Trend: Und zum Abschluss noch ein Döner

Ist euch schon mal aufgefallen, dass irgendwie alle Unterwegs-Nächte bei McDonald’s enden?
Oder am Döner-/Pizza-/Würstelstand? Während es Dean und Sal im gleichnamigen Kultroman noch bis nach Mexiko schaffen, erreichen die hiesigen, müden Städter gerade mal die nächste Fast-Food-Theke. Warum hat sich der deftige Bissen am Ende zum Fortgehfixpunkt gemausert? Hier eine Ideensammlung.

1. Saufen und langes Wachbleiben machen hungrig
Der offensichtlichste aller Gründe. Es heißt ja nicht umsonst, dass der Körper im Idealfall alle vier Stunden Nahrungszufuhr benötigt. Und wer Samstagnacht nicht mit Apfel und Linsensuppe in der Tasche rumläuft und ein-zwei Snackeinheiten ausfallen lässt, der hat später natürlich umso mehr Hunger. Bei der Recherche trat außerdem ein Phänomen zu Tage, welches ich kurzum „Fressen danach“ bezeichnen möchte: Nachdem unser ambitionierter Körper sämtliche alkoholbedingte Hormone und Giftstoffe ausgeschwemmt hat, verlangt der Insulinspiegel nach dichterer Nährstoffgabe – und das dann sehr vehement.

2. Gesundes Essen sperrt über Nacht zu
Die offensichtlichste aller Ausreden. Und die am authentischsten formulierte. Selbst wenn man es wollte, bekommt man nachts um vier nirgends mehr halbwegs gesunde Nahrung (der Grilled Chicken Salad bei McDonald’s zählt nicht); im Kühlschrank lagert nichts außer Red Bull vom letzten Lernmarathon und aus dem Tiefkühlfach kommen verdächtige Klopfgeräusche. Auch Mama und Oma – sofern die in geografischer Reichweite sind – werden sich jetzt wahrscheinlich nicht mehr an den Herd stellen. Es ist daher die einzig logische und notwendige Konsequenz, sich auf dem Heimweg an der engeren Auswahl zu bedienen.

3. Döner macht schöner
Ernährungswissenschaftlich lässt sich festhalten, dass in Cheeseburger und Döner gutes Protein drin ist – das braucht der Körper! Ebenso lassen sich Salat und Gemüse veranschlagen (im Döner oft sogar zweiTomatenscheiben!), also viele Vitamine, die uns gut tun. Vor allem Haut und Augen freuen sich über das Vitamin A aus der Biotomate so kurz vorm Ins-Bett-fallen. Also lasst drauf eure drei Schichten Make-up-Kleister! Lasst die Kontaktlinsen drin! Die Tomate via Burger macht’s ganz sicher wieder wett.

4. Geld- und Kalorienstatus: eh scho wurscht
Macht sich noch irgendjemand vor, dass der Fruchtfaktor in Cocktails irgendwelche Vorteile bringt? Wenn ja, dann siehe bitte obigen Absatz zum Thema Tomate/Vitamine. Alle anderen wissen natürlich, dass die tropischen, bunten Schirmchengetränke den Rausch zwar süß und lustig machen, sind sich aber der „Energie“werte eines Bahama Mamas bewusst. Und da nach zwei der südländischen Luder plus Bier plus Red Bull plus Softdrink zwischendurch prinzipiell eher weniger auf den Crosstrainer gesprungen wird, bleibt man auf diesen Kalorien sitzen. Einzige logische Konsequenz: Wer schon so von den Diätgeistern verlassen auf einer tropischen Insel gestrandet ist, der kann dann wohl auch gleich den seit Tagen angeschielten Pizzastand aufsuchen. Ab morgen wieder Diät! Oder ab übermorgen halt. Dann wird auch wieder gespart.

5. U-Bahn-Accessoire-Wert
Sonntags um 4:00 Uhr Früh duftet die U-Bahn immer am intensivsten nach Döner. Aber zur Geruchskomponente kommt noch der darstellerische beziehungsweise repräsentative Wert: Es kann schon mal verdammt gut aussehen, wenn man beim Dönermampfen fast wegkippt und die Krautfäden vertretend für das Subjekt langsam Richtung Boden rieseln. Junkfood ist quasi ein Must-have – und zwar in jeder Saison. Wer nicht spätestens um 4:45 seinen Döner/Dürum/Nudelsnack in der Hand hält, manövriert sich auf direktem Weg ins soziale Aus. Punkt.
Titelbild: flickr.com/DavidBaker

Sabrina Freundlich leitet die Ressorts Musik und Kultur bei mokant.at. Twitter überfordert sie regelmäßig aber dennoch hat sie sich dort am wohl besten beschrieben, als "writeophile and fortune cookie lover". Kontakt: sabrina.freundlich[at]mokant.at

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