Whisky Syndrom‘, wie der gesamte Band, ist lesenswert.

    P.S. Ich habe auch Lem nie geschrieben oder den Strugazkis.

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